Tag 30 - 18:16 Uhr - Gelände der Akademie - Außenfläche des Speiseraumes
Hagen hatte sich die beiden im Inneren sozusagen anhören müssen. Weder Metro noch Ryu konnten ihre Gedanken in solchen Momenten abschirmen und strahlten sie wie eine voll aufgedrehte Musikanlage in die Umgebung ab.
Typischerweise mussten diese beiden ja auch noch aufeinander treffen.
Milani blickte ihn an. Sie hatte, nachdem es hier draußen keine weiteren Nutzer gab, wieder ihre menschliche Gestalt angenommen.
"Wer waren die Beiden?" fragte sie.
"Ryu kennst du noch vom ersten Tag auf dem Schiff. Er war derjenige, der mich verfolgt hatte und auch mit über Bord gesprungen war", erklärte er ihr. "Der andere gehört zu einem Clan, die sich für spezielle Arbeiten anheuern lassen. Er lässt sich meist Metro nennen."
"Und warum sind die so aufeinander los?"
"Die können beide nicht aus ihrer Haut! Ich möchte wetten, das die Direktorin deswegen schon Vorkehrungen getroffen hat."
Milani blickte ihn nachdenklich an.
Da es sich dabei um ein Männer-Ding handelte, machte Hagen sich erst gar nicht die Mühe, es ihr genauer erklären zu wollen. Wenn die beiden sich unbedingt ihre Kräfte beweisen mussten, dann würden sie mit oder ohne Erlaubnis eine Möglichkeit finden. Argumentationen halfen in solchen Situationen absolut nicht weiter.
Obwohl Ryu nach dem Vorfall mit den beiden Toten kaum noch in den Vordergrund getreten war, schien es jetzt wieder so wie vorher zu sein.
Natürlich waren auch einige Schüler den beiden gefolgt, wo auch immer sie sich hinbewegt hatten.
Nach den letzten Informationen, die Hagen zu dem Trojimura-Klan besaß, sollte Metro doch eigentlich dessen Oberhaupt sein. Warum er dann noch immer so impulsiv handelte verstand Hagen nicht so ganz.
Er selbst hatte auf die harte Tour gelernt, dass man sich lieber auf Abstand hielt. Aus der Entfernung zu beobachten beeinflusste das Urteilsvermögen nicht so stark. Außerdem konnte in seinem Leben vor der Insel ein Verbündeter am nächsten Tag schon ein Gegner sein. Deshalb war er keine tieferen Freundschaften eingegangen.
Hier auf der Insel waren zwar kaum noch Informationen von außerhalb zu bekommen, da die Fernkommunikation beinahe ganz abgeschirmt war, aber er hatte noch einige Prognosen vor seinem Transport auf das Schiff einsammeln können. Als Telepath musste man sich ja nicht direkt mit seinem Informanten treffen, sondern konnte dessen bekanntes Gedankenmuster auch auf größere Entfernung finden.
Nach den wenigen Fetzen, die er hier hatte aufschnappen können, war die Situation außerhalb in Bewegung geraten.
Das bedeutete zwangsläufig, dass ihnen hier auf der Insel nicht mehr viel Zeit blieb. Wahrscheinlich ließ die Direktorin deshalb auch die beiden Streithähne ihren unvermeidlichen Disput austragen, damit dieser nicht zu noch unpassenderer Zeit eintreten würde.
Obwohl das allgemeine Training inzwischen schon richtige Fortschritte erzielt hatte, waren diese doch hauptsächlich auf dem individuellen Sektor erzielt worden.
Natürlich spielte auch die Simulation bei der momentanen Stimmung eine ziemlich große Rolle. Viele Schüler waren aufgebracht, weil sie die Hintergründe nicht verstanden. Deshalb waren wahrscheinlich auch mehr als üblich den beiden gefolgt, um sich den Kampf anzusehen. Als eine Art Ventil, um etwas Dampf abzulassen.
Hagen würde die Zeit nutzen, da diese beiden so eine gute Ablenkung für die Schülerschaft waren und der immer noch bewusstlosen älteren Version der Schülerin im Krankenhaus noch einen Besuch abzustatten.
Sie war aus einem bestimmten Grund hierher zurück gereist und den sollte er so schnell es ging herausfinden!