[Alex)
Z-Day +1 – 05:13 Uhr – Das Haus am Tama Fluss
Ich hatte die Wache so gegen 4 Uhr in der Frühe übernommen. Inzwischen hatte sich der Himmel gerötet und die Sonne erschien im Osten. Die Kirschblüten von ein paar Bäumen in der Nähe leuchteten in dem Licht eher rot auf.
Ich saß oben auf dem Radpanzer und verschaffte mir so einen recht guten Überblick auf die Umgebung. Auf den Straßen waren einige vereinzelte Schlurfer zu sehen, die ziellos herumstanden.
Die Nacht war ebenfalls ruhig vergangen und augenblicklich war unsere Position hier sicher.
Ich nahm einen Schluck Wasser aus der Flasche, die ich mitgenommen hatte.
Entgegen meinen Befürchtungen hatte ich tief und wohl auch traumlos geschlafen, bis man mich geweckt hatte. Nachdenklich blickte ich über die täuschend friedliche Szenerie.
Flugzeuge hatte ich noch keine wieder gesehen. Also waren die Flughäfen wohl von den Schlurfern überrannt worden. Nach den letzten Meldungen, die ich am Abend noch verfolgt hatte, konnten die Evakuierungen noch lange nicht abgeschlossen sein. Also blieb nur die andere Erklärung übrig…
Für uns war die Frage, wohin wir von hier aus wollten. Die Stadtzonen wiesen früher oder später die dichteste Population dieser Post Vitalen auf und damit auch das größte Gefahrenpotential. Noch liefen die Kraftwerke und auch die Wasserversorgung war da, aber wie lange würde das so bleiben?
Die erste Idee, die einem bei einer solchen Situation in den Kopf kam, war die einsame Insel. Mit einem Schiff auf dem Meer war man relativ sicher, aber die Versorgung würde irgendwann kritisch werden. Außerdem waren die Regierungen und andere Konzerne bereits auf Schiffe ausgewichen. Dort draußen würden sie weiterhin das Kommando schwingen wollen.
Meiner eigenen Auffassung nach würden wir recht bald Nahrungsmittel anbauen müssen, um die Ernährung sicher zu stellen. Wasser sollte auch möglichst leicht verfügbar sein. Im Endeffekt wären wir in einer Situation wie im Mittelalter… Eine Armee belagerte die Heimstatt. Nur das diese Armee aus Toten bestand! Die Situation mochte irrwitzig sein, aber die Grundbedürfnisse der Menschen blieben gleich. Wir brauchten einen sicheren Ort, der uns möglichst Nahrung und Wasser bot. Eine Burg wäre so ein Ort, da Tote keine Sturmleitern benutzten. Aber wenn sie zu groß war, konnten wir die Zugänge nicht im Auge behalten. Am Günstigsten wäre ein einziger Zugang bei einer Anlage, die an drei Seiten unzugänglich war. Aber ob es sowas hier in der Gegend gab, wusste ich nicht. Ich nahm noch einen Schluck Wasser und schaute dem Sonnenaufgang weiter zu.