[Hayato Akuma]
Tag 3 – 10:14 Uhr – Gelände der Schule - Lehrerwohnheim - Direktorenzimmer
Hayato verfolgte Yukikos Ausführung aufmerksam. Dabei wurden jetzt eine Menge Mutmaßungen angestellt, die sich mit den bekannten Informationen verknüpfen ließen. Dabei ließ sie, wie auch alle anderen, die Möglichkeit der Anpassung außen vor. Schließlich waren alle hier versammelten nicht gerade für ihre Anpassungsfähigkeit bekannt.
Eigentlich schien man gerade die schwierigen Fälle auf der einen Seite aufzustellen, um ein Gefälle zu den Prinzipien der Schulordnung aufzubauen.
Je länger man die Positionen der beteiligten vor Augen führte, desto deutlich wurde der planende Gedanke dahinter. Niemand hier kannte sich aus dem vorherigen Leben. Alle waren von einem eher unerfreulichen Schicksal frühzeitig abberufen worden. Außerdem neigten viele zu Aggressionen, wobei er sich selbst nicht ausnahm.
Dabei waren die Positionen auch nicht zufällig ausgewählt, wie schon die Rothaarige ausgeführt hatte. Nur glaubte Hayato nicht daran, dass die junge Vizepräsidentin eine tatsächliche Vertretung für den Tenchi darstellte. So wie sie mit der Zicke nach der Tötung von Yukiko umging, war sie ebenfalls auf eine eigene Position gesetzt worden. Sie hatte ihn nicht auf den Plan gerufen, sondern vollkommen selbstständig entschieden. Demzufolge waren auch dort Unterschiede geplant worden.
„Es ist schon wie ein geplantes Szenario, wie man uns hier positioniert hat, findet ihr nicht?“ stellte er laut eine Frage. „Außerdem glaube ich nicht, dass diese Informationen von der anderen Gruppe vor uns, durch den Schöpfer hier deponiert wurden. Es ist wie ein immer währender Kampf zwischen zwei Parteien, bei denen nur die Gesichter wechseln.“
[Rika Sumiyoshi]
Rika wusste nicht, in welche Richtung Yukis Gedanken abgeschweift waren, aber es konnte nichts Erfreuliches gewesen sein. Als sie dann ihre Überlegungen ausführte, hatte sie ihre Gefühlswelt wohl wieder im Griff. Dass sie dabei auch schon Überlegungen zu den Fähigkeiten eingebaut hatte, ließ auf ein paar Gefühlsmäßige Bindungen schließen, die Yuki mit der Situation des Tenchi verbanden.
Natürlich hatte Rika auch Yukis Blick auf die Ausbeulung in der Jacke gesehen, hinter der sich die Pistole befand, die Akuma-san jetzt mit sich führte.
Bislang wussten ja nur Yuki und sie selbst, dass es noch eine weitere Pistole in diesem Raum gab. Da wurde das Thema Vertrauen und Gruppe nicht gerade einfacher. Möglicherweise ging auch etwas in der Art Yuki durch den Kopf, wenn sie aussah, als wollte sie den anderen alles erzählen.
Als ihr bei diesem Gedankengang einfiel, dass sie ja auch den anderen Jungen einfach dort liegen gelassen hatten, röteten sich für einen Moment ihre Wangen. Da er mit seinen Fragen einfach unbequem war, hatte niemand auch nur einen Gedanken an ihn verschwendet. Das sprach nicht gerade für alle hier im Raum.
Falls er dort unten inzwischen wieder aufgewacht war, dann würde er nicht gerade begeistert sein. Aber daran war nun auch nichts mehr zu ändern. Einmal zerschlagene Eier bekam man nicht mehr in die Schale, wie ihre Großmutter zu sagen pflegte.
Es würde wohl den hier anwesenden Personen überlassen sein, sich irgendwie zu arrangieren. Denn sie würden wohl eine Position festlegen müssen!
Als Yuki bei ihren Ausführungen zu den Auswirkungen eines ewigen Kampfes einen Blick in Richtung von „Miss Eisenhart“ verschickte, musste Rika schmunzeln.
Nachdem sie geendet hatte, kam auch von Akuma-san eine Anmerkung.
Alle dachten dabei in eine Richtung, was zumindest auf eine Lösung hin zielte.
„Ich würde vermuten, dass man den Tenchi nur verlangsamen kann, nicht aber vollkommen aufhalten. Dazu wird man Waffen einsetzen können oder sogar müssen. Ihn zu besiegen, kann ich mir auch nicht vorstellen“, setzte Rika daraufhin an. „Das wir nicht auf Konfrontationskurs gehen dürfen liegt auch auf der Hand. Alles was ihn langfristig gegen uns aufbringt, würde ihn auf Sicht angreifen lassen! Also dürfen es nur Aktionen sein, die sich auf einem schmalen Grad bewegen. Auf keinem Fall dürfen die NPC dabei gefährdet oder bedroht werden.“
Um die Gruppe zu ernähren mussten sie an Essensmarken herankommen. Dies durfte nicht gewaltsam passieren. Also musste es schon etwas phantasievolles sein…
„Damit bleiben wohl Aktionen wie das Konzert, wo man eigentlich nur das Eindringen des Tenchi verzögern muss. Sie haben ihm jedenfalls keine Leute zum Abschlachten in den Weg geworfen, so dass er beschäftigt gewesen wäre. Sie haben es auch immer so eingerichtet, dass die anderen Schüler etwas davon hatten, wie wir es mit der kleinen Tauschaktion ja auch gemacht haben“, erinnerte sie dann. Deshalb hatten sie ja auch schon die heutige Tauschaktion vorbereitet, die ebenfalls in dieses Raster passte.