Tag 2 - 14:28 Uhr - Gelände der Akademie - Freiübungsplatz
Tabetha blickte Hagen fragend an, als die auf die große Rasenfläche hinaus traten.
"Das Ganze nennen die hier Freiübungsplatz!" erklärte er ihr telepathisch.
Sie hatten einen Anstecher zum Schulgebäude gemacht, um sich in Sportkleidung umzuziehen. Milani war beleidigt unter dem Spind verschwunden und hatte Hagen nicht weiter begleitet.
Das indianische Mädchen hatte ihre langen Haare zu zwei Zöpfen zusammengeflochten und blickte auf die ungewöhnlichen Bauten, die sich weiter hinten auf der Freiübungsfläche erhoben.
"Anderswo würde man das wohl eine Rödelbahn nennen. Die haben hier verschiedene Parcours aufgebaut, die immer wieder unterschiedliche Fähigkeiten erfordern. Da drüben, in der Felswand, da ist eine Kletterstrecke mit kleinen Vorsprüngen. Deren Art von Freeclimbing hier!"
"Du scheinst dir wenig Gedanken deswegen zu machen?!" Tabetha war selbst in Gedanken wortkarg. "Diese Parcours sind auf Geschicklichkeit und Durchhaltevermögen aufgebaut? Erinnert mich an die Aufgaben, die mein Großvater an mich gestellt hat!"
"Nun, hier kann man auch seine Fähigkeiten einsetzen. Dagegen haben sie bei diesen Übungen nichts! Du könntest also ruhig die Felswand hochspringen. Und Gedanken mache ich mir wegen solcher Trainings schon lange nicht mehr. Dazu habe ich schon viel zu viele in der Art absolvieren müssen!"
"Achtung, alle mal herhören! Wir beginnen jetzt mit dem ersten Ausdauertraining auf den Parcours des Freiübungsplatzes!" ertönte das laute Organ von Akim Sokolow. "Jeder macht den ersten Durchgang für sich alleine! Danach werden wir euch in Gruppen einteilen. Beim nächsten Durchgang gilt eure Zeit als Gruppe, nicht die des Individuums!"
Seine Augen schwenkten wie Flakscheinwerfer auf Hagen.
"Und du, mein Freund, wirst ihnen zeigen, was in den einzelnen Parcours erwartet wird!" fuhr er mit einem breiten Grinsen fort.
Hagen schlug die Hacken zusammen und salutierte militärisch, während seine Augen spöttisch funkelten.
Parcourpunkt Eins: Die Kletterwand!
Ohne seinen Lauf abzubremsen sprang Hagen in die Felswand hinein und griff nach den erreichbaren Vorsprüngen. Flink und mit gleichmäßigen Zügen arbeitete er sich die Wand hinauf und blickte schließlich von oben herab. Hier gab es einen kleinen Pfad, der zur nächsten Übung führte.
Parcourpunkt Zwei: Der Stangenpfad!
Direkt von der Höhe der Felswand führten die verschieden hohen Bambusstangen in einem weiten Bogen wieder hinunter zur Wiese. Auch hier lief er einfach weiter und nahm die kleinen Auflageflächen der Stangen unter seinen vorderen Fußballen. Die beweglichen Bambusstangen schwankten, wenn sie mit seinem Gewicht belastet wurden, so dass er sich immer wieder ausbalancieren musste, Doch schließlich erreichte er wieder den Boden. Als nächstes waren die Tunnelröhren zu sehen.
Parcourpunkt Drei: Die Tunnel.
Vier Röhren mit einem Durchmesser von 1,20m führten in den kleinen Hügel hinein. Hier galt es nun auf allen Vieren hindurch zu kriechen.
Parcourpunkt Vier: Das Gerüst!
Ein aus Bambusstangen gefertigtes Gerüst bildete eine Griffkonstruktion an der man sich hängend über eine Wassergrube hangeln musste. Hagen hielt seinen Atem unter Kontrolle und hangelte sich Hand über Hand auch durch dieses Hindernis. Als er auf der anderen Seite angekommen war, konnte er bereits die nächste Übung sehen.
Parcourpunkt Fünf: Der Pfad des Himmels!
Vier Seile führten an der glatten Felswand empor nach oben zu galgenähnlichen Haltepunkten. Hier konnte man sich entweder am Seil hinauf hangeln, oder man lief die Felswand mit Hilfe des Seils hinauf. Oben angekommen erfolgte gleich der zweite Teil dieser Übung. Mit HIlfe einer Seilöse ein weiteres straff gespanntes Steil über einen kleinen Abgrund hinunter. Hagen grinste und sauste hinab. Unten angekommen folgte auch gleich die nächste Aufgabe.
Parcourpunkt Sechs: Die Serpentine
In engen Serpentinen war jetzt wieder eine Felswand hinauf zu laufen. Hier würde wohl beim Team ein Flaschenhals entstehen, da der Pfad gerade mal breit genug für eine Person war. Als er endlich auch diesen Aufstieg hinter sich gebracht hatte, sah er den Sandpfad.
Parcourpunkt Sieben: Treibsand!
Der Sandpfad verhielt sich wie Treibsand und versuchte die Füße festzuhalten. Wenn man nur mit Muskelkraft diesen Pfad entlang wollte, war es als ob dieser einem die Kraft aus den Beinen saugen würde! Hoch leben die Telekineten, dachte Hagen angespannt und stapfte weiter. Am anderen Ende führte der Weg über eine steile Rampe wieder hinunter. Wenn man dann richtig schön am Pusten ist, dann kommt diese elende Wand!
Parcourpunkt Acht: Die chinesische Mauer!
Mehr als 3 Meter ragte die Wand in die Höhe und forderte die Läufer, die die Rampe hinunter kamen, zu ihrer Bezwingung auf. Hagen sprang aus vollem Lauf ab und konnte den oberen Rand der Mauer greifen. Mit einem Klimmzug zog er sich nach oben und ließ sich auf der anderen Seite wieder hinunter. Ein kleines Stück des Weges stand dann auch schon wieder Akim Sokolow und grinste ihm entgegen.
"Sehr schön, Kosaka. Jetzt haben alle gesehen, was zu tun ist. Die nächsten bitte auf die Bahn!"