Beiträge von Soulshadow

    [Alex] Z-Day - 14:54 Uhr Yamato, Präfektur Kanagawa

    DUAL BALANCE ENGENEERING stand in großen Lettern über dem Laden, der direkt an der Straße lag.
    Wir waren die 467 gen Norden hinauf gefahren und befanden uns irgendwo oberhalb des City Office von Yamato. In den großen Scheiben waren eine Menge Motorräder zusehen, deshalb hatte ich dort gehalten. Diese Straße war auch nicht so voll gestellt mit Fahrzeugen gewesen, so dass wir einigermaßen vorangekommen waren.
    Seit wir aus der zentralen Stadtzone wieder raus waren, gab es auch nicht ganz so viele Schlurfer auf den Straßen. Hier in den Randzonen hatten wir auch noch keine Horden von ihnen zu sehen bekommen.
    Durch den Linksverkehr konnte ich Kitsune auch direkt vor dem Laden positionieren. Die Türen hatten wir vorsichtshalber verschlossen. Der Laden war vom Besitzer nicht verschlossen worden und es befanden sich auch keine Untoten in seinem Inneren. Nachdem wir die Tür hinter uns zugezogen hatten, gingen wir in den hinteren Bereich, wo die Kleidung ausgestellt war.
    Bei meiner Größe musste ich natürlich etwas suchen. Obwohl ich lieber etwas in komplett schwarz gehabt hätte, musste ich mich mit einer modischen Farbgebung zufrieden geben. Woher der Ladenbesitzer die schweren Motocross-Stiefel in Größe 45 hatte, konnte ich mir nicht wirklich vorstellen, aber die Teile passten hervorragend!
    Da wir die geschlossenen Regale als Umkleideschutz zwischen uns hatten, verständigten wir uns zwischendurch mit leisen Zurufen.
    Da ich innerhalb von Kitsune keinen schweren Rückenprotektor gebrauchen konnte, wählte ich weniger steife Schutzkleidung aus. Durch die Protektorentechnik hatten wir nun jedenfalls einen ziemlich guten Schutz für den Körper. Die anderen Klamotten stopfte ich in einen Rucksack, bevor ich wieder nach vorne ging. Der Hund blickte mich mit hechelnder Zunge an.
    Draußen war es ruhig geblieben und es hatten sich auch keine Schlurfer angesammelt. Das M4A1 locker in der Armbeuge wartete ich auf Kōri. Es war inzwischen 15:28 Uhr und so langsam mussten wir eine sichere Bleibe für die Nacht finden.

    [Alex] Z-Day - 13:43 Uhr Yamato, Präfektur Kanagawa

    An der Tankstelle hatte es keine Untoten gegeben, aber die Säulen waren natürlich abgeschaltet. Da sich drinnen auch niemand befand und die Blutspuren auf unerfreuliche Ereignisse hinwiesen, mussten wir uns selbst helfen! Um einen Tank von einem Radpanzer zu füllen brauchte es auch einige 1000 Yen Scheine mehr, als ich bei mir hatte, weshalb die Selbstbedienungssäulen auch nicht wirklich nützlich waren. Zu dem weigerte sich die Zapfsäule auch noch, die erforderliche Menge in einem Stück abzugeben. Deshalb musste ich mir die Schaltung der Zapfsäulen vornehmen, um an die benötigte Menge zu kommen. Nachdem ich mir die Zapfsäule mehrfach freigeschaltet hatte, kam die Tankbefüllung auch zustande. Da wir hier unsere Ruhe hatten, ließ ich Kōri das Innere der Tankstelle nach Nützlichem durchsuchen, während ich nach dem Fahrzeugtank auch gleich jeden greifbaren Kanister befüllte.
    Leider erwies sich die Tankstelle nicht als Mini-Shop, wie man es sonst ja kannte, so dass wir auf dem Weg noch an einem der kleinen Lebensmittelmärkte halten mussten. Dabei fanden wir auch einen verlassenen Laden, in dem ein einzelner Ex-Besitzer stumpf gegen ein Regal anlief. Nachdem ich ihm einen ewigen Scheitel verpasst hatte bunkerten wir alles Nützliche, was uns gerade einfiel, während der Hund draußen aufpasste.
    Schließlich erreichten wir den verunfallten LKW wieder, aus dem wir am Morgen unsere Ausrüstung bezogen hatten. Unterwegs hatten wir bei langsamer Fahrt jede Menge stehen gelassener Fahrzeuge weggeschoben und reichlich Schlurfer zermatscht. Beim LKW hatte sich nichts verändert, so dass ich die Kisten mit Kōris Hilfe in den Passagierraum des Radpanzers umlud. Einiges der Ausrüstung ließ sich direkt in Halterungen und Schränken des Truppenabteils verstauen.
    „Jetzt wäre eigentlich noch ein wenig Kleidung angesagt. Am besten etwas, dass sich nicht so leicht durchbeißen lässt!“ meinte ich, als wir wieder im Cockpit saßen. Automatisch warf ich einen Blick auf die Uhr. Es war gerade 14:23 Uhr geworden.

