Beiträge von Soulshadow

    "Mein Name ist Hagen Kosaka. Ja, Mai, ich habe das Haus vernichtet, trotz allem was sie versucht haben, um mich abzulenken!"
    Sein Gesicht nahm einen neutralen Ausdruck an.
    Trotzdem waren seine mentalen Fühler ausgestreckt. Plötzlich nahm er Gedanken über sich und Mai wahr. Etwas ließ sich aus großer Höhe herabfallen!
    "Vorsicht!" rief er aus und schubste Mai aus der Richtung des fallenden Körpers.
    Direkt zwischen ihnen landete ein anderes Mädchen samft auf dem Boden.


    "Bist du bescheuert?" blaffte Hagen das fremde Mädchen an, als er die Ausstrahlung der Langeweile wahrnahm. "Nur weil dir langweilig ist, uiehst du hier so eine Show ab?"

    Auf das nervige Klingeln der Glocke streckte Rika ihren Kopf aus der Bürotür.
    "Hey, du! Wo glaubst du, dass du hier bist?" rief sie den Jungen an, der sich da umblickte.
    "Ach, auch noch einer der Nachzügler! Deine Anmeldung macht man mit der Prüfung! Dazu brauchst du hier nicht die Leute aufzuscheuchen!"
    Hinter ihr begann das nächste Telefon zu klingeln. Irgendwie war in diesem Tag der Wurm drin!

    Akim Sokolow sah, dass Yuna Sakeiba immer noch unentschlossen war. Schließlich hatte sie sich wohl zu einer Entscheidung durchgerungen und kam auf ihn zu.
    "Solltest du nicht jetzt auf dem Weg zur Bibliothek sein?" fragte er sie.


    In der Nähe des Krankenhauses:
    Hagen blieb sofort stehen, als ihn das Mädchen ansprach. Seine Augen senkten den Blick.
    "Nun, oh Ewig Lächelnde. Mein Auftrag auf dieser Insel hat wenig mit dem Transport eingeschlafener Mädchen zu tun! Da wird doch ein wenig Missstimmung erlaubt sein, findest du nicht? Schließlich kenne ich dich nicht!"
    Seine Lippen zeigten dabei aber keinen Ansatz zum Lächeln.

    Heitani blickte auf das schlafende Mädchen hinunter und zuckte in den Schultern
    "Tja, irgendwie kamen wir nicht zu dem eigentlichen Test!" meinte er dann.
    Hinter ihm wurde eine der beiden Türen wieder aufgestoßen.
    "Soll ich noch hierbleiben?" fragte Hagen laut, da sich die Außentüren nicht geöffnet hatten.
    "Wegen dem zweiten Test waren die Türen gleich wieder verriegelt. Aber wenn du schon noch da bist, bring doch bitte das Mädchen rüber in die Krankenstation!" erscholl die Stimme der Direktorin wieder über Lautsprecher.


    "Bin ich jetzt schon in den Sanitätsdienst versetzt?" fragte Hagen und blickte auf das Mädchen runter. Eigentlich schien ihr doch nichts zu fehlen.
    "Sie schläft nur!" versichterte Heitani ihm. "Die Anwendung ihrer Fähigkeiten erschöpft sie außerordentlich schnell."
    "Da sollte sie sich mal beim Zitteraal informieren, wie der es macht, ohne sich gleich selbst außer Gefecht zu setzen!" erwiderte Hagen unbeeindruckt.
    Ohne Schwierigkeiten hob er das Mädchen hoch und trug sie zur Tür.
    "Hauptsache, sie lassen mich jetzt hier raus!" murmelte er dabei.

    "Es war zumindest beeindruckend!" stimmte Heitani ihr zu. "Kannst du das noch mal?"
    Von ihrem Bruder hatte er schon erfahren, dass sie rasch ermüdete, wenn sie die Fähigkeit anwandte.
    Das war derzeit ein kritischer Punkt ihrer Fähigkeit. Wenn sie sich selbst dabei auspowerte, nur um die Fähigkeit anzuwenden, dann würde sie im Ernstfall hilflos einer Gefahr ausgeliefert sein.
    Eine einzige Entladung würde bei vielen Gegnern nicht ausreichen, deshalb musste sie diesen Schwachpunkt überwinden!

