Titel:
Valerian und Veronique
Originaltitel: Valérian, agent spatio-temporel
Sprache:
Französisch, deutsch, englisch, schwedisch
Genre:
Science Fiction
Verlag:
Carlsen (Comic-Art-Edition)
Erscheinungsjahr:
1967 im Comic Magazin PILOTE
1972 als Fortsetzungsgeschichten im Magazin ZACK vom Koralle Verlag
1978 als Bände von Carlsen
Volumes/Bände:
Bände 1 bis 20 sind erschienen
Band 21 soll im Oktober 2010 rauskommen
ISBN:
Band 1: Die Stadt der tosenden Wasser (La cité des eaux mouvantes), 1970, ISBN 3-551-01871-5
Band 2: Im Reich der tausend Planeten (L'Empire des Mille Planètes), 1971, ISBN 3-551-01872-3
Band 3: Das Land ohne Sterne (Le Pays sans Etoiles), 1972, ISBN 3-551-01873-1
Band 4: Willkommen auf Alflolol (Bienvenue sur Alflolol), 1972, ISBN 3-551-01874-X
Band 5: Die Vögel des Tyrannen (Les oiseaux du maître), 1973, ISBN 3-551-01875-8
Band 6: Botschafter der Schatten (L'ambassadeurs des ombres), 1975, ISBN 3-551-01876-6
Band 7: Das Monster in der Metro (Métro Châtelet Direction Cassiopée), 1980, ISBN 3-551-01877-4
Band 8: Endstation Brooklyn (Brooklyn Station Terminus Cosmos), 1981, ISBN 3-551-01878-2
Band 9: Trügerische Welten (Sur les terres truquées), 1977, ISBN 3-551-01879-0
Band 10: Die Insel der Kinder (Les Héros de l'Equinoxe), 1978, ISBN 3-551-01880-4
Band 11: Die Geister von Inverloch (Les spectres d'Inverloch), 1984, ISBN 3-551-01881-2
Band 12: Die Blitze von Hypsis (Les foudres d'Hypsis), 1985, ISBN 3-551-01882-0
Band 13: Die grosse Grenze (Sur les frontières), 1988, ISBN 3-551-01883-9
Band 14: Lebende Waffen (Les armes vivantes), 1990, ISBN 3-551-01884-7
Band 15: Die Kreise der Macht (Les cercles du pouvoir) ISBN 3-551-01885-5
Band 16: Im Bann von Ultralum (Les otages de l'Ultralum), 1996, ISBN 3-551-01886-3
Band 17: Die Sternenwaise (L'orphelin des astres), 1998, ISBN 3-551-01887-1
Band 18: In unsicheren Zeiten (Par des temps incertains), 2001, ISBN 3-551-01888-X
Band 19: Am Rande des großen Nichts (Au bord du grand rien), 2004, ISBN 3-551-09889-1
Band 20: Das Gesetz der Steine (L'ordre des pierres), 2007, ISBN 978-3-551-02570-8
Band 21: Der Zeitöffner (L'ouvre temps), 2010, ISBN 978-3-551-02571-5
Hauptcharaktere:
Valerian, ein Agent des Raum-Zeit-Service der Erde, der im Weltall und in verschiedenen Zeitzonen Abenteuer erlebt. Seine etwas geradlinige Art bringt ihn schon mal in Schwierigkeiten.
Veronique (Im Original Laureline), als Partnerin und ebenfalls Agentin des Raum-Zeit-Service.
Eigene Beschreibung:
Durch eine atomare Katastrophe im Jahr 1986 wird die Erde verwüstet und eine alternative Zeitlinie geschaffen. Lange nach dieser Katastrophe ist die Erde wieder ein blühender Planet. Mit der Technologie des Raum-Zeit-Sprunges durchreisen die Raumschiffe des Raum-Zeit-Service nicht nur das Weltall sondern auch die Zeit.
Ob sie nun seltsame Ereignisse im Weltraum untersuchen oder Manipulationen an der Zeitlinie verhindern, es werden doch immer andere Wege beschritten.
Meinung:
Die Herangehensweise an die Thematik ist hier sehenswert. Der Agent, der in vielem dem Typ Soldat im Dienste des Planeten darstellt, wird durch seine Partnerin ein ausgleichendes Element an die Seite gestellt, die auch andere Lösungsansätze findet.
Die Zeichnungen und die phantastischen Wesen und Welten sind schon eher eine Vermischung von SF und Fantasy.
Die Übersetzung des Textes und die nicht erfolgte Anpassung der Zeichnungen geben dem aufmerksamen Leser so manchen Schmunzler.
Sonstige Informationen:
Es sind zu der Serie noch drei Sonderbände erschienen.
In diesen Sonderbänden ist auch die Herkunft von Veronique erklärt.
Beiträge von Soulshadow
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08:00 Uhr – Klassenzimmer Day Class
Der Lehrer war alles andere als begeistert, dass Hikaru die längliche Tasche mit ins Klassenzimmer genommen hatte. Aber bei diesem Punkt ließ Hikaru nicht mit sich reden.
„Das hat sie nicht zu interessieren!" blaffte er den Lehrer an, der erschrocken zurück zuckte.
Diesen Ton schlug sonst nur Ryu Yami an.
Der Blick seiner grauen Augen hatte etwas Unerbittliches und der Lehrer zog sich wieder zu seinem Pult zurück. Hikaru war gleich morgens vom Klassenlehrer angesprochen worden und hatte heute nach dem Unterricht den Test von gestern nachzuschreiben!
An manchen Tagen lohnte sich das Aufstehen einfach nicht!
Missmutig lehnte er sich auf dem Stuhl zurück.
Eine atemlose Entschuldigung aus Richtung der Tür ließ ihn kurz zur Seite blicken. Ein blondes Mädchen stand dort und entschuldigte sich gerade für ihr zu spät kommen. Er hatte sie noch nicht gesehen, also war sie wohl gestern angekommen.
„Niemand hat mich geweckt!" Hikaru runzelte die Stirn. Aus welchem goldenen Käfig hatte man die denn rausgeschmissen?
Den Blicken von einigen in der Klasse nach zu urteilen, hatten die sie gestern auch schon kennen gelernt. Ryus düsterem Blick nach zu urteilen, hatte sie sich bei ihm gleich beliebt gemacht. Aber auch die Gesichter von Tori und Takeya zeigten deutliche Reaktionen. -
Langsam näherten sich die drei Kasumi Saito.