    [Alex] Z-Day - 13:21 Uhr Yamato, Präfektur Kanagawa, Atsugi Marineluftwaffenstützpunkt


    Ich nahm meinen Blick nicht vom Fahrweg und starrte konzentriert nach vorne. Aus dem Funkgerät, das ich bei mir behalten hatte, quäkten verschiedene Stimmen. Kaum dass wir über die Startbahn hinweg gefahren waren donnerte hinter uns eine weitere Transportmaschine in den Himmel. Sie evakuierten den Stützpunkt!
    Das Kōri in ihrer Aufregung ihren richtigen Vornamen benutzt hatte, war mir natürlich aufgefallen. Ebenso, wie die plötzlich erlöschende Begeisterung in ihrem Gesicht! Nachdem sie mir mitgeteilt hatte, dass ihr Onkel nicht ran ging, waren ihr wohl verschiedene Gedanken durch den Kopf gegangen. Womit sie sich letztendlich beruhigt hatte, konnte ich auch nicht sagen. Vermutlich etwas in der Art von später nochmal versuchen…
    Bei dem ganzen Chaos, das wahrscheinlich im Telefonnetz herrschte, war es eh schon ein kleines Wunder gewesen, dass sie überhaupt durchgekommen war.
    Kurz nachdem wir in dem Militärgebäude angekommen waren, hatte ich im Vorbeigehen eine Fernsehsendung gesehen. Da waren auch ein paar Tote in Leichensäcken an einer Straßensperre wieder auferstanden. Kurz darauf war die Sendung abgebrochen worden.
    So etwas passierte in diesem Augenblick demnach auf der ganzen Welt! Wie konnte es da Hoffnung auf eine Normalisierung der Lage geben? Gehörte wohl für die meisten Menschen mit dazu, sich an Hoffnungen zu klammern!
    Trotz das ich nicht ganz achtundzwanzig Jahre alt war, hatte ich schon bedeutend mehr Mist erlebt, als mancher in seinem ganzen Leben! Falls sich hier eine Besserung der Situation einstellen würde, so konnte es nur eine Stabilisierung unserer momentanen Lage sein. Derzeit überlebten wir! Und wir hatten ein Fahrzeug, das uns eine Menge Vorteile gab.
    Wir erreichten das andere Ende des Geländes und ich bretterte einfach durch den Zaun. Ein paar dahinter rumwankende Schurfer zerplatzten an der gepanzerten Außenhaut des Radpanzers. Mit ein paar Schlenkern umging ich die Betonsperren und brauste die Straße wieder hoch, an der wir das Feuergefecht wegen der Leute gehabt hatten!
    Auf unserem Weg hierher waren wir auch an Tankstellen vorbeigekommen, wo wir Kitsune voll tanken konnten! Außerdem wollte ich den Rest der Munition und Ausrüstung aus dem LKW bergen. Von der wusste ich wenigstens, dass sie da war!

    [Alex] Z-Day - 13:16 Uhr Yamato, Präfektur Kanagawa, Atsugi Marineluftwaffenstützpunkt


