Tag 2 – 07:15 Uhr - Gelände der Akademie – Der Bunker
Hagen kaute lustlos auf dem Brötchen, welches man ihm mit seinem Frühstück gebracht hatte.
Offenbar frühstückten die Wachleute lieber im westlichen Stil, so dass er diese Brötchen bekommen hatte.
Nachdem sie ihn schon um 06:30 Uhr geweckt hatten, indem sie mit irgendeinem Gegenstand an die Tür gedonnert hatten, war das Frühstück erst eine Viertelstunde später gekommen. Das hatte wohl mit dem Mädchen zu tun, die ihre Nacht, die recht kurz gewesen war, in einer Zelle verbracht hatte. Man hatte sie wohl gleich raus gelassen, damit sie mit den anderen Frühstücken konnte.
Die Milch, die man ihm zu dem Becher Kaffee mitgegeben hatte, ließ sich Milani unter lautem Schnurren schmecken.
Hagen schluckte den letzten Rest des Brötchens runter und spülte mit Kaffee nach. Die Nebenwirkungen der Droge waren inzwischen auch verflogen, so dass seine Kräfte wieder verfügbar waren.
„Bist du fertig?“ erkundigte sich eine Stimme von der gerade geöffneten Tür her. Dort stand die Direktorin der Akademie.
„Könnte man so sagen, Major!“ erwiderte er mit einem schmalen Grinsen.
Sie trat einen Schritt zur Seite, um ihn aus der Zelle heraus zu lassen.
„Es wäre vorerst zweckdienlich, wenn du den Betrieb hier mitmachen würdest“, begann sie und warf einen schnellen Blick auf die Katze, die zwischen ihren Beinen hindurch aus der Zelle verschwand. „Ohne weiteres kannst du von hier nicht verschwinden, also dürfte es kein so großes Problem sein, oder?!“
Hagen blickte ihr ins Auge. Gleichzeitig nahm er die Ausstrahlung ihrer Gedanken wahr. Hier vor der Zelle wirkten die hemmenden Kräfte nicht mehr richtig. Und er konnte feststellen, dass sie ihn absichtlich diesen Blick gönnte, damit er sich von der Sinnlosigkeit eines Fluchtversuches überzeugen konnte.
„Einverstanden, Major. Es werden andere Zeiten kommen!“ stimmte er ihr zu. Sie nickte langsam und schob ihre Hände in die Taschen des langen Mantels, den sie trug.
„Als Zeichen des guten Willens“, meinte sie und zog zwei Walther P99 40 S/W aus den Taschen.
„Und da du Ryu bereits kennen gelernt hast!“ Sie ließ die beiden Pistolen herumwirbeln und streckte sie ihm mit den Griffen zuerst entgegen. Hagen nahm sie entgegen, wobei er sich gleich davon überzeugte, dass sie auch geladen waren. Der Spezialhalfter war nach wie vor hinten an seinem Gürtel befestigt, so dass er sie dort verschwinden ließ.
Sie wandte sich um und ging in Richtung Ausgang.
„Am Besten kommst du gleich mit ins Verwaltungsgebäude, damit wir den Papierkram erledigen können!“ forderte sie ihn auf. Hagen zuckte in den Schultern und folgte ihr.