"Ja, geh du nur", erwiderte Kaien Kurosu, aber das Mädchen hatte gar nicht auf seine Antwort gewartet, sondern war bereits losgegangen.
"Wenn sie dann freundlicherweise nach dieser unliebsamen Situation in mein Büro kommen würden, junger Mann?" sprach er den ihm unbekannten Jungen an. Er hatte kurz ins Zimmer hineingeschaut, also wollte er wohl zu ihm. Aber erst musste diese Frau hier ihre Lektion lernen!
Akatsuki Kain ließ seine Augen aufleuchten und wischte ihren Willen einfach weg. Ohne weiteren Widerstand folgte sie ihnen wieder in das Büro.
Nach der kleinen Beeinflussung ging das Ausfüllen der Papiere auch ganz schnell.Akatsuki Kain und Takuma Ichijo brachten sie dann auch vom Schulgelände und blockierten dann diesen Teil der Erinnerung.
Kasumi Saito ging in der Annahme, eine unliebsame Zeugin ihrer kleinen Geschäftsidee hier sicher untergebracht zu haben. Das war ihr sogar eine monatliche Summe wert!
Niemand war hinter ihr Geheimnis gekommen und sie würde nie wieder Kinder in ihre Nähe lassen! Es war wieder einmal ein voller Sieg für sie gewesen!
Aufrechten Schrittes stöckelte sie davon und warf keinen Blick mehr zurück. -
Die Situation, die sich den Augen des Direktors darbot, war mehr als seltsam.
Ein ihm unbekannter Junge stand vor Frau Saito und hielt ihr einen blutenden Daumen entgegen. Hinter ihm stand das Mädchen Kohana.
"Ich denke, jetzt ist diese Posse beendet, Frau Saito!"
Neben ihm positionierten sich Akatsuki Kain und Takuma Ichijo und machten sich bereit, bei weiteren Reaktionen ihrerseits einzugreifen.
Die letzte Bemerkung des Jungen kam dem Rektor erst langsam zu Bewusstsein. Wieso sprach er von Vampiren?
"Mein junger Freund, ich weiß nicht woher du dein Wissen hast, aber diese Frau ist kein Vampir! Sie handelt mit Vampiren, stellt ihnen eine widerliche Dienstleistung zur Verfügung. Aber das ist auch schon alles, was sie mit Vampiren zu tun hat." -
Die Blätter der Unterlagen waren so plötzlich aufgewirbelt worden, dass Direktor Kurosu zurückzuckte. Dabei rollte sein Arbeitsstuhl zurück und ließ ihn von der Sitzfläche rutschen.
Ehe er es sich versah, saß er am Boden und um ihn herum segelten die Blätter herunter.
Durch die offengelassene Tür hörte er von draußen Geschrei und rappelte sich rasch wieder auf.
Noch während er durch seine Bürotür auf den Flur stürmte, kamen auch Akatsuki Kain und Takuma Ichijo aus der anderen Richtung zurück.
Was bildete sich diese Frau eigentlich ein? -
Die Fortsetzung zu "Der Sündenbock":
Seltsame Begegnung
Immer näher kam das Hufgetrappel der Verfolger. Vared wagte nicht, über seine Schulter zu blicken. Zu groß war seine Angst, daß er das vernarbte Gesicht des Bandenführers dicht hinter sich entdeckte. Viel zu deutlich konnte er das Knarren des Sattelleders hören.
„Gleich haben wir dich, Bursche!" brüllte eine rauhe Stimme hinter Vared.
Noch einmal versuchte der Junge durch einen plötzlichen Haken den Räubern zu entkommen. Aber er erntete nur brüllendes Gelächter! Etwas zischte durch die Luft und schnürte ruckartig Vareds Arme an seinen schmächtigen Körper. Mit einem leisen Schrei fiel der Junge zu Boden.
„Na also!" brummte eine Männerstimme irgendwo über ihm.„Was sollen wir mit dem Bürschchen, Brydok? Willst du ihn etwa mitschleppen?" erkundigte sich eine andere Stimme, deren Besitzer neben Vared hocken musste. Keuchend riss der Junge seine Augen auf. Direkt vor ihm saß der Bandenführer auf seinem schwarzen Hengst, die Augen nachdenklich auf den Jungen gerichtet. Vared begann zu zittern. Jetzt ging es um sein Leben! Bei den restlichen Mitgliedern der Handelskarawane, unter denen auch Vareds Eltern geweilt hatten, zeigte die Bande keinerlei Gnade. Wie eine Horde von brüllenden Dämonen waren sie aus dem Wald gestürmt und hatten die Kaufleute und Karawanenwächter wie Vieh abgeschlachtet! Seine Mutter hatte ihm noch zugerufen, er solle weglaufen, bevor ein Reiterspeer sie durchbohrte. Nur Augenblicke später war Vareds Vater durch einen Schwerthieb gestorben. Erst als die beiden sich nicht mehr rührten war Vared losgelaufen, aber da hatten ihn schon einige der Räuber gesehen. Würde er jetzt das Schicksal seiner Eltern teilen müssen?
„Warum nicht, Berda? Nach diesem Überfall müssen wir vorerst in den Sümpfen untertauchen, denn die Städte werden Truppen ausschicken!" meinte Brydok mit einem Blick auf die Berge. Vared schnappte überrascht nach Luft. Dieser Brydok kannte sich scheinbar in dieser Gegend aus. Aber die Sümpfe? Jeder Bauer wusste doch, dass in den Sümpfen schreckliche Gestalten hausten.
„Warum nicht?! Na, wegen diesen schuppigen Lurad natürlich! Beim letzten Mal haben wir durch sie fast ein Drittel unserer Männer verloren." sagte Berda aufgebracht. Brydok verzog sein Gesicht zu einem grausamen Grinsen.
„Immer noch besser, als sich den Truppen aus Sequa entgegenzustellen!" erinnerte er Berda. Inzwischen waren noch zwei weitere Räuber aus ihren Sätteln gestiegen und banden Vareds Hände. Der Junge wehrte sich nicht mehr, denn der Schrecken über das Reiseziel lähmte ihm alle Glieder.