    Das letzte Gurtschloss hakte natürlich wieder einmal. Mit etwas mehr Kraftaufwand schnappte es endlich zurück und ich konnte den letzten Textilgurt aushaken. Damit war der Radpanzer nicht mehr auf der Laderaumplatte festgeschnallt. Ich blickte noch einmal schnell unter die Achsen, ob man dort noch weitere Halterungen angebracht hatte, aber es war nichts weiter zu sehen.
    Da der Panzerwagen von Rheinmetall auf einem deutschen Prinzip beruhte und eigentlich nur etwas umgerüstet worden war, fand ich mich schnell zurecht.
    Die Fahrertür war nicht verschlossen, so dass ich ohne Probleme einsteigen konnte. Wie bei solchen Transporten üblich, steckte auch der Zündschlüssel. Kōri hatte auf der Beifahrerseite auch die Tür geöffnet und ließ den Hund zuerst einsteigen, da der Einstieg etwas höher lag und Hi hinein springen musste.
    Nachdem ich den Zündschlüssel gedreht hatte, leuchteten die Kontrollleuchten auf. Alles sah soweit gut aus. Nur war etwas wenig Sprit im Tank. Da würden wir auf alle Fälle nachtanken müssen.
    Auf der Beifahrerseite knallte die Tür ins Schloss und Kōri blickte zu mir rüber.
    Als ich die Dieselmotoren startete, tauchten vorne am Hangartor ein paar Viecher auf. Ich knallte die Tür ebenfalls zu und gab Gas. Durch die Gasdruckfederung merkten wir wenig von riffeligen Untergrund, als der Fuchs nach vorne schoss. Was uns im Wege war, wurde einfach beiseite gestoßen! Da ich mich nicht so richtig in der Gegend auskannte, nahm ich wieder Kurs auf die andere Seite des Flugfeldes, wo wir reingekommen waren.
    „Jetzt wäre vielleicht ein guter Zeitpunkt, um deinen Onkel anzurufen!“ meinte ich dann entspannt zu dem Mädchen.

    [Alex] Z-Day - 12:59 Uhr Yamato, Präfektur Kanagawa, Atsugi Marineluftwaffenstützpunkt


    Zwischen den Gebäuden war hier noch nicht so viel los, aber hinter uns begann eine Alarmsirene zu wimmern. Ob sie nun diesen internen Ausbruch unter Kontrolle bekamen, oder nicht. Es würde sie auf alle Fälle weitere Leute kosten!
    Ich hatte absolut keinen Bock, in diesem Spektakel überhaupt eine Rolle zu spielen. Gerade weil man mich an diese andere Sache erinnert hatte, war ich noch weniger gewillt als vorher, mich unter irgendein Kommando zu stellen!
    Diese ganze Geschichte hier konnte man nur als das Todesläuten der bestehenden Welt bezeichnen! Ob man es nun religiös sehen wollte, oder auch nicht. Diese früher einmal in den Bereich geistigen Ausschuss gehörende Phantasie war hier und jetzt Realität geworden! Egal, ob es mir passte, oder nicht. Dieser Affendreck passierte wirklich!
    Wir rannten an den Parkplätzen vorbei wieder zum Flugfeld und konnten dabei durch die schmalen Personenpassagen laufen.
    Warum in diese Richtung? Erstens, sie führte direkt weg von den Schlurfern! Zweitens, hier starteten die Maschinen. Drittens, wenn es Ausrüstung außerhalb der Magazine gab, dann hier!
    Außerdem brauchten wir unbedingt ein Fahrzeug! Die Straßen waren von Fahrzeugen verstopft, also musste es etwas mit Nehmerqualitäten sein! Ein schweres Kettenfahrzeug würde alles plattwalzen, aber leider soffen die zu viel Sprit, um eine vernünftige Reichweite zu bekommen.
    Als Kōri plötzlich ihren Ruf ausstieß, hatte ich gerade in die andere Richtung geschaut, wo ein paar Soldaten in einen Panzer kletterten. Sie wollten damit wohl nach vorne fahren und mit den Ketten eine blutige Ernte einfahren!
    Als ich in ihre Richtung blickte, hatte sie bereits den Kurs geändert und lief auf einen Hangar zu.
    Die C-130 Hercules da drin hatte wohl Probleme mit einem Motor gehabt, denn dort waren zwei Scherenbühnen aufgebaut. Die Heckrampe war offen und in seinem Inneren war ein Fahrzeug zu sehen.
    „Mein Vater sagte, dass diese kleinen Radpanzer wahre Geländeteufel sind! Er war ganz angetan von diesem Kitsune-Radpanzer…“ erzählte Kōri weiter, während sie auf die offene Laderampe zulief.
    „Fuchs!“ korrigierte ich sie. „Das Teil heißt Fuchs, zumindest bei uns. Aber Kitsune klingt gleich wie der richtige Spitzname!“
    Ich erkannte die kantige Schnauze des Radpanzers in dem Halbschatten des Laderaumes. Die amerikanischen Armeesymbole darauf waren mir zwar nicht ganz so vertraut, aber der Fahrzeugtyp schon. Und das Mädchen hatte vollkommen Recht! Dieser Radpanzer war ziemlich geeignet für das, was wir gerade brauchten. Die Mercedes Benz 8-Zylinder Dieselmotoren hatten Abgasturbolader, was dem Fuchs stattliche 96 km/h erlaubten und auf der Straße etwa 800 Kilometer Reichweite brachten. Damit wären wir recht gut ausgestattet!
    Wie abgesprochen rannten wir die stählerne Rampe empor in den Laderaum der Hercules.