    Tag 2 - 08:58 Uhr - Gelände der Akademie - Simulationskuppel


    Das Gebäude wurde trotz des starken Schneesturms von prasselnden Flammen eingehüllt, die langsam aber unaufhaltsam das Material verbrannten.
    Hagen stand inmitten des Schneesturms und auf seiner dem Wind zugewandten Seite hatte sich schon eine zentimeterdicke Schneeschicht gebildet.
    Die Schreie und der Donner, den man zusätzlich eingespielt hatte, beeindruckten ihn auch nicht. Hier zeigte sich, wozu die Ausbildung, die man ihm bereits hatte angedeihen lassen, gut gewesen war.


    Schlagartig endeten alle ablenkenden Einflüsse.
    "Danke, das reicht erst einmal!" erklang die Stimme der Direktorin aus versteckten Lautsprechern. Hagen wandte sich um, während hinter ihm die Reste des Gebäudes in sich zusammen sanken.
    "Kinderkram!" murmelte er.
    in diesem Augenblick betrat Heitani Ichiru mit einer anderen Schülerin die Kuppel.
    Hagen nickte beiden im Vorbeigehen zu und verließ die Kuppel.

    "Eigentlich eine vollkommen überflüssige Frage, findest du nicht?" Heitani grinste. Sie konnte wohl nicht aus ihrer Haut. Es war kaum anzunehmen, dass sie nicht wusste, weshalb hier Schüler von Lehrern abgeholt wurden.
    "Da dein Bruder bereits die Datenüberprüfung erledigt hat, können wir gleich zur Kuppel gehen!"
    Er wandte sich um und wusste, dass sie ihm folgen würde.

    Tag 2 - 08:55 Uhr - Gelände der Akademie - Sportplatz


    Akim Sokolow sah kurz zu der kleinen Dreigruppe hin, die so etwas wie ein Bolzspiel begonnen hatten. Nach einem Blick auf die zog wieder ein Grinsen über sein Gesicht.
    Wenn sie ihre Pause so verbringen wollten, sollte es ihm recht sein.
    "Um 09:15 Uhr werden wir auf das Baseballfeld wechseln!" rief er den anderen Schülern zu. "Wollen doch mal sehen, ob wir ein paar geeignete Spieler unter euch finden."


    Heitani Ichiru kam über den Platz gelaufen.
    "Hast du die kleine Schwester von Senri gesehen?" fragte er Akim.
    "Da drüben, wo sie gerade versuchen zu bolzen!" antwortete dieser und deute über die Schulter.
    "Warum halten die hier nur alle das ganze für einen großen Spielplatz?" fragte sich Heitani und ging weiter.
    "Sei doch froh, dass es so ist!" raunte Akim ihm dabei noch zu.


    "Mai Tsukamoto?" rief Heitani, noch bevor er richtig heran war. Durch seine verstellte Brennweite der Augen konnte er deutlich sehen, dass der Junge sich irgendwie unwohl fühlte. Wie Senri es schon beschrieben hatte, kam seine Schwester sofort mit einem Grinsen angelaufen.

    Tag 2 - 08:40 Uhr - Gelände der Akademie - Sportplatz


    Nachdem der Sanitäter bei dem Mädchen die Vitalfunktionen überprüft hatte, nickte er Akim aufmunternd zu. Er stellte noch eine kleine Wasserflasche neben das Mädchen und ging dann zurück zum Krankenhaus.
    "Na, dann ist es ja gut, junge Dame!" brummte Akim und blickte sich um.
    Ganz in der Nähe saß Takashi Yamiro, der wohl selbst schon völlig ausgepumpt war.
    "Hey, Yamiro-san! Achte mal auf das Mädchen, ja?" forderte er den Jungen auf und wandte dann seine Aufmerksamkeit den übrigen Schülern zu.