„Du weißt doch genau, daß diese Lurad-Echsen das Fleisch dieses Jungen über große Entfernungen wittern können, Brydok! Und dann fallen sie in Scharen über uns her." warf Berda ihm leiser vor. Diesen Teil des Gespräches sollten offenbar nicht alle hören. Vared wünschte sich jetzt auch, dass er diese Worte nicht gehört hätte. Ein eisiger Schauer lief ihm über den Rücken. Die Lurad-Echsen wollten sein Fleisch! Vareds Gedanken gaukelten ihm schreckliche Bilder vor, so dass der Junge mit einem Seufzer das Bewusstsein verlor. Berda wandte sich erstaunt um, als der Leib des Jungen gegen ihn prallte. Im nächsten Augenblick lachten Brydok und Berda schallend und auch die übrigen Männer fielen ein.Als Vared wieder zu sich kam, saß er vornüber geneigt auf dem Rücken eines Pferdes. Sein Körper wurde von dem Reiter hinter ihm senkrecht gehalten.
„Du solltest nicht alles glauben, was Brydok und Berda erzählen, Junge." sagte der Reiter zu ihm, als Vared sich ganz aufrichtete.
„Was geschieht jetzt mit mir?" fragte der Junge ihn vorsichtig.
„Du wirst verkauft!" lautete die lapidare Antwort. Vared versteifte sich unwillkürlich wieder. Er sollte also Sklave werden.
„Brydok macht immer alles zu Geld, Junge. Niemand kann die Herkunft von Münzen zurückverfolgen! Also kommt man auch nicht auf unsere Fährte." erzählte der Reiter einfach weiter. Vared schauderte. Diese Räuber waren so kalt wie Reptilien! Sie töteten ohne jede Gnade und ihre Gefühllosigkeit wurde nur noch von ihrer Habgier übertroffen!
„Ihr habt meine Eltern getötet!" sagte Vared dumpf. Der Räuber hinter ihm lachte kurz auf. Sein Lachen klang dabei wie das Gebell eines wilden Hundes. Die Seele des Mannes musste schon lange tot sein.
„Sie hätten sich ja ergeben können!" gluckste der Räuber erheitert. Vared fühlte, wie in seinem Inneren Zorn aufwallte.
„Damit ihr sie ebenfalls als Sklaven verkaufen könntet?!" zischte er wütend. Aber sein Ausbruch brachte den Räuber nur wieder zum Lachen. Wenn ich doch nur schon ein Mann wäre, dachte Vared verzweifelt. Doch er zählte gerade erst zwölf Sommer! Hilflos ließ er die Schultern sinken. Was konnte ein Junge wie er schon gegen ein Dutzend Männer mit Schwertern und Speeren ausrichten? Sie alle lachten nur über ihn und seine Hilflosigkeit.„Wenn wir Glück haben, dann kauft dich ein Priester oder Gelehrter." redete der Räuber weiter auf Vared ein. Der Junge beschloss, ihm nicht mehr zu antworten. Sollte er sich sein Vergnügen woanders suchen.
Die Reitergruppe hatte inzwischen die Handelsstraße wieder erreicht und näherte sich dem Ort des Überfalles. Dort hatten die übrigen Räuber die Toten schon verschwinden lassen und die Spuren des Kampfes verwischt.
Die Männer warteten nur noch auf ihren Anführer, um dann mit der Beute auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Brydok gab ihnen das Zeichen zum Aufbruch. Die Männer besetzten flink die Wagen und ließen die Zugtiere antraben. Vared fiel auf, dass sich die Männer auf den Wagen weite Tuniken über ihre Lederpanzer gezogen hatten. Sie wirkten beinahe harmlos. Jetzt wusste Vared, wie Brydoks Bande ihre Beute beiseite schaffte.„Treibt die Tiere an, Leute!" brüllte Brydok den Männern auf den Wagen zu.
„Die Handelswaren werden schließlich dringend erwartet." rief Berda noch lachend hinterher. Alle Räuber fielen in das Gelächter ein. Vared verzog angewidert sein Gesicht. Was waren das nur für Menschen? Er wünschte ihnen die grünäugigen Dämonen von Kreen an den Hals. Der Wagenzug bewegte sich unbehelligt auf der Handelsstraße nach Sequa. Zweimal ritt eine kleine Schar Soldaten an ihnen vorbei, aber die Männer bemerkten nichts. An der Furt über den Syla sprach sogar ein Offizier mit Brydok, der plötzlich wie ein ehrbarer Mann sprach. Vared hatte ihm den Schwindel nachweisen wollen, aber eine schwielige Hand verschloss ihm den Mund bevor er nur ein Wort herausbrachte.
„Wenn dir dein Leben lieb ist, dann schweigst du besser!" zischte sein Bewacher dicht an seinem Ohr. Vared unterließ jede weitere Gegenwehr. Seine Chance würde noch kommen, dessen war er sicher. Die Mörder seiner Eltern mussten bestraft werden! Dem Jungen wurde plötzlich bewusst, dass er keine Familie mehr hatte. Vared schluckte krampfhaft. Vor diesen Mördern wollte er seinen Tränen keinen Lauf lassen. Trotzdem brannten seine Augen als hätte er Nesselsaft hinein gerieben. Er schniefte trotzig und reckte seine schmalen Schultern.Die Worte seines Vaters fielen ihm wieder ein:
„Du musst kein furchtloser Krieger sein, Vared. Mut allein ist nicht alles. Was dir an Stärke fehlt, muss dein Verstand ausgleichen!" Er musste die Räuber in Sicherheit wiegen und den Verzweifelten spielen.
Ihre Aufmerksamkeit würde irgendwann schon erlahmen. Diesen Augenblick galt es zu nutzen! Er musste dann fliehen und die nächste Garnison oder Stadt erreichen. Von dort würden dann Soldaten aufbrechen, um die Bande zu stellen.
„Na, Junge? Du bist ja so still geworden." sagte der Bandit hinter ihm mit spöttischer Stimme. Vared ließ seine Schultern wieder sinken und schniefte erneut. Daraufhin lachte der Räuber glucksend. Vared senkte auch den Kopf, damit niemand sein zufriedenes Grinsen sah. Als der Bandit seinen Griff lockerte, wusste Vared, dass sein Plan funktionieren würde. Er spielte seine Rolle weiter. Als die Sonne sich dem fernen Horizont zuneigte ließ Brydok die Wagenkolonne in ein kleines Felsental einfahren.