    Beginn der Volljährigkeit (Dieses Jahr am 10.Januar!)

    Dieser "Tag der Erwachsenen" (Seijin no Hi) ist ein nationaler Feiertag in Japan, der bis 1999 fest auf dem 15. Januar lag, aber seit dem Jahr 2000 ist auch dieser Feiertag beweglich geworden und wird seitdem am 2. Montag im Januar begangen - was den Japanern zugleich auch ein langes Wochenende beschert.
    Mit 20 Jahren erhalten die jungen Leute das aktive Wahlrecht, aber auch erst jetzt dürfen sie offiziell rauchen und Alkohol trinken. Den Führerschein dagegen kann man in Japan schon mit 18 Jahren machen.
    In den verschiedenen Städten und Gemeinden werden für alle 20-Jährigen feierliche Zeremonien veranstaltet, in denen ihnen zu ihren neuen Rechten und Pflichten gratuliert wird. Die jungen Frauen tragen dabei fast alle einen traditionellen Kimono in hellen, bunten Farben mit langen Ärmeln, den furisode, einem Merkmal für unverheiratete Frauen. Oft wird der teure Kimono aus einem Fachgeschäft ausgeliehen, so wie es auch bei Brautkleidern etc. üblich ist. Es ist eine Kunst für sich, einen Kimono und die entsprechenden Unterkleider, einen passenden breiten Gürtel, den obi, und so weiter richtig zu kombinieren, anzuziehen und zu binden. Hierfür kann man sogar extra Kurse besuchen.
    Die meisten jungen Männer dagegen tragen einen dunklen Anzug und keinen traditionellen hakama (ein weiter Männerhosenrock) mehr.
    Dabei werden Schreine besucht, Zeremonien abgehalten und Parties gefeiert. Gleichwohl beginnt nun für alle 20-Jährigen der Ernst des Lebens.

    Nach den ersten Fernsehsendungen und Direktübertragungen von Vorfällen mit den Untoten machte sich so langsam die Erkenntnis unter den Menschen breit, dass es eine Tatsache geworden war.
    Viele kamen mit diesem Wissen nicht klar, was zu unzähligen Selbstmorden führte!
    Gleichzeitig verschlossen sich die Menschen, um die Schreie auf den Straßen nicht mehr wahrnehmen zu müssen. Jeder Fremde konnte ja eines dieser Dinger sein.
    Das die Untoten nicht reden konnten, war als Information nicht durchgedrungen, so dass alle Personen, die einem unbekannt waren, automatisch als gefährlich eingestuft wurden! So wurden dann auch Hilfesuchende mit Waffengewalt abgewehrt, was zu weiteren Toten führte.
    Mit dem Untergang der Sonne verschlimmerte sich die Lage auf den Straßen noch weiter. Die Schlurfer benötigten kein Licht, sie reagierten einfach nur auf Geräusche! Ob es Musik war oder streitende Menschen… alles war für sie ein Anreiz!
    Die jetzt wie ausgestorben daliegenden Hauptverkehrsstraßen wurden von den Untoten verlassen, die jetzt in die schmaleren Straßen der Wohnsiedlungen vordrangen.
    Wohnungen die ebenerdig lagen erhielten bei höherem Geräuschlevel unliebsamen Besuch!
    Auch an den Kontrollpunkten der Sicherheitskräfte ging der Ansturm der Untoten weiter.
    Allgemein dort, wo sich viele Menschen aufhielten, kam es zu einem erhöhten Geräuschpegel, was automatisch zum Auftreten von Schlurfern führte. Der Einsatz von Schusswaffen durch die Sicherheitskräfte lockte dann weitere an.
    Je nachdem, wie viele angelockt wurden, brachen hier auch einige Sperren unter dem Ansturm zusammen.

