Tag 1 - Verwaltungsgebäude der Akademie - Büro der Rektorin
17:06 Uhr
Valentina Amasowa lehnte sich etwas zurück und ließ das Mädchen erst einmal reden.
Niemand hatte ihr die Hintergründe erzählt und sie war auf offener Straße von den Agenten des chinesischen Geheimdienstes ergriffen worden.
„Nekomi, bitte!“ warf sie, mit für ihre Verhältnisse sanfter Stimme ein. „Ich verstehe deine vollkommene Verwirrung. Und ich kann auch nachvollziehen, dass du nicht kämpfen willst…“ Sie ließ ihre Worte einen Moment lang wirken, um sich der Aufmerksamkeit des Mädchens gewiss zu sein.
„Es gibt auf der ganzen Welt nicht gerade viele Menschen mit Fähigkeiten, wie sie die Schülerinnen und Schüler an dieser Schule haben!“ fuhr sie dann fort. „Auch wenn es für dich vielleicht nicht nachzuvollziehen ist, aber außergewöhnliche Fähigkeiten ziehen auch eine Verantwortung nach sich. Dabei wird niemand von uns gefragt, ob wir diese nun haben wollen, oder eben nicht!
Du wurdest gegen deinen Willen hierher geschickt, dass ist dir gegenüber nicht fair. Aber niemand kann behaupten, dass das Leben fair ist! Was ich dir sagen kann, ist dass ihr Gruppen bilden werdet, wenn es um den Kampf geht. Du selbst wirst innerhalb einer solchen Gruppe deine anderen Partner mit deinen Kräften schützen. Diese Gruppen nennen sich Pentagramm. Innerhalb eines Pentagramms werden passive Fähigkeiten zur Verstärkung oder Verteidigung eingesetzt und die aktiven Kräfte führen den eigentlichen Angriff durch. Das ist eines der Ziele, die wir hier erreichen wollen.
Vorher müssen eure Einzelfähigkeiten getestet und bewertet werden. Danach werden Ausbilder euch zeigen, wie man noch besser damit umgeht. Erst danach werden wir mit der Bildung von Pentagrammen beginnen. Du siehst also, dass es nicht deine vordringliche Aufgabe ist, zu kämpfen!“
Der Blick ihres Auges musterte das Mädchen. Noch immer verharrte sie in Fluchthaltung.
„Deinen Wunsch, wieder nach hause gehen zu dürfen, kann ich dir nicht erfüllen. Die Chinesen haben dich hier gemeldet, weil dein Vater es angeblich so gewollt hatte. Wir können das nicht widerlegen! Deshalb wirst du hier bleiben müssen!“