Der Ruck, mit dem sich die Fallschirme öffneten, schlug unangenehm bis in die Kapsel durch. Das einem Kommandomodul der Lunaraketen nachempfundene Kapseldesign war vor knapp 100 Jahren schon lange getestet gewesen. Nur eben nicht gerade bequem!
Ich versuchte, meine verspannten Kiefermuskeln durch ein paar Bewegungen wieder zu entspannen, während die Fallgeschwindigkeit stark gebremst wurde.
Den Blick fest auf den Höhenmesser gerichtet wartete ich noch einige Sekunden, bevor ich die Schirme wieder abwarf.
Schließlich konnte ich hier nicht schön langsam dem Boden entgegen segeln, während irgendetwas dort misstrauisch den Himmel absuchte! Viel mehr machte ich hier einen Drop In, wie ihn die Militärdoktrin wohl entwickelt hätte, wenn jemals Kampftruppen auf einem Planeten abzusetzen gewesen wären.
Die Kapsel schaukelte kurz, als die Bremsschirme sich aus den Verankerungen mittels Sprengbolzen lösten. Wieder begann die Kapsel zu stürzen.
Ich hatte die Hand um den Auslöser des zweiten Fallschirmpaares gelegt und starrte weiterhin auf den Höhenmesser. Aus alten Aufzeichnungen wusste ich noch, dass die Kapsel momentan noch eine Rauch- und Hitzewolke mit sich zog, die nun aber durch die vorbeiströmende Luft rasch verschwinden würde. Um nicht zu sehr wie ein technisches Erzeugnis auszusehen, musste ich mit dem Auslösen des zweiten Schirmes möglichst lange warten. Andererseits war mir auch nicht geholfen, wenn ich mich stumpf in den Boden bohrte.
Die Sekunden reihten sich aneinander bis der Höhenmesser endlich auf dem richtigen Wert angekommen war und ich den Auslösehebel des zweiten Schirmes betätigen konnte.
Erneut klackten die Zähne aufeinander, als der Fall drastisch gebremst wurde. Die Geschichte mit dem Zunge abbeißen erhielt doch gleich sehr viel mehr Substanz, wenn man sich in einer entsprechenden Situation befand.
Die von der kleinen Sonde übermittelten Daten über die Atmosphäre hatten sich als richtig erwiesen, so dass ich ohne Schutzanzug aussteigen konnte. Einzig die Luftfeuchtigkeit war in dieser Region zu niedrig, dass ich eine Befeuchtermaske tragen musste.
Nachdem ich die Luke erst einmal aufgesprengt hatte, gab es eh kein Zurück mehr. Nach einer kurzen Orientierung hatte ich die Position des einzigen Bauwerkes wieder gefunden und setzte mich in Bewegung.
Da man mich weder abgeschossen hatte, noch der Planet explodiert war, schien mein Plan doch eine gute Grundlage zu haben. Dass die Menschen bislang immer einem bestimmten Schema gefolgt waren, hatte sich auf die getroffenen Maßnahmen ausgewirkt. Die Assault hatten ihre Maßnahmen über Jahrzehnte an dieses Verhalten angepasst, so dass eine manuelle Landung wohl gar nicht mehr in ihren Überlegungen vorkam. Das bewies schon mal, dass sie nicht unfehlbar waren.
Zwei Stunden später war ich längst nicht mehr so überzeugt von meiner Idee! Die Tier- und Pflanzenwelt dieses Planeten hatte mich nicht gerade willkommen geheißen, sondern sich nach Kräften bemüht, mich umzubringen. Plötzlich aus dem Boden schießende Dornenranken, riesige Schnapppflanzen und doggengroße Viecher, deren Kopf fast nur aus Zähnen zu bestehen schien, hatten mich verschiedentlich angegriffen. Bislang hatten meine Projektilwaffe und die Monofasermachete sie immer überzeugt, sich etwas anderes zu suchen, aber ich wurde langsam müde. Ein weiterer Blick auf den kleinen Ortungsschirm zeigte an, dass ich fast bei dem Bauwerk angekommen war. Und dann würde sich schlussendlich erst zeigen, ob mein Plan wirklich etwas taugte. Wenn sich die Maschinerie nicht abschalten ließ, dann war alles für die Katz gewesen und ich könnte mich den, wahrscheinlich recht kurzen, Rest meines Lebens mit den verfressenen Nachbarn und dem Unkraut rumschlagen. Schließlich trat ich aus der Bewuchszone heraus auf eine weitflächige Freizone, in deren Mitte sich das Bauwerk erhob.
Die Antennen und Ortungsschüsseln bestätigten einen Teil meiner Vermutungen, wie sich der Gegner abgesichert hatte. Würde jetzt auch nur ein ChangeBot seinen Meiler anfahren, dann würde ich hier im Zentrum eines schnell expandierenden Glutballes stehen. Da ich aber so gut wie keine Elektronik bei mir trug, war die Anlage still geblieben. Vorsichtig schritt ich über die Fläche auf das Gebäude zu, die offenbar gezielt frei gehalten wurde. Da ich keine Tierkadaver sah, hoffte ich, dass es keine automatischen Geschütze gab.
Auch damit ließ man mich durchkommen, so dass ich direkt vor dem Bauwerk stand und nun ein weiteres Problem angehen konnte, nämlich wie ich da rein kam. Eine Tür hatte ich nicht wirklich erwartet, auch wenn es nett gewesen wäre. Wahrscheinlicher hatte das Teil eine Art Landedeck weiter oben, wo man zu Wartungszwecken landen konnte. Natürlich nur, wenn man den richtigen Code hatte!
Diesen Punkt hatte die Kommandocrew besonders hervorgehoben, denn wenn ich hier diesen Code abgreifen konnte, dann würde man auf anderen Planeten gleich landen können. Zumindest so lange, bis die Assault es merkten.