    [Alex] Z-Day - 12:57 Uhr Yamato, Präfektur Kanagawa, Atsugi Marineluftwaffenstützpunkt


    Zwischen den Gebäuden war hier noch nicht so viel los, aber hinter uns begann eine Alarmsirene zu wimmern. Ob sie nun diesen internen Ausbruch unter Kontrolle bekamen, oder nicht. Es würde sie auf alle Fälle weitere Leute kosten!
    Ich hatte absolut keinen Bock, in diesem Spektakel überhaupt eine Rolle zu spielen. Gerade weil man mich an diese andere Sache erinnert hatte, war ich noch weniger gewillt als vorher, mich unter irgendein Kommando zu stellen!
    Diese ganze Geschichte hier konnte man nur als das Todesläuten der bestehenden Welt bezeichnen! Ob man es nun religiös sehen wollte, oder auch nicht. Diese früher einmal in den Bereich geistigen Ausschuss gehörende Phantasie war hier und jetzt Realität geworden! Egal, ob es mir passte, oder nicht. Dieser Affendreck passierte wirklich!
    Wir rannten an den Parkplätzen vorbei wieder zum Flugfeld und konnten dabei durch die schmalen Personenpassagen laufen.
    Warum in diese Richtung? Erstens, sie führte direkt weg von den Schlurfern! Zweitens, hier starteten die Maschinen. Drittens, wenn es Ausrüstung außerhalb der Magazine gab, dann hier!
    Außerdem brauchten wir unbedingt ein Fahrzeug! Die Straßen waren von Fahrzeugen verstopft, also musste es etwas mit Nehmerqualitäten sein! Ein schweres Kettenfahrzeug würde alles platt walzen, aber leider soffen die zu viel Sprit, um eine vernünftige Reichweite zu bekommen.

    [Alex] Z-Day - 12:55 Uhr Yamato, Präfektur Kanagawa, Atsugi Marineluftwaffenstützpunkt

    „Bloß nicht dahin!“ erwiderte ich sofort. „Wenn die da alle inzwischen umgewandelt sind, dann herrscht da das absolute Chaos!“ Sich an den Ort zu begeben wäre nun das Letzte, was man tun sollte! Der Check der Ausrüstung war beendet und alles wieder am Körper verteilt. Im Rucksack war noch etwas überschüssiges Material, aber das Teil behielt ich erst einmal in der Hand.
    Als wir unten beim Gebäude ankamen, war der Humvee verschwunden! Den hatte sich wohl jemand anderes gegriffen.
    „Mist!“ entfuhr es mir laut. Da würden wir wohl erst einmal wieder laufen müssen!
    Als sich ein wildes Geschrei erhob ruckten unsere Köpfe automatisch in die Richtung herum.
    Aus einem Gebäude, wahrscheinlich war es das Krankenhaus der Basis, strömten unzählige Schlurfer aus zersplitternden Glastüren. Die Leute, die gerade auf dem Weg dorthin gewesen waren, rannten geradewegs in sie hinein!
    Oben auf den Dächern begannen die Scharfschützen zu feuern.
    Ich starrte nur einen Moment auf das Chaos vor uns, dann blickte ich mich um. Hinter uns startete ein Transportflugzeug. Mit einem Ruck wandte ich mich um und griff Kōri an der Hand.
    „Hier geht das alles den Bach runter! Wir müssen verschwinden! Jetzt den Helden zu spielen würde uns auch nur in deren Reihen bringen!“ rief ich ihr zu und zog sie wieder in Richtung Flugfeld.

    Die Männer, die gerade zur Kontrolle der Situation innerhalb des Krankenhauses in Marsch gesetzt worden waren, sahen sich plötzlich nicht nur splitterndem Glas sondern auch jeder Menge ehemaliger Kameraden gegenüber, die jetzt nicht mehr wirklich lebendig waren. Jetzt waren diese Körper nur noch von einem Instinkt angetrieben – der Gier nach Fleisch!
    Obwohl die Soldaten schnell reagierten und das Feuer eröffneten, waren ihre trainierten Reaktionen auf Körpertreffer ausgerichtet. Und die machten den Viechern außer etwas kinetischer Energie nichts aus! Trotz Feuerstöße wurden die Männer von der schieren Masse der Untoten aus den Zugängen einfach überrollt. Auch die Scharfschützen auf dem Dach feuerten, was ihre Gewehre hergaben. Trotzdem war es doch immer nur ein einzelner Untoter, den sie zu Fall brachten.
    Wie ein unaufhaltsamer Strom kam das, was vorher einmal Patienten gewesen waren, aus den Zugängen, die dem schieren Druck der Massen nicht standgehalten hatten, aus dem Gebäude heraus.
    Jeder Versuch, diesen Zustrom an wandelnden Körpern aufhalten zu wollen, würde wohl die Energie eines Space Shuttle Feststoffboosters benötigen! Da es hier nichts in der Art gab, würden sich die Überlebenden zurückziehen müssen!
    Der Hund, den Kōri Hi genannt hatte, lief neben uns her und warf keinen Blick zurück. Selbst seine Instinkte waren auf Abhauen eingerichtet. Alles das, was er schützen wollte, war hier bei ihm, deshalb gab es kein Zögern für das Tier!