„Errichtet das Nachtlager und denkt daran: Wir sind ehrbare Leute!" rief er seinen Männern zu. Nicht alle der Räuber lachten. Auch Vareds Bewacher schien sich nicht besonders wohl zu fühlen.
„Schon wieder dieses verfluchte Tal!" knurrte er leise. Vared horchte auf.
„Ein verfluchtes Tal?" fragte er zaghaft. Sein Bewacher grunzte ärgerlich.
„Es wird von den Leuten in der Umgebung das Dämonentor genannt." erwiderte der Räuber schließlich. Man hörte ihm an, dass er nicht gerne darüber sprach. Vared wandte vorsichtig den Kopf und blickte seinem Bewacher ins Gesicht. Der Mann hatte Angst, dass sah er ihm deutlich an.
„Warum nennt man es das Dämonentor?" bohrte Vared weiter. Möglicherweise konnte ihm dieses Tal nützlich sein und seine Flucht unterstützen.„Es heißt, dass in diesem Tal in manchen Nächten Furchterregende Gestalten umherstreifen. Zu dem sind hier über die Jahre viele Menschen spurlos verschwunden. Einige fand man regelrecht zerrissen dort oben in den Felsen, andere irrten ohne Geist umher." erklärte sein Wächter zögernd.
„Vielleicht wohnten die Dämonen mit den grünen Augen einst in diesem Tal?" überlegte Vared laut, obwohl ihm selbst nicht wohl bei dem Gedanken war. Sein Wächter machte ein schnelles Schutzzeichen. Vared bemerkte es. Sein Bewacher fürchtete die Dämonen also besonders. Dann würde er in der Nacht andere Sorgen haben als die stetige Bewachung des Jungen. Vared gestand sich selbst ein, dass er auch Angst hatte. Aber er durfte diese Chance zur Flucht nicht ungenutzt lassen.„Hey, Tauro! Steig endlich von deinem Gaul und binde den Jungen da hinten an den Baum. Aber verletze ihn nicht! Verletzungen mindern den Preis!" forderte Berda seinen Bewacher auf. Mit einem leisen Fluch stieg Tauro aus dem Sattel und hob Vared vom Pferd. Er zog den Jungen zu dem Baum und band ihn lustlos fest.
Vared fühlte, wie locker die Fesselung anlag. Tauro sah immer wieder zu den Felsen empor.
Inzwischen waren die Wagen abgeschirrt worden. Mehrere Feuerstellen wurden entzündet. Brydok rief seine Männer zu einer Besprechung zusammen. Tauro ließ Vared alleine und ging ebenfalls zum großen Feuer. Die Sonne sandte ihre letzten Strahlen über den Himmel und wich dann der Nacht. Im Felsental herrschte bereits Nacht. Die hohen Steinwälle verkürzten die Dämmerung. Vareds Platz unter dem Baum versank in der Dunkelheit. Der Junge wusste, dass Tauro keine Eile haben würde zu seinem einsamen Posten zurückzukehren.
Vorsichtig bewegte er sich. Wie erwartet gaben die Seile nach und Vared bekam seinen rechten Arm frei.
Rasch öffnete er die Knoten und befreite sich ganz. Das Seil wickelte er daraufhin um seinen Bauch. In den Bergen würde es noch nützlich sein. Zur Sicherheit blickte er noch einmal zum großen Feuer, aber die Räuber lauschten gebannt ihrem Anführer. Ohne zu zögern schlich Vared hinter die ersten Felsen. Wie ein schwarzes Tuch umfing ihn die Nacht. Die Geräusche und Stimmen des Lagers klangen irgendwie verzerrt. Vared begann zu rennen. Einzelne Lichtreflexe des fernen Lagerfeuers erhellten ab und zu die Felsen. Plötzlich blieb Vareds Fuß irgendwo hängen und der Junge stürzte hart zu Boden. Der Aufprall trieb ihm die Luft aus den Lungen und verhinderte seinen Schreckensschrei. Sand knirschte zwischen seinen Zähnen. Vared tastete schnell sein Bein ab und erfühlte die borkige Rinde einer Wurzel. Erleichtert atmete er auf. Doch keine Dämonen, die ihn in finstere Tiefen zerren wollten! Langsam stand er wieder auf und schritt nun vorsichtiger aus. Im Lager erhob sich plötzlich Geschrei. Man hatte seine Flucht entdeckt! Vared begann wieder zu rennen.Er musste unbedingt die Felsen der Bergausläufer erreichen. Hinter ihm leuchteten die ersten Fackeln auf, als die Räuber ausschwärmten. Zweige peitschten in Vareds Gesicht und hinterließen brennende Striemen. Sein Atem ging keuchend, aber die Angst trieb ihn vorwärts. Sie durften ihn nicht wieder einfangen, sonst wäre er verloren! Vared gelangte in einen schmalen Durchlass, hinter dem sich ein weiteres Tal erstreckte. Allerdings konnte er nicht besonders viel davon sehen. Durch einen schnellen Blick über die Schulter überzeugte er sich, dass die Verfolger außer Sicht waren. Im schwachen Licht der Sterne wirkte alles um ihn herum finster und bedrohlich. Vared versuchte, seinen keuchenden Atem wieder unter Kontrolle zu bekommen. Soweit er dabei erkennen konnte, wurde das Tal von einem Wald bedeckt. Wie haarige Riesen wirkten die Bäume in der Finsternis. In den Geschichten, die seine Mutter ihm früher erzählt hatte, waren solche Wälder stets die Heimat von Hexen und Dämonen oder Waldgeistern gewesen. Diese Wesen waren nicht gerade freundlich zu den Menschen. Vared schauderte für einen Moment, dann hörte er die Rufe seiner Verfolger wieder. Ohne weiter zu zögern rannte er in den Wald hinein. Als er zwischen den ersten Bäumen hindurch gelaufen war, wandelte sich seine Umgebung überraschend.
