Tag 36 - 07:00 Uhr - Wohnheim - Yunas Zimmer
Yuna wurde von der Sonne geweckt, die durch das Fenster in ihr Gesicht fiel. Munter schwang sie sich aus dem Bett und streckte sich.
"Jetzt erst einmal schön warm duschen und dann frühstücken!" sagte sie laut und begab sich in das kleine Bad.
Gut 15 Minuten später kam sie wieder heraus. Die Schuluniform hing vorbereitet auf einem Bügel an der Tür. Yuna föhnte sich die Haare und band sie sich danach zu einem Pferdeschwanz zusammen, bevor sie in die Uniform schlüpfte. Nach einem letzten Blick in den Spiegel nahm sie ihre wichtigsten Dinge mit und verließ das Wohnheim gegen 07:30 Uhr um zum Verwaltungsgebäude zu gehen.
Im Speisesaal nahm sie sich eine große Tasse Tee, geräucherten Fisch, etwas Reis und einen Pfirsich. Mit all diesen Dingen auf dem Tablett suchte sie sich einen Tisch in der Mitte aus und nahm daran Platz.
07:00 Uhr - Wohnheim - Harukas Zimmer
Haruka wachte diesmal nicht so früh auf, wie sie es eigentlich gewohnt war. Ein wenig irritiert ob dieser Tatsache blickte sie auf den Wecker, den sie nicht einmal eingeschaltet hatte. Eigentlich wachte sie doch immer eine Stunde früher auf, deshalb brauchte sie den Wecker ja auch nicht. Mit einem ärgerlichen Schnaufen ging sie ins Bad. Nach dem Duschen zog sie sich ihre gelbe Uniform an, flocht sich die Haare zu zwei Zöpfen und ging zum Frühstück.
Haruka nahm sich zuerst eine Schüssel Cornflakes, dann einen Croissant und noch einen Nutella-Toast und verputzte alles mit guten Appetit. Als sie zum vierten Mal vom Tisch aufstand, um sich diesmal gebratenen Schinkenspeck zu holen, blickten einige der Schüler sie verwirrt an. Die Frage, wie ein Vielfraß wie sie trotzdem noch so schlank sein konnte, stand ihnen deutlich ins Gesicht geschrieben. Hatten sich die anderen denn noch immer nicht daran gewöhnt? Eigentlich war es Haruka auch egal und sie mampfte froh weiter vor sich hin. Sie liebte es einfach zu Essen! Dazu trank sie auch noch reichlich Früchtetee, der ihr hier besonders schmeckte.
07:00 Uhr - Wohnheim - Mais Zimmer
Nachdem der elende Wecker sie aus ihren Träumen gerissen hatte, schlurfte Mai noch immer schläfrig ins Badezimmer und machte sich dann für den Unterricht fertig. Der Morgen war die einzige Tageszeit, an der Mai auch mal schlechte Laune hatte. Die Dusche brachte ihre Lebensgeister zumindest so weit in Gang, dass sie danach in die Uniform kam und den Weg zum Verwaltungsgebäude schaffte.
Da sie so früh morgens einfach nichts essen konnte nahm Mai sich nur eine Tasse Tee und suchte dann nach einem freien Platz. Als sie Mamoru an einem der Tische erblickte ging sie rüber und setzte sich ihm gegenüber hin.
"Ohayo...", war das Einzige, was sie hervorbrachte. Dann nahm sie erst einmal einen Schluck Tee, wobei Mai schlürfte.
"Mh? Dir auch guten Morgen", kam die ebenfalls nicht gerade muntere Antwort von ihm.
Sein Gehirn war auch noch im Halbschlaf, deshalb sagte er auch nichts weiter. Sachte in seine Tasse pustend versuchte Mamoru den Kaffee auf eine "ungefährliche" Temperatur zu bringen. Mai saß ihm auch nur still gegenüber und trank weiter ihren Tee.
"Du bist auch nicht gerade ein Morgenmensch, oder?" stellte Mai einige Schlucke später fest. Irgendwie kam dabei ein merkwürdiges Gefühl in ihr auf, so als wäre etwas nicht in Ordnung. Hatte sie ein Deja-vu?
