[Alex]
Z-Day - 17:15 Uhr - Takatsu Bezirk - Tama Fluss
Als ich mich an den Tisch setzte, durchzuckte mich kurz ein komisches Gefühl. Hier saß ich nun mit einer Schülerin und einem kleinen Mädchen in einem fremden Haus beim Essen! Da beide in meine Richtung blickten, murmelte ich ein itadakimasu, woraufhin wir zu essen begannen.
Auch wenn wir auf dem Militärstützpunkt etwas zu essen bekommen hatten, war ich bereits wieder sehr hungrig. Auch das Bier schmeckte dazu richtig gut.
Ich mochte mit den Essstäbchen nicht gerade meisterlich umgehen können, trotzdem fand das Essen seinen Weg in meinen Mund. Da ich das Stippen in die verschiedenen Saucen nicht wirklich gewöhnt war, wanderte so manches Stück ohne Umweg in meinen Mund hinein. Es schmeckte ausgezeichnet!
Ein Gespräch wollte trotzdem nicht aufkommen. Die kleine Yui schaufelte ganz schön rein und verschaffte sich auch ohne Worte einen Nachschlag Reis. Orangensaft schien sie sonst nicht so oft zu bekommen, denn sie trank nur in kleinen Schlucken.
Draußen sank die Sonne auf ihrer Bahn langsam niedriger, aber es würde noch lange nicht dunkel werden. Trotzdem verspürte ich mir dem Erreichen eines gewissen Sättigungsgrades eine bleierne Müdigkeit in mir aufsteigen. Offenbar forderte der Tag so langsam seinen Tribut!
Die Umzäunung dieses Hauses würde die Schlurfer erst einmal fern halten, wenn welche hier auftauchen sollten. Um möglichst unauffällig zu bleiben, sollten wir wohl nur wenig Geräusche nach außen verursachen. Aber nach einer Party war bestimmt eh niemandem zumute!
In einer dünn besiedelten Gegend wie dieser hier war vorerst nicht mit Zusammenrottungen von Untoten zu rechnen. Trotzdem hatte ich den Fuchs mit den Heckklappen zum Haus hin abgestellt. So konnten wir im Notfall schnell hinein und direkt losfahren.
Wahrscheinlich sollten wir uns auch darüber unterhalten, wie wir die weitere Zukunft gestalten wollten. Besonders in welche Richtung wir uns wenden wollten!
Nach dem kurzen Blick in die Nachrichten wusste ich von Flüchtlingslagern, aber auch von der weltweiten Ausbreitung der Seuche, oder wie auch immer man dieses nennen wollte. Im Endeffekt gab es auf der ganzen Welt diese rumtorkelnden Post-Mortalen und es war fast egal, wohin man ging!
Nach dem bisher erlebten hielt ich die Überlebenschancen einer kleinen Gruppe für weitaus größer, als wenn eine große Ansammlung von Menschen versuchte einen sicheren Ort zu erreichen. Viel Menschen auf einem Haufen konnten einfach nicht leise sein.
Falls einige Überlebende sich in einem Kaufhaus einnisten wollten... Ja ja, wie in den Filmen! Dort würden sie jedenfalls nicht lange bleiben können. Noch funktionierten Strom und Wasser, aber das würde bestimmt nicht mehr lange so bleiben. Ohne die Wartung und Aufsicht war der Ausfall der Versorgung nur eine Frage der Zeit!
Da die Städte die höchsten Konzentrationen von Untoten aufwiesen, war es klar, dass wir dort nicht bleiben konnten. Lebensmittel würden auch bald weniger werden.
Was blieb also zu tun?
Etwas irritiert blickte ich auf die leere Flasche Bier. Ich hatte sie wohl während meiner Überlegungen ausgetrunken.
Plötzlich hörte ich das metallische Geräusch des Tores vorne vor dem Haus. Es war geöffnet worden!
Mit einem Schlag war die Müdigkeit wieder verschwunden und ich sprang auf die Füße. Trainierte Reflexe hatten mich zur Waffe greifen lassen und ich befand mich bereits im Flur des Hauses. Die anderen würden mir wahrscheinlich folgen. Da die Schlufer keine Türen öffneten, außer sie rannten sie durch schieren Massen ein, musste ein lebendes Wesen dort draußen sein! Ich signalisierte Kōri, die ebenfalls ihre Waffe gegriffen hatte, dass sie Deckung geben sollte. Das ich dabei in erlernte Zeichensprache des Militärs verfiel, hinderte sie hoffentlich nicht daran, es zu verstehen. Draußen näherte sich jemand der Tür...