Irgendwo aus dem Inneren des Waldes kam ein eigentümliches silbernes Licht. Vared erkannte in seinem Schein einen schmalen Pfad vor sich, der durch das Unterholz führte. Diesmal zögerte er nur ganz kurz, bevor er dem Pfad folgte. Seine Neugier überflügelte die Angst. Welche Quelle wohl ein solches Licht ausstrahlen mochte? Je weiter er dem Pfad folgte, desto heller wurde der Lichtschein. Vared atmete unwillkürlich flacher, als ihm die Ehrfurcht gebietende Stille an diesem Ort bewusst wurde. In seinem Bauch machte sich ein flaues Gefühl breit. Vared wusste plötzlich, dass hier ein magischer Ort von großer Kraft lag. Aber er hätte nicht erklären können, wie er zu dieser Erkenntnis gekommen war. In seinem Kopf erklang eine leise Melodie, die er noch nie vorher gehört hatte. Trotzdem glaubte er sie zu kennen. Die Angst fiel von ihm ab. Man wollte ihm hier nichts Böses!Zwischen den mächtigen Stämmen hindurch erblickte Vared eine Lichtung. Von dort kam auch das silberne Licht. Als der Junge die Lichtung betrat veränderte sich das Licht. Vared blickte sich aufmerksam um. Nirgends war ein Feuer zu sehen. Das Licht strahlte einfach aus der Luft. Ähnlich wie am Tag die Sonne, so stand ein leuchtender Ball in der Luft. Aber anders als die Sonne blendete er nicht. Vared konnte direkt in das Licht sehen, ohne das seine Augen schmerzten. Die Luft um den Lichtball flimmerte wie an heißen Sommertagen. Der Lichtball strahlte jetzt in einem goldgelben Ton. Ganz plötzlich verstummte die Melodie in seinem Kopf mit einem Missklang. Vared blinzelte überrascht. Was war denn nur passiert? Der Lichtball flackerte im selben Augenblick wie eine Sturmlaterne bei einem Unwetter.
Vared wich erschrocken bis am die ersten Bäume zurück. Im unsteten Schein des Lichtballes erschien ein Schatten, der rasch größer wurde. Vared spürte, wie seine Angst ihm die Luft abschnürte. Der Schatten nahm die Gestalt eines Mannes mit dunkler Haut an, wie Vared sie noch nie gesehen hatte. Der Mann blickte sich gehetzt um und wirkte gar nicht bedrohlich. Sein Verhalten erinnerte Vared viel mehr an ihn selbst! Der Mann schien auch auf der Flucht zu sein. Ehe Vared sich weitere Gedanken machen konnte erschienen zwei neue Schatten in dem Lichtball. Auch sie wurden zu Männern, die eine Art Rüstung trugen. Sie blickten sich ohne große Hast um. Der andere Mann schrie auf, als er die Gepanzerten sah. Seine Hände hoben sich abwehrend. Die Gepanzerten wandten ihre Köpfe und sahen den Flüchtling. Der eine Gepanzerte sagte etwas, dass Vared nicht verstand. Eine solche Sprache hatte er noch nie gehört. Obwohl ihm der Sinn der Worte unklar blieb, erkannte er am Klang der Worte die Absicht. Die Fremden wollten den Flüchtling beruhigen! Vared wagte kaum zu blinzeln, aus Angst er könnte etwas verpassen.
Das Geschehen fesselte Vared dermaßen, saß er das Rascheln hinter sich überhörte. Erst als sich eine Hand über seinen Mund schob schreckte er hoch.
„Zu spät, Bursche! Ich hab dich!" zischte eine rauhe Stimme hinter ihm. Vared erkannte an ihr sofort Berda. Also hatten ihn die Banditen doch noch gefunden. Verzweifelt versuchte Vared sich aus Berdas Griff zu befreien, aber gegen die Kraft des Mannes kam er nicht an. Berda riss Vared empor und wollte mit ihm zwischen den Bäumen untertauchen. In diesem Augenblick sah Vared wie die Gepanzerten in seine Richtung blickten. Ihre Augen hinter den seltsamen Visieren wurden schmal und der eine von ihnen rief etwas. Berda zuckte zusammen. Einer der Gepanzerten streckte seine behandschuhte Hand aus und deutete direkt auf Berda, der ächzend die Luft ausstieß.„Dämonenkrieger!" keuchte Berda halblaut. Vared verhielt sich vollkommen still. Er hielt die Gepanzerten nicht für Dämonen. Keiner der beiden hatte grüne Augen! Die Augen des einen waren Blau, wie der Himmel an einem Sommertag und sein Haar hatte die Farbe reifen Korns. Die Augenfarbe des anderen erinnerte an das Meer im Frühling und seine Haare waren braun, genau wie Vareds. Wieder sagte der Gepanzerte mit den blauen Augen etwas. Und diesmal klang seine Stimme drohend. Berda begann am ganzen Leib zu zittern und sein Griff lockerte sich zusehends. Die Gepanzerten machten einen Schritt auf Berda zu, daraufhin ließ dieser Vared los und lief schreiend in den Wald zurück. Die Gepanzerten grinsten belustigt und winkten Vared aufmunternd zu. Vared lächelte zaghaft und winkte zurück. Die beiden Gepanzerten nahmen den Mann in die Mitte, der als erster angekommen war. Er schien jetzt keine Angst mehr zu haben und redete auf die Gepanzerten ein. Langsam schritten sie in das Licht zurück. Bevor sie wieder zu Schatten wurden wandte der Blauäugige noch einmal den Kopf und lächelte Vared zu. Ein Auge zwinkerte freundlich, dann verschwanden die Fremden. Der Lichtball schrumpfte nach ihrem Verschwinden wieder zu einer kleinen silbernen Kugel zusammen. Plötzlich war auch die Melodie wieder in Vareds Kopf.