    10:03 Uhr – Irgendwo in der Stadt

    Shinji Toyotomi war mehr als unzufrieden. Er schätzte es gar nicht, wenn er auf bestimmte Ereignisse warten musste! Aber er hatte sich auf diesen Handel einlassen müssen, da er selber nicht gegen die Maßnahmen der Cross Akademie angekommen wäre!
    Durch die Teilnahme an diesem Spiel war er seinem Ziel, Chinatsu wieder in seinem Besitz zu bekommen, ein großes Stück näher gekommen. Aber der Reinblüter, der sich meist in den Schatten hielt, hatte einen anderen Zeitplan und ließ Shinji nicht zum Zuge kommen! Für ihn, der es gewohnt war, alles immer zu bekommen, ein unmöglicher Zustand!
    Nachdem der magische Bann durch ihn in der letzten Nacht aktiviert worden war, hätte der Effekt eigentlich umfassend sein sollen. Aber irgendwie hatten diese niederen Kreaturen bei den Vorbereitungen wohl Fehler gemacht.
    Jedenfalls schienen sich einige wenige Schüler auf dem Gebiet der Akademie noch immer an die tatsächlichen Ereignisse zu erinnern.
    Shinji war nicht informiert worden, warum durch den Bann teilweise falsche Informationen in die Schüler eingepflanzt worden waren, was ihn auch nicht gerade erfreut hatte. Es war wohl auf einen der anderen Reinblüter zurückzuführen, der wahrscheinlich seine Gründe dafür gehabt hatte!
    In diesen Kreisen musste er sich beherrschen, was seinem Ego nun gar nicht gefallen wollte.

    Kasumi Saito beobachtete das Haupttor der Akademie und sah die Schüler herauskommen. Sie war sich sehr sicher, dass ihre kleine Kohana ebenfalls herauskommen würde. Ihre Augen funkelten vor Vergnügen. Nachdem sie dem Mädchen nun den Kontakt zu den anderen Personen, die es Freunde nannte, abgeschnitten hatte, würde es Kohana nicht alleine dort drinnen aushalten!
    Das Mädchen war schließlich lang genug bei ihr gewesen, so dass sie deren Reaktionen gut vorhersehen konnte.
    Worum es in diesem Spiel der hohen Vampire ging, wusste sie zwar nicht, aber trotzdem würde sie ihr Vergnügen aus der Sache ziehen. Dabei musste sie vorsichtig sein, denn es gab viele Augen, die alle Ereignisse beobachteten.

    Tag 25 - 08:06 Uhr – Verwaltungsgebäude – Haupteingang

    Kaori Yamada blickte der kleinen Gruppe entgegen, die gerade aus dem Gebäude kam. Einige andere Schüler warfen ihnen ebenfalls Blicke zu. Alle Vier machten einen niedergeschlagenen Eindruck, was nach einem Besuch bei der Direktorin auch nicht weiter verwunderlich war.
    Außer Kaori sah aber niemand genauer hin, denn die Meisten hatten mit ihren eigenen Gedanken genug zu tun! Sie sah jedoch das Leuchten in den Augen von Haruka Takahashi. Scheinbar bereitete ihr irgendetwas gleichzeitig eine große Freude.
    „Ist ja nicht meine Angelegenheit“, dachte Kaori bei sich und wandte sich ab. In einiger Entfernung sah sie den Raucher. Da er scheinbar ohne seine Zigaretten nicht leben konnte und deshalb konstant nach Tabak roch, hatten viele Schüler ihn im Stillen bereits so genannt.
    Dass der kleine Bücherwurm ausgerechnet mit dem Typen rumlief, wunderte sie schon etwas. Normal hielt sich Yuna Sakaiba doch eher innerhalb der Bibliothek auf, oder ließ sich mit einem Buch unter einem Baum nieder.
    Hatte sie womöglich auch Verdacht geschöpft?
    Es befanden sich noch ein paar andere Schülerinnen und Schüler in der Menge, die sich aufmerksamer umsahen als die Übrigen. Kaori zuckte in den Schultern. Sie glaubte nicht, dass sie etwas finden würden. Selbst sie wusste ja eigentlich nur, dass tatsächlich etwas passiert war! Man würde wohl in Zukunft etwas aufmerksamer auf der Insel sein.

