Scanlations


  • Anlässlich dieser News würde ich gerne eine Diskussionsrunde starten. Zwar ist der deutschsprachige Raum bisher nicht betroffen, da so manche Ideen aber schon viel schneller von Amerika zu uns hinüber geschwappt sind, könnte es eventuell nur noch eine Frage der Zeit sein, bis man auch den deutschen Scanlatorn an den Kragen will.


    Was haltet ihr also von den Maßnahmen der Verlags-Gruppe? Sind sie gerechtfertigt?


    Seit ihr der Meinung, dass Scanlation Seiten dem Markt Schaden oder ist der Einbruch vielleicht auch nur der Wirtschaftskriese zu verdanken?


    Wie ist das mit eurer eigenen Erfahrung? Habt ihr selbst schon Scanlations genutzt? Zu welchem Zweck bzw. in welcher Situation war das? (outen muss sich trotzdem keiner =D)


    Was haltet ihr von Scanlation Seiten, die entgegen dem "Scanlator-Kodex" weiterhin Scanlations von längst lizenzierten Mangas verbreiten?

  • Ich fänd es sehr schade, wenn die Mangaindustrie den gleichen Fehler begeht wie die Musikindustrie. Natürlich sind Lizenzhalter "im Recht" wenn sie ihr Copyright einfordern, das ist gar keine Frage. Aber offensichtlich gibt es da einen Markt, den sie nicht befriedigen, denn sonst wären Scanlation-Seiten wohl kaum so populär.
    Wir leben nunmal immer mehr in einer Welt, in der digitale Produkte für mehr oder weniger "wertlos" gehalten werden. Wenn jegliche Online-Services kostenlos sind und man mit dieser Mentalität aufwächst, dann sieht man es in der Regel nicht ein, für einen anderen Online-Service plötzlich zu zahlen. Ich nehme mich da übrigens in dem Fall teilweise aus, denn ich wäre durchaus bereit, für so einen Service zu bezahlen und ich handhabe es auch jetzt schon so, dass ich meine Musik lieber bei Amazon MP3 kaufe anstatt sie mir irgendwo illegal herzuholen. Aber wo sind denn im Mangabereich die entsprechenden Angebote? Gibt es ja nicht... da hat eine Industrie mal wieder die Zeichen der Zeit verpennt.


    Warum eröffnen sie nicht ihre eigene Seite, auf der man Mangas online lesen kann? Was spricht denn dagegen? Selbst wenn man damit nicht annähernd so viel verdient wie mit gedruckten Mangas, wenigstens verdient man dann ETWAS und hat außerdem daneben die Möglichkeit, gleich auf der selben Seite z.B. Merchandise-Artikel zu verkaufen. Stattdessen kommt man dann wieder mit der rechtlichen Keule und macht sich am Ende noch unbeliebt, dabei besteht die Zielgruppe für Mangas doch GERADE aus den Leuten, die in der sogenannten Kostenloskultur aufwachsen.


    Für Mitglieder der "Kultur Kostenlos" gilt nun mal in der Regel: "Für Bits bezahl ich nicht, nur für Atome." Davon kann man halten was man will, das ändert an dieser Realität doch nichts. Wenn sich die Mangaindustrie nicht bald selbst obsolet machen will, dann sollte sie sich schleunigst neue Geschäftsmodelle überlegen und sich nicht in ihre Traumwelt flüchten wie die Musikindustrie es augenscheinlich schon seit Jahrzehnten tut. Die Mangaka werden weiterzeichnen, auch ohne Mangaindustrie. Die Frage ist nur, ob es den "Zwischenschritt" Industrie in absehbarer Zeit noch geben wird, wenn sie sich nichts neues einfallen lässt.


    Übrigens ein gutes Buch zu dem Thema ist "Free" von Chris Anderson, das es kostenlos ;) als Hörbuch gibt: Chris Anderson: Free als Download : netzpolitik.org


    Wenn ich mir nebenbei bemerkt die Größe der Foren von OneManga (fast 100.000 Benutzer) und MangaFox (fast 500.000 Benutzer) angucke, dann frage ich mich, ob die Verlage sich nicht ihr eigenes Grab schaufeln, wenn sie denen den Hahn abdrehen, denn das sind mit Sicherheit zu einem sehr großen Teil dieselben Leute, die überhaupt auf irgendeine Weise im westlichen Mangasektor ihr Geld springen lassen - wenn sie sich die zu Feinden machen wollen, sollten sie ruhig so weiter machen...


    Um das nochmal eben klarzustellen: Ich sag nicht, dass das "richtig" ist, was da passiert von Seiten der Konsumenten. Ich sage lediglich, dass ich nicht glaube, dass sich Industrien, die mit den kreativen Ergüssen von Künstlern handeln, es sich leisten können, die Kostenloskultur zu ignorieren. Da können sich die Leute in den Mangaverlagen auf den Kopf stellen und mit den Ohren wackeln - es nützt einfach nichts. ;)

  • Ich bin da wohl eher altmodisch eingestellt und habe lieber das Buch in meinen Händen, als eine projizierte Seite.


    Aber selbst in wirtschaftlich orientierten Staaten sind die Verlage mit dem Markt nicht gerade auf Tuchfühlung. Lizensierte Serien werden aufgelegt und wenn vergriffen, dann hat man eben Pech gehabt!
    Auch dieser Pfad führt dann wieder auf den Weg der Scans...