Aber auch seine Situation wurde ihm wieder gegenwärtig. Berda war zwar geflohen doch das Hieß nicht, dass seine Verfolger damit aufgegeben hatten! Dieser merkwürdige Ort hatte ihm einmal geholfen, mehr durfte er nicht verlangen. Mit einem Seufzer des Bedauerns verließ Vared die Lichtung und tauchte im Wald unter. Nachdem er die Talwand wieder erreicht hatte, fand er einen Aufstieg in die Felsen. Er kletterte solange es seine Kräfte zuließen, dann sank er erschöpft gegen die Felsen und schlief auf der Stelle ein. Geweckt wurde er von der Morgensonne, deren Strahlen ihn zum Niesen brachten. Erschrocken sprang er auf die Beine und blickte sich um. Unter ihm erstreckten sich die beiden Täler. Vared sah sofort, dass die Wagen nicht mehr im ersten Tal standen. Die Räuber mussten mit ihrer Beute noch in der Nacht aufgebrochen sein! Vared stampfte ärgerlich mit dem Fuß auf. Sie waren ihm entkommen! Der Teil des Landes, den Vared von seiner Position aus überblicken konnte, zeigte keine Bewegung. Resignierend sank er auf einen Felsen. Er musste trotzdem sein Wissen weitergeben, überlegte er sich. Vared begann einen Abstieg zu suchen, der ihn gleich in die Ebene brachte.In die Täler wollte er nicht unbedingt zurück. Außerdem machte sich bei ihm der Hunger bemerkbar. Sein Magen knurrte vernehmlich. Vared erinnerte sich, dass vor den Felsausläufern ein kleiner Bach floss. Dort würde er wenigstens Wasser finden. Vorsichtig kletterte er wieder hinab. Nicht selten rutschte er aus und zog sich Prellungen und Abschürfungen zu. Seine Sandalen zerschlissen ebenfalls. Als er endlich vor den Felsen stand, machte er einen abgerissenen Eindruck. Sein braunes Haar stand wirr und schmutzig vom Kopf ab, seine Kleidung ähnelte mehr alten Lumpen. Vared versuchte sich am Bach so gut wie möglich zu reinigen, bevor er seinen beschwerlichen Weg antrat. Schließlich hatte er ihn das erste Mal auf einem Pferd zurückgelegt. Vared benötigte fast den ganzen Tag, um wieder zur Handelsstraße zurück zu laufen. Seinen Hunger konnte er unterwegs nicht stillen, so dass dieser immer stärker in ihm brannte. Die Sonne war schon fast untergegangen, als plötzlich Hufgetrappel an seine Ohren drang. Vared richtete sich langsam auf und beobachtete die Straße.
Schon bald konnte er einen Trupp Reiter ausmachen. Vared hob seine Arme, um auf sich aufmerksam zu machen. Der vorderste Reiter zügelte sein Pferd und blickte auf Vared.
„Was willst du, Bursche?" knurrte er alles andere als freundlich.
„Banditen haben unsere Karawane überfallen, Herr! Meine Eltern und alle anderen wurden getötet!" brachte Vared mühsam hervor. Der Reiter legte den Kopf zur Seite und starrte Vared an.
„Was geht mich das an, Bursche?!" antwortete er dann.
„Ihr müsst Meldung machen, Herr! Die Räuber ziehen als gewöhnliche Händler verkleidet auf dieser Straße." flehte Vared ihn an, aber der Reiter wandte sich verächtlich ab.
„Keine Gefahr, Herr!" rief er zu den anderen Reitern zurück, „Nur ein kleiner Bettler, der uns mit fremden Ärgernissen belästigt!" Vared glaubte nicht, was er da hörte. Menschen waren gestorben und diese Reisenden fühlten sich belästigt? Vared wich einen Schritt zurück, als der Fremde sein Pferd wieder antraben ließ. Auch die übrige Reiterschar zog an ihm vorbei. Niemand schien sich weiter um Vared zu kümmern.„Du hattest Glück, Junge!" sagte eine Stimme aus der Dunkelheit vor ihm.
„Wer ist da?" fragte Vared erschrocken. Im nächsten Moment schien ein Teil des Schattens lebendig zu werden. Erst als die Gestalt direkt vor ihm stand erkannte Vared, dass es ein Mann war. Dieser grinste ihn an.
„Dieser Großstadtpöbel hätte dich auch als Sklaven mitnehmen können!" fuhr er dann fort. Der Mann trug dunkle Kleidung und ein nachtschwarzes Cape.
„Warum könnten sie das?" erkundigte Vared sich bei ihm.
„Weil du kleiner Dummkopf ihnen verraten hast, dass deine Eltern tot sind!" erklärte der Mann ihm. Vared schluckte erschrocken.
„Jedes elternlose Kind kann ohne Grund zum Sklaven werden, denn wer würde schon dagegen Einspruch erheben?!" verdeutlichte der Fremde ihm die Lage. Vared sah in dessen graue Augen, aber er konnte kein Falsch darin erkennen.
„Aber die Räuber!" begehrte Vared noch einmal auf.
„Das muss warten, Junge! Zuerst kommt immer das eigene Leben, weißt du?! Die Mörder deiner Eltern kannst du verfolgen, wenn du alt genug geworden bist!" erwiderte der Fremde warnend. Vared ließ seine Schultern hängen.„Woher weißt du das alles?" fragte er den Fremden müde.
„Ich war nicht viel älter wie du, als meine Eltern starben. Ich lernte, auf der Straße zu überleben. Und das musst du auch, Junge!" antwortete dieser.
„Ich heiße Vared. Wie darf ich dich nennen?" wechselte Vared das Thema.
„Man nennt mich Slen, der Spieler. Aber du siehst hungrig aus, Vared." stellte der Fremde fest. Vared war zwar niemals in den Unterstädten, aber er hatte durch Altersgenossen schon von umherziehenden Spielern gehört. Allerdings ließ ihm sein Hunger keine Zeit für Überlegungen. Vared nickte nur heftig, als er das verdeckte Angebot hörte.
„Normalerweise füttere ich zwar keine Waisen durch, aber im Augenblick habe ich mehr als genug Nahrung. Also komm, Vared." überlegte der Fremde namens Slen laut und schritt wieder in die Dunkelheit. Wieder war es Nacht geworden. Aber Vared war nicht mehr allein. Der Spieler teilte sein Nachtmahl mit Vared und unterhielt sich noch einige Zeit. Als Slen sich schlafen legte, lehnte Vared an einem Baum und dachte nach.Würde er in die Stadt gehen, dann bestand die Gefahr ein Sklave zu werden! Damit wäre seine Flucht sinnlos gewesen, da die Räuber ihn je auch als Sklaven verkaufen wollten. Somit blieb ihm keine große Auswahl. Slen hatte angeboten ihm einige Tricks und Kniffe zu zeigen. Vared musste lernen, alleine in der Welt zu bestehen. Sein voller Magen strahlte Ruhe aus und ließ Vared schläfrig werden. Ich werde euch nie vergessen, versprach er seinen Eltern bevor er endgültig einschlief.
Ein neues Leben begann...
Ende -
Hier noch mal etwas aus meiner Feder, das auch schon mal in einem Fanzine veröffentlicht wurde.