07:55 Uhr - Gelände der Akademie - Großer Platz
Mit einem musikalischen Ton machte das Informationssystem, zusammen mit einer Einblendung auf den holografischen Anzeigetafeln, auf den nicht mehr fernen Unterrichtsbeginn aufmerksam. Die Schülerinnen und Schüler bewegten sich vom Verwaltungsgebäude und den Wohnheimen in Richtung des Schulgebäudes. Ihre Gesichter wirkten ziemlich heiter, während sie sich über die PSI-Turniere des gestrigen Abends unterhielten. Das Kräfte-messen war auf der Insel das Thema schlechthin, denn die Turniere waren nach dem Unterricht und dem Training die wichtigste Veranstaltung. Natürlich hatte es wieder einige Verletzte gegeben, denn die Kämpfe wurden ja mit aller Kraft geführt.
Die neuesten Kampfpaarungen würden bereits nach der Unterrichtszeit über die holografischen Anzeigetafeln verbreitet werden, denn bis dahin stand dann auch fest, wer von den Verletzten einsatzbereit war.
Die Temperaturen waren deutlich gestiegen und die Sommeruniform gewann langsam die Überhand in der Menge der Schüler. Die uniformierten Lehrer liefen in der Menge mit, da sie im gleichen Speisesaal ihre Mahlzeiten einnahmen. Die Schülerinnen und Schüler grüßten die Lehrer respektvoll. Es war ein überaus friedlicher Anblick, wie alle einhellig auf dem Weg waren.
Hagen behielt zwar äußerlich seine entspannte Miene bei, aber in seinem Inneren war er gerade ziemlich verwirrt. Die ganze Szenerie kam ihm nicht richtig vor. Wenn er versuchte über die Gründe dieses Gefühls nachzudenken, dann kam ein Gefühl wie weiche Watte in seinem Kopf auf. Um sich abzulenken tippte er auf sein Holocom, woraufhin sich die Projektionsfläche aufbaute. Als Grundfunktion erschien sofort der Ablaufplan des Tages darauf. Unterrichtsfächer, Trainingseinheiten, eben alles, was so über den Tag abgearbeitet werden sollte. Alles wirkte so normal, wie man es sich eben wünschen konnte, aber das ungute Gefühl wollte einfach nicht weichen.
Die Sicherungsposten am Schulgebäude musterten die Schüler mit ausdruckslosen Gesichtern. Einige der Schüler maßen sie daraufhin auch mit finsteren Blicken. Hagen hatte schon beim Frühstück einiges von der Missstimmung wegen all der Wachen mitbekommen, die Direktor Grady überall auf dem Gelände für nötig hielt. Diese Wachposten waren aber keine PSI-Begabten, was ihre Anwesenheiteigentlich schon wieder überflüssig machte. Es erinnerte Hagen mehr an ein Militärcamp oder eine andere Anlage, wie die, in der man ihn früher einmal untergebracht hatte. Er war nun schon über einen Monat auf dieser Insel, auf der PSI-Begabte versammelt wurden, um dann als Sonderkommandos eingesetzt zu werden. Komisch fand er dabei allerdings, dass die Menschen in den Militäruniformen ihnen eigentlich nicht vertrauten.
Bei seinem zweiten Blick auf die Projektionsfläche seines Holocoms machte seine Hand eine unbewusste Bewegung, die scheinbar etwas verändern sollte. Aber es erschien nur eine Fehlermeldung. Hagen blieb in diesem Moment sogar stehen, da dieser Vorgang das Gefühl in seinem Inneren nur noch verstärkt hatte. Ganz automatisch griff er auf eine seiner Schutzfähigkeiten zu, die seinen Geist eeigentlich vor Beeinflussungen schützte, aber wieder kam nur dieses Watte-Gefühl auf. Es erinnerte ihn inzwischen an seine Erfahrungen mit der Subpressordroge. Irgendwas stimmte mit seinen Fähigkeiten nicht!
Ob er nun über den grund seiner Beunruhigung nachdenken, oder seine Fähigkeiten einsetzen wollte, dieses blockierende Gefühl setzte sofort ein! Und das war etwas, was er nur mit mutwilliger Beeinflussung in Verbindung bringen konnte.