    In der Simulationskuppel:
    "Ja, danke. Das genügt für die Einstufung!" beendete Heitani die Aktion. Das Mädchen wirkte etwas deprimiert, aber er war ja kein Telepath oder Empath, also war es nur ein äußerer Eindruck nach der Mikromimik im Gesicht.
    "Damit sind wir hier fertig und du kannst zurück zum Sportplatz!" Er wandte sich nach seinen Worten wieder der inneren Doppeltür zu und marschierte los.

    Auf dem Sportplatz:
    Akim Sokolow mochte ein Klotz von einem Kerl sein, aber er hatte immer den Überblick, was seine Schüler gerade taten.
    Als Yuna Sakeiba umstürzte und schwer atmend liegen blieb, war er schon auf dem Weg zu ihr.
    "Was ist los, junge Dame? Ist dir schwarz vor Augen geworden?" fragte er das schwer atmende Mädchen.
    Mit einer schnellen Bewegung berührte er eine Stelle am Außenrand seiner Uhr, woraufhin beim Krankenhaus Bewegung entstand.
    Ein Rettungssanitäter lief mit einem Erste Hilfe Koffer auf Akims Position zu.



    In der Simulationskuppel:
    Heitani nickte dem Mädchen zu.
    "Das ganze noch einmal!" forderte er sie auf.
    Im nächsten Augenblick gellten Schreie auf und ein kurzer Windstoß wirbelte den Sand auf dem Boden auf. Das Mädchen war bei den Schreien zusammengezuckt und nicht durch die Wand gegangen.


    Vor dem Krankenhaus:
    'Wie ein zu Tode erschrockenes Kätzchen!' dachte Kayalyn. Neko bedeutete ja Katze auf japanisch. Man hat sie wohl arg eingeschüchtert!
    Daran konnte sie im Augenblick auch nichts ändern, da das Mädchen bestimmt nur den Wunsch hatte, in ihr früheres leben zurück zu kehren!
    Und genau das konnte man ihr nicht ermöglichen!

    Tag 2- 08:32 Uhr - Gelände der Akademie


    Innerhalb der Kuppel:
    "Lass uns dieses Gebäude dort nehmen. Setze dazu bitte die Kraft ein, die dich durch die Wand phasen lässt!" Heitani deutete auf ein kleineres Gebäude, dass keinen oberen Stock hatte und ein wenig an die japanischen Hütten des Mittelalters erinnerte.


    Vor der Kuppel:
    Von der Krankenhausseite kam Franka Milagrosso herbei gelaufen.
    "Du bist Mamoru Tamura?" fragte sie, nachdem sie den Jungen erreicht hatte. "Wir müssen noch einen Augenblick warten, bis die Test abgeschlossen sind!"


    Schießstand:
    Toralf schloss den Ausgabebereich hinter sich zu und folgte dem Jungen, der zielstrebig auf die Schießbahnen los marschierte. Er hatte die für die Übungen notwendigen Magazine mitgenommen, damit er die Schießergebnisse der einzelnen Übungen auch durchführen lassen konnte.
    So, wie der Junge aussah, würde er wahrscheinlich am liebsten in der unter den Schießbahnen liegenden Häuserkampfkulisse agieren.
    Dahin ging es aber erst nach den einleitenden Schießübungen!


    Am Sportplatz:
    Kayalyn Rivet ging zielstrebig auf das Mädchen zu, dass etwas außer Atem am Rand der Rasenfläche saß.
    "Nekomi Mao? Ich werde mit dir die Einstufungstests machen. Kommst du bitte mit mir?" sprach sie das Mädchen an. Auf der Karte hatte sie gesehen, dass sie zu den Unfreiwilligen gehörte, die Aufgrund irgendwelcher Regierungsabkommen hierher verfrachtet worden waren.


    Nur ein kleines Stück entfernt war Senri Tsukamoto auf einen anderen Schüler zu getreten.
    "Daisuke Yundai? Wir werden jetzt deine Einstufungstests durchführen. Vielleicht gibt es ja auch einen kühlen Drink für mich!" sprach Senri ihn an und grinste bei dem letzten Satz. Er hatte sich natürlich informiert, welche Fähigkeiten der Junge mitbrachte.