    [Alex] Z-Day - 12:35 Uhr Yamato, Präfektur Kanagawa, Atsugi Marineluftwaffenstützpunkt

    Als die Tür aufging, hatte ich keinen amerikanischen Offizier erwartet, wie er jetzt eintrat.
    Dieser schien auch nicht erwartet zu haben, mich beim Reinigen einer automatischen Waffe vorzufinden.
    „Sie sind der Überlebende mit dem Mädchen?“ fragte der Offizier mich. Ich legte die frisch eingeölten Bauteile auf den Tisch und erhob mich.
    „Ja, bin ich!“
    „Warum kommen sie mir nur so bekannt vor?“ fuhr der Mann fort und blickte mich nachdenklich an.
    Da er sich ja noch immer nicht vorgestellt hatte, konnte ich ihn auch nicht mit Namen ansprechen. Und zu seinem letzten Satz konnte ich sowieso nichts sagen! Woher sollte ich das schon wissen?
    „Afghanistan…“, murmelte er. „International Security Assistant Force… Da war doch dieser Vorfall…“
    Das ich ausgerechnet hier auf jemanden stoßen musste, der mit dem Vorfall bei der ISAF zu tun gehabt hatte, damit hätte ich nie gerechnet. Mein Gesicht verhärtete sich.
    „Sie sind der Mann von dem Silent Sweep Vorfall!“ erinnerte der Offizier sich. Ich blieb erst einmal still und wartete ab, in welche Richtung sich dieses Gespräch entwickeln würde.
    „Wir bewerten es anders, als ihre Regierung! Sie haben ihren Kameraden das Leben gerettet, was für uns eine begrüßenswerte Tat war. Und sie entspricht auch unserer Ansicht von Ehre!“ fuhr der Mann fort. Ich entspannte mich wieder etwas. Da war man bei meiner Dienststelle anderer Ansicht gewesen! Man hatte mich rausgeschmissen und den Vorfall aktenkundig gemacht. Deshalb war ich ja weggegangen und schlussendlich hier in Japan gelandet.
    „First Lieutenant Don „Stingray“ Stockton!“ stellte sich mein Gegenüber vor. „Freut mich, sie kennen zu lernen. Jemanden wie sie können wir jetzt gut gebrauchen!“
    Wir gaben uns die Hand. Nachdem ich diesen anderen Typen am Funkgerät erlebt hatte, konnte ich mir auch denken, warum!

    Nach dem ersten Ausbruch hatten auch die Soldaten hier auf der Basis ihre Probleme gehabt, aber sie waren eben besser ausgerüstet und viele hatten eben nicht den Kopf verloren! Das die erste Welle ihnen ausgerechnet die obere Führungsebene ausgelöscht hatte, war wohl ein typischer Fall von Murphy gewesen. Don Stockton war einer der Piloten, die zusammen mit der Wachgruppe die Situation in diesem Teil der Anlage bereinigt hatten. Durch die Scharfschützen auf den Dächern war zurzeit die Situation unter Kontrolle. Aber sie hatten keinen Kontakt nach draußen in die umliegenden Städte. Deshalb war er auch an meinen Beschreibungen der Straßen außerhalb sehr interessiert. Die militärische Kommunikation funktionierte noch, so dass sie Verbindung zu anderen Basen und mobilen Einheiten hatten, aber die zivile Seite war mit dem Notrufsystem zusammengebrochen! Er gab auch zu, dass einige kleinere Basen sich nicht mehr meldeten.
    Nachdem er von mir die Situation in den Straßen beschrieben bekommen hatte, lehnte sich der Pilot nachdenklich zurück.
    „So verrückt, wie die Lage jetzt ist, können wir nicht mehr mit normalen Maßstäben arbeiten. Sie sagen, dass diese Viecher sich zu Horden zusammenrotten können?“
    „Na ja, nicht geplant! Es ist nur so, wenn man ihnen genügend Anreiz in Form von Geräuschen gibt, dann kommen alle. Und in der Masse sind die echt unausstehlich!“ brachte ich die Sache auf den Punkt.
    „Wir haben hier eine Menge Munition in die Viecher rein gepumpt, als es losging! Aber die sind völlig unempfindlich gegen Schmerzen. Nur ein direkter Kopfschuss erledigt sie!“ erklärte Don Stockton weiter. „Das ist doch wie in dieser Splatterfilmen mit den Zombies!“
    „Viel schlimmer ist da noch, dass jeder, der gebissen wird, ebenfalls zu so etwas wird!“ warf ich ein.
    Mein Gegenüber wurde blass. Offenbar hatten sie das noch nicht rausgefunden! War wohl zu hektisch gewesen.
    „Wir haben zahlreiche Leute, die während der Kämpfe gebissen wurden!“ keuchte der Pilot. „Wir haben sie alle zur Behandlung in das Krankenhaus hier auf der Basis gebracht!“
    „Dann haben sie wahrscheinlich jetzt schon eine zweite Welle am Hals!“ erwiderte ich trocken.
    Don Stockton sprang auf die Füße und eilte zu dem Telefon in der einen Ecke. Wen auch immer er angerufen hatte, der ging jedenfalls nicht ran. Er versuchte noch ein paar andere Nummern, ohne jedoch Erfolg zu haben.
    In einem Krankenhaus hatten die anderen Patienten auch kaum eine Chance, diesen Viechern zu entkommen!
    „Ich muss mich darum kümmern!“ sagte er schließlich zu mir und rannte aus dem Raum. Die Waffen hatte ich in der Zwischenzeit gereinigt und wieder zusammengebaut. Mit einem Blick auf das Mädchen auf der Pritsche und dem davor wachenden Hund verließ ich auch den Raum und holte die gewaschenen Klamotten aus der noch warmen Trommel. So ein Kombi hatte mir doch zu viele Falten, in die sich so ein Viech krallen konnte. Da ich alleine war, zog ich mich gleich dort um. Wieder zurück in dem Raum bestückte ich die Einsatzwesten wieder mit den Magazinen und allem anderen, was ich vorher hinaus genommen hatte. Ich wollte hier nicht warten, bis die zweite Welle hier ankam!

