[Hayato Akuma]
Tag 3 – 10:56 Uhr – Gelände der Schule - Gemüsegarten (14) - Agrargebäude
Irgendwie glaubte Hayato gerade, im falschen Film zu sein. Leo schien noch immer keinen Weg gefunden zu haben, sich mit seiner Umgebung passend auseinander zu setzen. Er reagierte wieder nur auf eine Herausforderung, ohne sich dabei Gedanken zu machen, wie seine Worte im restlichen Umfeld aufgefasst wurden.
Nicht das Hayato selbst ein guter Teamspieler gewesen wäre, aber er hielt sich dabei noch entsprechend zurück. Leo war gerade dabei, die Brücken hinter sich abzureißen, auch wenn es ihm wohl nicht wirklich bewusst war. Seine Blicke zur Zicke hatten Hayato zur Genüge bewiesen, dass er vor ihr wirken wollte. Damit konnte sie ja zufrieden sein.
Allerdings sah Hayato auch das Funkeln in den Augen der Rothaarigen, was in keinster Weise Bewunderung ausdrückte. Sie hatte von Anfang an nicht viel von Leo gehalten, weil seine Stimmungsumschwünge ihr wohl Beweis genug für seine Unzuverlässigkeit waren. Trotzdem war sie ziemlich neutral geblieben, was vielleicht auf Yukikos Einfluss zurückzuführen war. Mit seinem letzten Ausbruch hatte sich Leo aber keinen Gefallen getan.
Von den Ereignissen in der Cafeteria hatte er genug mitbekommen, um den Fehler auf Leos Seite zu sehen. Natürlich war Inugami-san auch kein unbeschriebenes Blatt, denn seinen Kampfgeist hatte er mehr als bewiesen. Das beide scheinbar gerne anderen Vorschriften machten, ließ die Gesamtsituation auch nicht leichter werden.
Hayato traute seiner eigenen Stimmung auch nicht genug, um in der plötzlich wieder angespannten Situation etwas zu sagen. Überraschenderweise war er sich des Gewichtes der Pistole in seiner Jacke überdeutlich bewusst.
Im Augenblick würde die Zicke ihren kleinen Welpen an ihre Seite ziehen und das Gebäude verlassen können. Allerdings würde der damit angerichtete Schaden für eine Zusammenarbeit dann irreparabel sein! Yukiko konnte sie sowieso nicht ausstehen, die Rothaarige war ihr auch nicht gerade aufgeschlossen gegenüber und er selbst...
Ohne dass es ein Vorzeichen gegeben hatte, war die Stimmung im Raum auf einen eigentümlichen Spitzenpunkt gelangt. Die falschen Worte würden den brüchigen Frieden zwischen den Anwesenden zerspringen lassen.
[Rika Sumiyoshi]
Während sie auf das Erwachen der beiden gewartet hatten, war es ziemlich still im Raum geblieben. Rika fühlte sich fast an Schülertreffen erinnert, die kein gemeinsames Thema hatten. Niemand hatte etwas zu sagen, oder wollte einfach nur nicht das falsche sagen.
Das sie im Augenblick überhaupt eine gemeinsame Richtung akzeptiert hatten, war für sie eine erfreuliche Wendung der Ereignisse.
Obwohl sie alle Schüler gewesen waren, kannte sich niemand. Es war wie ein Schulanfang mit einer missglückten Begrüßungsfeier…
Als sich dann Leopold-san als erster rührte, klappte er hoch wie ein Sprengring. Seine Augen huschten durch die Umgebung ohne diese wirklich zu erfassen. Offenbar war er noch von den Eindrücken gefangen, die zu seinem Ableben geführt hatten. Seine geballte Faust ließ auf Kampfbereitschaft schließen. Dann schien er die Situation zu erfassen und sprang fast auf die Beine. Obwohl er noch etwas wackelig wirkte, beugte er sich über den anderen Schüler, Inugami-san. Dieser erwachte in dem Moment, ohne dass er von einem Gefühlssturm belastet wurde.
Sein Kommentar zu der Nähe des anderen Jungen war schon fast trockener Humor, während er Leopold-san zurück schob.
Als sich Inugami-san dann direkt an Yuki wandte, die aufgesprungen und an ihn herangetreten war, kam sich Rika für einen Moment wie in einer Schnulze vor, die ihre Oma immer so gern gesehen hatte. Irgendwie wußten wohl beide nicht so wirklich, wie sie reagieren sollten. Das er dann auch noch die Hand nach ihr ausstreckte, hatte eine beinahe komische Wirkung, denn Yuki verzog das Gesicht und blies sogar ihre Wangen auf vor Empörung. Daraufhin zuckte Inugami-san fast zurück. Er stellte sich den anderen gegenüber noch einmal vor und Yuki erklärte ihm in einem kurzen Umriss die Situation.
Seine Reaktion war ziemlich gefasst für jemanden der gerade wieder bewusst auf die Umgebung reagierte. Yuki hatte ihn und auch Leopold-san um ihre Mithilfe gebeten. Seine plötzlich wieder herausfordernde Art konnte man auch als Drohung auffassen, was auf der Seite von Leopold-san wohl auch so passierte. Seine Reaktion erinnerte an seine Aufwallungen, die Rika vorher bereits erlebt hatte. Dass er sich erst mal nicht in einem Wettstreit sah, war ja in Ordnung, aber der zweite Teil gefiel ihr dann nicht so sehr. Ganz besonders nicht, da er es wohl gemacht hatte, um bei „Miss Eisenhart“ Eindruck zu schinden. Jedenfalls ließen sich seine Blicke so deuten.
Dabei wechselte er dann teilweise in seine Muttersprache, die offenbar Inugami-san wieder Probleme bereitete. Yuki fungierte als Dolmetscherin und daraufhin kam es zu einer Warnung in Richtung Leopold-san, die nicht missverstanden werden konnte.
Aber auch Inugami-san hatte wohl die Fixierung auf „Miss Eisenhart“ bemerkt und warf dieser einen Blick zu, ohne sie jedoch direkt anzusprechen. Rika gingen dazu auch verschiedene Gedanken durch den Kopf, die ihre Augen belustigt funkeln ließen. Aber sie hielt ebenfalls vorerst den Mund, um der anderen die Möglichkeit zu geben, auf dieses andienende „Zu-Gefallen-sein“ Gehabe von Leopold-san reagieren zu können.