Tag 29 - 16:22 Uhr - Gelände der Akademie - Hauptgebäude
Valentina war überrascht von Ryus Wahl, er selbst schien aber noch viel mehr von seiner Wahl überrascht zu sein. Da sie ebenfalls zu den Betroffenen des Vorfalles um den Ausbruch von Ryus Kräften gehörte, war sie zwar naheliegend, aber Kasumi war auch gerade erst aus ihrem Koma erwacht.
"Eine überraschende Wahl", gab sie unumwunden zu. "Kasumi Akimoto ist erst vor wenigen Stunden aus ihrem Koma erwacht, in dem sie seit dem Tag lag. Du scheinst sie also besucht zu haben."
Ryus Inneres schien in Bewegung gekommen zu sein.
"Ich werde sie durch den Doktor durchchecken lassen, ob sie bereits fit genug für einen Individuum-Trauma-Einsatz ist", fuhr sie fort, ohne jemanden zu Wort kommen zu lassen. Andere Dinge erwarteten ihre Entscheidungen und auch die Auswertung und die Folgen der letzten Übungen mussten noch abgewogen werden.
"Ihr solltet euch auf diesen Einsatz vorbereiten und Kräfte sammeln. Die menschliche Psyche ist ein nur teilweise erforschtes Gebiet, in dem große gefahren lauern können. In diesem Fall wissen wir sogar von einer großen Gefahr, die dort lauert! Ihr werdet nicht körperlich dorthin gehen, sondern nur als Bewusstsein. Es wird eine Erfahrung sein, die euch alles abverlangen könnte..."
Sie blickte die beiden nacheinander ernst an.
"Ich werde auch die notwenigen Vorbereitungen einleiten lassen, um die IT-Insertion zu bewerkstelligen. Morgen vormittag, sofern Kasumi Akimoto imstande und bereit sein sollte, wird man euch im Krankenhaus erwarten. Die beiden Ausbilder werden euch dann zu einem Briefing begleiten und anschließend beginnt es dann. Mir bleibt vorerst nur, euch viel Glück zu wünschen!"
Hanagata Kanazawa tauchte wie auf ein Stichwort wieder auf, stellte den Körperkontakt zur Direktorin her und sprang mit ihr.
Noch immer standen die Schülerinnen und Schüler in Gruppen außerhalb der Simulationskuppel herum und diskutierten die gerade gemachten Erfahrungen. Dabei fiel niemanden auf, dass neun von ihnen gar nicht da waren.
Diese fast schon kriegsähnliche Erfahrung hatte die meisten aufgewühlt, so dass an eine geregelte Tätigkeit kein Gedanke verschwendet wurde. Von Ärger über den plötzlichen Angriff bis hin zu vor Angst zitternden Knien, weil man bereits das Leben hatte vorbeiziehen sehen, waren Reaktionen in allen Facetten vorhanden.
Die Ausbilder hielten sich soweit zurück und unterstützten nur, wenn es gewünscht wurde. Das, was nun aber vielen im Kopf herum ging, wurde ihnen nicht beantwortet.