Erschienen im Rahmen der Legendensänger-Edition:
Der Sündenbock
Es war eine finstere, mondlose Nacht und ein kalter Westwind strich über die Häuser des kleinen Dorfes. Die meisten Dorfbewohner schliefen schon, aber in der Dorfschänke saßen noch drei Männer beieinander. Die groben Holzbänke im Schankraum wurden nur noch von den erlöschenden Flammen des Kamins beleuchtet.
„Diese Nacht ist ideal für unsere Pläne, Borsk! Niemand wird uns sehen! Leider befinden sich zur Zeit keine Fremden in der Nähe. Was wird jetzt aus unserem Plan?" fragte Tinder, der Schafhirte, bedrückt.
Borsk, der fettleibige Schankwirt des Dorfes, grinste mit gelben Zähnen.
„Keine Angst, Tinder. Ich habe trotzdem vorgesorgt! Eines der Dorfkinder hat einen fremden Wanderer auf der oberen Weide gesehen. Er wird in dieser kalten Nacht nicht mehr weiterziehen. Also nehmen wir ihn!" erklärte er dem ängstlichen Hirten zuversichtlich. Die drei Männer blickten sich verschwörerisch an und hoben ihre irdenen Krüge.
„Morgen sind wir reiche Leute!" sagte Borsk feierlich, dann stießen sie an und tranken. Als sie ihre Krüge wieder absetzten lachten sie schauerlich, danach erhoben sie sich und verließen die Schenke.
Der nächste Tag begann mit einem strahlenden Sonnenaufgang, der die kalte Nacht vergessen machte. Slen reckte sich ausgiebig, um die Kälte der Nacht aus seinen Gliedern zu vertreiben. Er übernachtete wirklich ungern im Freien, denn eigentlich war er ein Städter. Leider zwangen ihn die Umstände zu dieser Flucht in die Berge. Er war ein Spieler, der von seiner Fingerfertigkeit lebte. Alleine dieser Umstand beinhaltete schon einen häufigen Ortswechsel. Aber in der Zwischenzeit war er zu bekannt geworden, so dass er sich in den größeren Städten nicht mehr sehen lassen durfte. Selbst in Yjan-Calliorn, der Stätte seiner Geburt, forderte man seine flinken Hände auf den Richtblock. Verständlicherweise suchte Slen das zu verhindern. So zog er mit seiner geringen Habe in die Berge, um den Küstenbewohnern Zeit zu geben seinen Namen und seine Schuld zu vergessen. Aber die Berge waren keine gute Gegend für Spieler. Wenig Geld - Kaum Gold!
In den meisten Dörfern hier lebten nur Bauern und die kannten nur ihre Arbeit. Sie hielten ihr Geld fest! Slen war daher gezwungen im Freien zu leben, denn seine letzte Barschaft war lange dahin! Mit einem ärgerlichen Laut schulterte Slen seine Habe und machte sich wieder auf den Weg.
Die Sonne näherte sich ihrem höchsten Stand als Slen das Dorf entdeckte. Er wusste nicht wie es hieß und eigentlich interessierte es ihn auch nicht besonders. Es würde hier genau so wenig zu holen geben, wie in den anderen Dörfern. Seine Augen verengten sich, als er die Menschenmenge auf dem Dorfplatz sah.
So etwas bedeutete selten etwas Gutes! Normalerweise müssten die Leute schon lange auf ihren Feldern sein. Slens Nackenhaare richteten sich auf. Ein deutliches Zeichen für Unannehmlichkeiten, denen er besser aus dem Weg gehen sollte. Noch bevor er umdrehen konnte, drängte sich ein Mann durch die Menge und zeigte direkt auf ihn.
„Da ist er! Das ist der Schuldige! Ich erkenne ihn wieder!" brüllte der Mann den Dorfbewohnern zu. Slen erstarrte mitten in der Bewegung. Der Schuldige? Woran sollte er in dieser trostlosen Gegend Schuld sein?
„Er hat Jemdes Hof letzte Nacht überfallen und Jemde erschlagen!" schrie eine andere Stimme. Man wollte ihm einen Mord anhängen! durchfuhr es Slen siedendheiß. Auf dem Dorfplatz erhob sich ein vielstimmiges Geschrei, als der Hass des Mobs sich gegen ihn richtete. Die Menschen verwandelten sich in eine heulende Meute, in die jetzt Bewegung kam. Slen erkannte, dass ihm niemand zuhören würde, wenn er jetzt seine Unschuld beteuerte. Die rasende Menge hätte ihn erschlagen, ehe er geendet haben würde! Im Augenblick gab es für ihn nur die Flucht! Slen warf sich herum und rannte den Weg zurück, den er gerade gekommen war. Der Mob der Dorfbewohner folgte ihm unter wüstem Geschrei. Slen blickte sich suchend um. Auf diesem Weg würde er den Dorfbewohnern nicht entkommen können, deshalb musste er irgendwie in den Wald gelangen.
Bislang verlief der Dorfpfad aber noch als Hohlweg und ihm blieb nur der Weg nach vorne.
„Er darf uns nicht entkommen!" brüllte eine Männerstimme aus der Menge. Slen erkannte die Stimme wieder. Die gleiche Person hatte ihn auch beschuldigt. Jetzt hetzte sie die Menschen des Dorfes immer weiter auf. Slen ahnte, dass man ihn als Sündenbock vorschieben wollte. Die eigentlichen Schuldigen sorgten dafür, dass die Dorfbewohner einen Schuldigen bekamen und das dieser ohne Anhörung umgebracht wurde. Die Beute selbst würde man natürlich nicht finden, aber die Dorfbewohner würden sich damit abfinden. Ein hinterhältiger Plan!
Aus dem Augenwinkel entdeckte Slen einen Erdabbruch, an dem er den Hohlweg verlassen konnte. Am oberen Hang wuchsen dichte Beerensträucher, die eine gute Deckung abgeben würden. Aus vollem Lauf sprang Slen in den Spalt. Er fiel dabei nach vorn und kletterte auf allen Vieren sofort weiter. Die aufgebrachte Menge kam inzwischen rasch näher. Das lose Erdreich unter Slen gab immer wieder nach. Er keuchte vor Anstrengung, aber er durfte nicht nachlassen. Sein Leben hing davon ab!