    Das reine Konsumieren ohne Rücksicht auf Lizenzen und Copyrights ist in der Welt des Internets eine Zone, die man rechtlich unbedingt schließen will. Bedauerlich ist dabei nur, das rechtlich regelbare Lizenzdarstellungen überhaupt nicht erwähnt werden! Es wird wieder einmal über einen Kamm geschert!

    Nicht immer ist das, was wir sagen auch das, was wir meinen. Doch wenn wir sagen, was wir


    meinen, kann man immer noch falsch verstanden werden.

  • Ich persönlich finde das Verhalten der Verlage durchaus nachvollziehbar, aber halte es nicht für den besten Weg. Durch das Unterdrücken der Scanlations Seiten wird das bestehende Problem vielleicht vorübergehend abgemildert, aber aus der Welt geschafft ist es damit noch lange nicht. Wenn nun also diverse Scanlation Seiten dicht gemacht werden, dann kann ich mir durchaus vorstellen, dass der Markt sich vorübergehend erholen könnte. Dies muss aber nicht so sein, da jemand der vorher Scanlations gelesen hat, nicht plötzlich bereit sein wird, auf einmal doch Geld für Mangas auszugeben. Im schlimmsten Fall schadet die ganze Aktion dem Manga-Markt nur noch mehr, da auch die Kunden, die durch Scanlations zum kaufen angeregt wurden wegfallen.


    Mittlerweile ist das Internet wohl wirklich so präsent, dass sich alle Medien überlegen müssen, wie sie im Digitalem Zeitalter bestehen wollen. Wie von Kanako erwähnt müssen da im Grunde ganz neue Verkaufswege gegangen werden. Klar würde es anfänglich einige Probleme und offene Fragen geben, wenn ein Verlag gegen etwas Endgeld auf der eigenen Seite Mangas zum online lesen anbietet. Neben der Höhe des Preises und sicherlich einigen Problemen mit den Lizenzen, wüsste man schließlich trotzdem nicht, ob man am Ende überhaupt genügend Kunden hätte. Allerdings wäre das trotzdem nicht unmachbar. Es müsste halt mal ein Verlag ins kalte Wasser springen, aber so lange der Markt nicht kurz vor dem endgültigen Zusammenbruch steht, wird dies wohl nicht passieren. Alternativ könnten Verlage ja auch damit anfangen Beispielkapitel kostenlos zur Verfügung zu stellen. So würde es keine Scanlations mehr brauchen, wenn man wissen will, ob einem der Zeichen- und Erzählstil eines Mangas liegt und potentielle Kunden wären nicht gezwungen nach illegalen Scanlations zu suchen. Das dann dem ein oder anderem der Gedanke kommt, einfach kein Geld für seine Mangas auszugeben, ist nicht weiter verwunderlich.


    Allerdings kann ich es, wie gesagt, nachvollziehen, dass sich der Verlage nun gegen die großen Scanlation Seiten verbünden. Scanlations sind denke ich eine gute Sache, um Mangas populär zu machen oder um den Interessierten - auch wenn die Chancen für eine Lizenzierung fast bei 0 liegen - trotzdem eine Möglichkeit zu geben, in den Genuss eines bestimmten Mangas zu kommen. Ich finde es aber nicht in Ordnung, lizenzierte und noch erhältliche Mangas weiter zu verbreiten. Mal abgesehen von den Verlagen empfinde ich dies auch nicht als fair gegenüber den Autoren. Vielleicht sehe ich das ganze auch nur so, weil ich schon von klein auf darauf geprägt bin, mein Geld für Mangas zu sparen und diese nie als zu teuer empfunden habe.


    Das ich hier so scheinheilige Reden schwinge, obwohl ich mir durchaus schon den ein oder anderen in Deutschland lizenzierten Anime im Netz angeschaut habe, liegt vielleicht aber auch einfach nur daran, dass ich sowieso kein Fan vom Online-Lesen bzw. vom Lesen am PC bin. Ich möchte den Manga zwischen meinen Händen halten, die Tinte riechen, umblättern und mich damit aufs Bett oder in den Garten legen können. Nebenbei wird der Lesefluss natürlich auch nicht vom ständigen Laden der Seite unterbrochen. Außerdem hat man als kleiner Otaku natürlich auch einen Sammlergeist und ist stolz, wenn man das Regal voller Mangas betrachtet xD


    Aber selbst in wirtschaftlich orientierten Staaten sind die Verlage mit dem Markt nicht gerade auf Tuchfühlung. Lizensierte Serien werden aufgelegt und wenn vergriffen, dann hat man eben Pech gehabt!
    Auch dieser Pfad führt dann wieder auf den Weg der Scans...


    Stimmt, wobei man dieses Phänomen nicht nur auf den Manga-Markt beziehen kann. Hier würde mich allerdings mal die rechtliche Lage interessieren, bzw. was der Scanlator-Kodex dazu sagt:
    Lizenzen werden meines Wissens nach schließlich nicht auf Lebenszeit gekauft, sondern immer nur für einige Jahre. Wenn ein Verlag dann sieht, dass sich ein Manga nicht mehr wirklich gut verkauft, dann wird die Lizenz beim Ablaufen nicht mehr erneuert und entsprechend darf der Verlag den Manga gar nicht mehr drucken. Diese Handlungsweise ist denke ich nachvollziehbar, aber natürlich genauso ärgerlich, wenn man so an den bestimmen Manga nicht mehr heran kommt. Was ich mich nun frage ist, ob es dem Kodex entspricht, wenn man mit Ablaufen der Lizenz die Scanlation wieder verbreitet.