Tag 29 - 16:05 Uhr - Gelände der Akademie – Simulationskuppel
Hagen blickte auf die kleine Gruppe, die sich an seiner Position gesammelt hatte. Die meisten von ihnen kannte er etwas besser. Also hatte tatsächlich eine Gruppenmentalität bei vielen Fuß gefasst. Durch den Windschild, den Takashi um die Position errichtet hatte, waren sie erst einmal vor den Geschossen geschützt, so dass eine Gegenwehr formiert werden konnte.
Von oben schwebte Rena Murasaki in den Schutzkreis hinunter. Mamoru Tamura war kurz zuvor herein gelaufen.
Aber inzwischen hatten die Angreifer auch den letzten Zweiflern klar gemacht, dass ein Einzelkampf gegen eine so große Zahl von Angreifern nicht durchgehalten werden konnte. Somit hatten sich auf der verfügbaren Fläche Gruppen gebildet, die Widerstand leisteten. Nun konnten sich die Angreifer aber auch auf weniger Zielpunkte konzentrieren.
„Ziemlich hektische Sache“, lachte Rena und ließ ihre leer geschossenen Waffen verschwinden.
Zwischen den Hügeln tauchte eine weitere Welle von schwarzen Gestalten auf. Tabetha und Kaori feuerten im Hockanschlag gezielt in die Menge, aber stoppen konnten sie die Massen damit nicht.
Hagen spürte den Funken, der im Sein der Einzelnen um ihn herum aufleuchtete. Obwohl ihm bewusst war, dass die Akademieleitung diesen Vorgang mit dieser Übung gezielt forciert hatte, wusste er auch, dass es nicht anders ging.
Der strahlend helle Raum war ihm schon bekannt, als er diesmal hinein glitt. Die Funken der einzelnen Schülerinnen und Schüler im direkten Umkreis wurden zu leuchtenden Bändern, die sich im Zentrum vereinten. Schlagartig vervielfachte sich seine Sicht, als er gleichzeitig durch die Augen der anderen schauen konnte.
Marcella Cardellini war dicht genug herangekommen, so dass sie auch in die Verbindung gezogen wurde. Der Schutzwall flackerte kurz, bevor er durch Eis verstärkt wurde. Neun Gedankensphären fanden sich zusammen und bildeten eine Einheit.
„Energieausschlag!“ meldete einer der Kontrolltechniker, die das ganze Spektakel in der Simulationskuppel überwachten. Valentina wandte den Kopf und blickte auf den entsprechenden Schirm.
„Wie viele?“ fragte sie dabei automatisch. Es war den Schülerinnen und Schülern gegenüber nicht fair, sie so zu einer Verbindung zu zwingen, aber die Zeit lief ihnen einfach weg. Die individuellen Vorstellungen gingen bei vielen dieser jungen Leute noch immer sehr weit auseinander. Sie waren es in der Welt der Normalen gewohnt, alleine klar zu kommen. Entsprechend meinten sie auch hier, dass sie alles alleine durchstehen konnten.
„Neun!“ keuchte der Techniker.
Valentinas Kopf wandte sich ihm ruckartig ganz zu. Bislang waren Pentagramme nur von maximal sechs Leuten gebildet worden! Hier auf der Akademie hatten sie nur vier Personen verbinden können.
„Ist das bestätigt?“
„Ja, Direktorin. Diese Verbindung enthält neun Einzelpersonen…“, erwiderte der Techniker.
Valentina schob ihn etwas zur Seite und sah sich die Daten genauer an.
„Schau an… Okami“, murmelte sie und richtete sich wieder auf.
„Wir gehen in Stufe 2 des Programms!“ ordnete sie an.
In der Simulationshalle war nur der verstärkte Schutzwall für andere Beobachter sichtbar, da dieser keinen Blick ins Innere mehr zuließ. Aber zu den Waffenprojektilen kamen nun auch noch Eis und Feuergeschosse, die einen Sicherheitskreis in die Massen der Angreifer fraßen.
Doch nun erschienen auch noch Kampfjets am Himmel, die ebenfalls mit Bordwaffen und Clusterbomben auf die Schülerschaft einstürmten. Auch wenn die Explosionen nicht wirklich Körper durch die Gegend schleuderten, so wurden die Anzüge im Wirkkreis sofort versteift. Das Donnern der Explosionen übertönte nun auch die Schreie. Die noch irgendwie dazwischen befindlichen Schülerinnen und Schüler konnten nur noch versuchen, eine der Gruppen zu erreichen. Der Kraftaufwand, den die Fähigkeiten den Einzelnen abverlangten, wirkte sich immer mehr auf die Personen aus.