    [Alex] Z-Day - 12:05 Uhr Yamato, Präfektur Kanagawa, Atsugi Marineluftwaffenstützpunkt


    Als erstes wurden wir von einem Offizier befragt, wo wir denn nun eigentlich hergekommen waren.
    Danach durften wir auch die Duschen benutzen. Da hier der amerikanische Einfluss doch recht stark war, gab es richtige Duschen! Keine Hocker zum Abbrausen. Bei einem Thermalbad war das ja in Ordnung, aber jetzt wollte ich einfach nur noch sauber werden.
    Die Einsatzweste, und was sonst noch so wichtig war, hatte ich auseinander gepackt, und was waschbar war, erst mal in eine der Waschmaschinen geworfen.
    Die Leute im Gebäude hatten mir erst einmal einen Satz Armeewäsche und einen Kombi zu Verfügung gestellt, so dass ich wenigstens nicht im Handtuch herumlaufen musste!
    Auch Kōri hatte etwas Sauberes bekommen, was aber trotz der kleinsten Größe immer noch zu groß war. Im Augenblick war es aber nicht unsere Hauptsorge, sondern erst einmal wollten wir etwas essen! In der Kantine bekamen wir ordentlich was zu essen und auch der Hund wurde nicht vergessen.
    Nachdem wir gesättigt waren und auch die Toiletten benutzt hatten, saßen wir nun in einem Bereitschaftszimmer zusammen und warteten auf jemanden, der uns ein paar Informationen geben konnte. Ich hatte mir ein Reinigungsset geben lassen und nahm das M4A1 auseinander, um es zu reinigen. Kōri hatte sich auf einer Pritsche an der Wand etwas hingelegt und war wohl auch eingeschlafen. Der Hund hatte sich direkt davor gelegt und beobachtete die Umgebung. Er hatte das Mädchen wohl als neue Herrin akzeptiert und nahm seine Rolle als Beschützer ernst.

    Geburtstag des des jetzigen Kaisers Akihito (天皇誕生日 tennō no tanjōbi): 23. Dezember (Feiertag seit 1989)
    Der Geburtstag jedes amtierenden Kaisers, des Tenno, ist für die Dauer seiner Regentschaft ein Feiertag. Am Geburtstag des derzeitigen Tenno wird ein Teil des Innenhofes des Kaiserpalastes für die Allgemeinheit geöffnet.


    Die traditionelle Ansprache des Kaisers an sein Volk von einem verglasten Balkon des Kaiserpalastes aus findet jedoch nicht an seinem Geburtstag, sondern am 2. Januar statt, wofür der Innenhof ein weiteres Mal für die Allgemeinheit geöffnet wird.