Tag 29 - 18:25 Uhr - Gelände der Akademie
An diesem Abend waren viele der Schülerinnen und Schüler nicht an den Freizeitmöglichkeiten der Insel interessiert. Auch die neuen Hologrammanzeigen über den Dächern des Verwaltungs- und des Schulgebäudes waren nicht mehr interessant.
Zum ersten Male waren viele mit der Endlichkeit des Seins konfrontiert worden, von dem sie sozusagen einen Vorgeschmack erhalten hatten. Das förderte kaum den Appetit, so dass auch der Speisesaal nur spärlich besucht wurde.
Valentina Amasowa hatte sich die Auswertungen der Übung angesehen, denn jeder der speziellen Trainingsanzüge hatte während der ganzen Zeit die Reaktionen ihrer Träger aufgezeichnet. Damit standen gewaltige Datenmengen zur Verfügung!Wie zu erwarten gewesen war, hatten die meisten Schülerinnen und Schüler keine Ahnung von Kampfeinsätzen. Diejenigen unter ihnen, die aus persönlichen Gründen doch eine Ahnung davon hatten, waren meist Individualisten, die keine Koordinierung mit anderen vorgenommen hatten.
Metro hatte sich zwar mit Ptolemäus verbunden, aber die beiden waren nur zwei und damit noch lange kein Pentagramm. Obwohl Metro vom Potential her durchaus imstande sein sollte ein Pentagramm aufzubauen, wurde er wohl von seiner eigenen Erfahrung blockiert.
Er verließ sich nicht auf andere! Schlimmer noch, er hatte sich und Ptolemäus verausgabt und damit im Einsatz ihren Tod verschuldet. Dabei waren noch andere Schüler zu Beginn in ihrer direkten Umgebung gewesen.
"Wirklich schade", murmelte Valentina. Metro neigte zur Geheimniskrämerei, was wohl von seiner Familie verschuldet wurde. Aber besonders sein Unvermögen, sich mit anderen einzulassen, warf ihm hier nun gewaltige Felsbrocken in den Weg.
Bei Samirall Satoshi war sie überrascht gewesen, dass dieser ohne jeden Ansatz ein Pentagramm hatte aufbauen können. Scheinbar hatte er in den letzten Tagen einige Fortschritte gemacht und seine Kräfte endlich auch akzeptiert.
Aber am Meisten hatte sie die Größe des Pentagrammes überrascht, dass Ookami gebildet hatte. Dieser Junge hatte zwar nicht freiwillig diese Insel aufgesucht, aber er wusste eine Menge mehr über die Hintergründe. Das lag vor allem in seiner Vergangenheit geschuldet, in der man sich seiner Fähigkeiten bedient hatte. Obwohl er weder mit Begeisterung noch freiwillig an all dem teilnahm, so war ihm bewusst, was am Ende auf sie warten würde!
Valentina lehnte sich zurück und hoffte, dass man ihr hier noch etwas Zeit ließ...
Das Kasumi Akimoto vom Arzt für den Einsatz in Ryus Psyche freigegeben worden war, hatte sie zwar nicht überrascht, aber doch etwas verwundert. Normalerweise ließ Dr. van Hooten nicht so schnell von Patienten ab, besonders wenn diese gerade erst aus einem Koma erwacht waren. Aber er hatte keine Einwände erhoben, solange man ihr die Nacht noch Ruhe ließ.
Nach Sonnenuntergang hatten sich die Schülerinnen und Schüler in kleinen Kreisen zusammen gefunden und über die Übung weiter diskutiert. Am Schlimmsten empfanden viele, dass man förmlich spüren konnte, dass ihnen nicht die Wahrheit über die Hintergründe erzählt wurden.
Die Zweifel und die Aufregung begleiteten viele auch in den Schlaf, so dass sich ein geruhsamer Schlaf nicht einstellen wollte. Alpträume plagten nicht gerade wenige, wenn sie denn überhaupt einschlafen konnten. So war es auch kein Wunder, dass am nächsten Morgen der Speisesaal bereits um sieben Uhr sehr voll war.
Tag 30 - 07:01 Uhr - Gelände der Akademie - Speisesaal
In dem bereits gut gefüllten Speisesaal konzentrierten sich die Schülerinnen und Schüler auf das, was sie sich auf die Tabletts gepackt hatten. Es waren kaum Gespräche zu hören. Nach dem gestrigen Abend hatte man einfach nichts mehr zu den Vorkommnissen zu sagen, sondern jeder hing seinen eigenen Gedanken nach.
Marcella Cardellini balancierte mit ihrem Tablett an den bereits vollen Tischen vorbei und setzte sich zu Rena Murasaki und Tabetha. Die beiden nickten ihr nur kurz zu. Marcella nickte, nachdem sie Platz genommen hatte, auch den übrigen am Tisch zu. Die Gruppe hatte sich so gesetzt, dass an diesem Tisch kein Platz mehr frei war.
Nur achtete eigentlich niemand darauf...