    "Es geht hier nicht um Angst, Rena Murasaki. Nur um Ablenkung!" antwortete Heitani.
    Sie hatte wohl die Belustigung in seinen Augen falsch interpretiert.
    "Für den Test deiner Geistererscheinung gehen wir ein Stück weiter rein, da sind dann ein paar Gebäude vorbereitet!"
    Die Ameisen verschwanden einfach.

    Tag 2 - 08:30 Uhr - Gelände der Akademie - Vor dem Krankenhaus

    Hanagata Kanazawa blickte dem Jungen entgegen, der mit einer gewissen Ergebenheit im Blick auf ihn zu hielt.
    "Mamoru Tamura? Ah, ich sehe schon, du bist Heiler. Empath auch noch? Daher also dein Gesichtsausdruck! Keine Angst, wir werden dich nicht hier im Krankenhaus anbinden, damit du die Verletzungen von anderen heilst!" sprach er den Jungen an.
    "Wegen deiner Kräfte wirst du zu meiner Kollegin Franka Milagrosso gehen, sie hat ähnliche Kräfte wie du. Sie wird mit dir die Einstufungstests in der Kuppel machen!"

    "Aha, ein Sofa. Das dürfte dann wohl dein Sofa sein, welches du in deiner bisherigen Wohnstatt hattest. Kannst du es auch wieder dorthin zurück schicken?"
    Gleichzeitig quollen Ameisen aus einem Loch im Boden und krabbelten eifrig an den Beinen des Mädchens hoch.
    Heitani musste sich ein Grinsen verkneifen.


    Schießstand:
    Toralf musterte den Jungen, der da vor seinem Ausgabeschalter stand.
    "Munition bekommst du erst auf der Schießbahn, Junge!" erwiderte er nach einem Blick auf dessen Waffen. "Willst du eine gelbe Schutzbrille, oder lieber eine farblose. Gehörschutz ist sowieso Pflicht!"
    Er blickte den Jungen an, dessen gesamter Gesichtsausdruck Trotz ausdrückte.

    Ein Glockenton, der durch die Simulationskuppel tönte, zeigte Heitani an, das man im Kontrollraum genügend Daten zu dieser Fähigkeit gesammelt hatte.
    "Gut! Kommen wir zu deiner nächsten Fähigkeit. Lande dort, wo du bist und teleportiere einen Gegenstand herbei." wies Heitani das Mädchen an.


    Auf dem Sportplatz:
    Der Junge machte nicht nur einen unsportlichen Eindruck auf Akim, er stand auch am Rand der Rasenfläche, als würde er seine Existenz in diesem Universum bezweifeln.
    Akim Sokolow warf einen raschen Blick auf seine Karten.
    Yamiro Takashi, er war derjenige, der heute früh mit einem Fischerboot am Anleger der Insel aufgetaucht war.
    "Takashi! Die Übungen sind für alle da!" brüllte er über den Platz, um den Jungen aus seiner Erstarrung zu holen. "Auf auf, ich will was sehen! Und das nächste Mal geht das Schneller mit dem Umziehen, oder hast du die Klamotten in Tokio geholt?"

    Heitani nickte wieder, als sich die Position des Mädchens nur leicht nach unten änderte.
    Schon verschwand das Gewicht und in ihrem Bereich herrschte nur noch ein Sechstel der Erdanziehung. Diesmal hatten sie das Mädchen wohl überrascht, denn sie zischte wie ein Korken nach oben.


    Auf dem Sportplatz:
    Akim nickte zustimmend.
    "Melde dich um 09:00 Uhr dann unten kurz in der Bibliothek. Bis dahin machen wir erst mal Sport!"

    Heitani nickte langsam.
    Während das Mädchen wieder auf die alte Stelle zurück schwebte und triumphierend zu lächeln begann, erhöhte sich ihr Gewicht schlagartig auf das Doppelte.


    Auf dem Sportplatz:
    "Nicht jeder ist für alles zu begeistern, junge Dame!" Akims tiefe Stimme konnte sogar freundlich klingen. "Wäre es möglich, dass du mehr nach geistigem Wissen strebst? Die suchen in der Bibliothek noch nach Hilfskräften, da wir gerade nur eine Bibliothekarin hier haben."