„Er versucht in die Beerensträucher zu entkommen!" schrie eine Frauenstimme irgendwo hinter ihm. Eine große Heugabel bohrte sich dicht neben ihm ins Erdreich. Der kurze Schreck katapultierte Slen förmlich über den Hang. Dichtes Strauchwerk schlug ihm entgegen und behinderte seine Flucht. Slen fluchte lästerlich.
So schnell er konnte, schlug er sich mit seinem Langdolch eine Gasse in die Dornensträucher. Unter sich hörte er die Dorfbewohner. Sie hatten den Abbruch auch schon erreicht und versuchten zu ihm zu klettern. Aber diesmal behinderte das lose Erdreich seine Häscher! Verbissen arbeitete Slen sich durch das Strauchwerk. So plötzlich, wie er in die Sträucher geraten war, so kam er auch wieder heraus. Vor ihm erstreckte sich eine Wildwiese, die einige Spannen weiter an einem Wald endete.
„Der Mörder will zum Wald!" brüllte jemand, als Slen auf die Wiese trat.
Wenn der Spieler eines in seinem bisherigen Leben gelernt hatte, dann war es laufen! Wie oft ein schlechter Verlierer schon versucht hatte seine Barschaft mit Gewalt zurück zu holen, konnte Slen schon nicht mehr aufzählen. Selten war es einem gelungen. Deshalb rannte er auch jetzt los.
Die Umgebung jagte an ihm vorbei und der Wald rückte rasch heran. In seinem Rücken erhob sich enttäuschtes Geschrei. Die Dorfbewohner fielen zurück! Ohne seinen Lauf zu bremsen, hetzte Slen in das Unterholz des Waldes. Das Licht wurde schwächer, als sich das Blätterdach über seinem Kopf schloss. Slen hielt an und stützte sich an einem Baum ab. Von den Dorfbewohnern war nichts mehr zu sehen. Er war ihnen entkommen!
Langsam ging er weiter in den Wald hinein, während er seine Situation überdachte. Die Dorfbewohner suchten einen Mörder. Das Opfer hatte man wohl in der letzten Nacht entleibt. Da jemand aus dem Dorf behauptete, er habe Slen wieder erkannt, obwohl er nicht in dem Dorf gewesen war, musste diese Person die wirklichen Mörder kennen! Ein Spieler musste sich ja viele Dinge nachsagen lassen, aber Slen wollte keinesfalls als Mörder gesucht werden! Ihm reichte es völlig, dass man ihn wegen Betruges und Falschspiel in den meisten Städten suchte. Obwohl auch diese Anschuldigungen nicht wahr waren!
Bedauerlicherweise zählte das Wort eines reichen Städters mehr als das eines umherziehenden Spielers.
Diesem Mann aus Yjan-Calliorn verdankte Slen seine ungeliebte Wanderschaft in den Süden. Dabei hatte er doch nur eine wundervolle Nacht mit dessen hübscher Tochter verbracht! Slen schüttelte ärgerlich den Kopf. Gedankenspielereien halfen ihm hier nicht weiter! Er musste die wahren Täter entlarven und den Dorfbewohnern übergeben, damit er in Frieden weiterziehen konnte. Und er musste darauf achten, dass die Dorfbewohner sich nicht eher an die Gerichtsbarkeit wandten ehe er sich nicht in sicherer Entfernung befand. Ansonsten würde man seine Spur wieder aufnehmen und dann würden ihn die Häscher des Kaufmannes bis nach Vian hetzen! Slen fluchte ärgerlich. Warum musste das Leben nur immer so kompliziert sein? Er sah sich wieder bewusst um. Um ihn herum war dichtes Unterholz, wie man es nur im tiefen Wald findet. Hier würde ihn so leicht keiner finden! Erleichtert ließ er sich zu Boden sinken. Das Geschrei der Dorfbewohner war längst hinter ihm zurück geblieben. Nur die Geräusche des Waldes waren noch zu hören. Slen lehnte sich zurück und streckte die Beine aus. Möglicherweise wäre es klüger einfach weiter zu ziehen, aber Slen konnte nicht! Es war ihm schon immer zuwider gewesen, wenn einem Unschuldigen eine falsche Klage Strafe einbrachte. Er hatte wenige Jahre nach der Invasion aus Ailan das Licht der Welt erblickt und sein Vater hatte ihm vor dessen Tod von den miesen Methoden erzählt, mit denen damals unbeliebte Personen einfach durch falsche Beschuldigungen aus dem Weg geräumt wurden.
Auch in den heutigen Tagen brauchte man einen Menschen nur bezichtigen ein Nachfahre der grünäugigen Kreener zu sein und schon ereilte ihn ein böses Schicksal. Slen hatte nichts gegen Menschen mit grünen Augen. Da waren ihm die Priester, die über den Ruinen des alten Kreen hausten, viel unsympathischer. Sie verfluchten die Magie nach außen, aber was sie hinter den Mauern ihres Priesterstaates trieben konnte nichts anderes sein!
Slen zwang seine Gedanken zu dem eigentlichen Problem zurück. Er hatte viel zu wenig Informationen, um einen Plan entwerfen zu können. Also musste er sich zuerst einmal Informationen verschaffen!
Slen schloss seine Augen und ließ vor seinem inneren Auge das Bild der Dorfmenge erscheinen. In der Menge der Gesichter zeigten zwei eine unerklärliche Erleichterung. Mit diesen beiden Männern sollte er den Anfang machen. Jemand, der sich in einer solchen Lage über das Erscheinen eines Fremden freute, musste daraus einen Vorteil ziehen können. Der einzige Vorteil, den Slen sich im Moment denken konnte, war sein Nutzen als Sündenbock. Demnach mussten diese Männer mindestens Komplizen des wahren Mörders sein.
Eine dunkle Wolkenfront zog aus dem Südwesten herauf und kündigte ein Gewitter an. Schon rollte der erste ferne Donnerschlag über das Land. Der Wind frischte auf. Tinder zog fröstelnd seine Schafsfelljacke enger. Wieder schweifte sein Blick zum Waldrand. Irgendwo dort musste der Fremde sein.
Borsk, der Wirt, hatte einige Dorfbewohner als Wachen aufziehen lassen. Sie sollten den Fremden fangen, wenn er noch einmal zum Dorf wollte. Als Tinder sich auch zur Wache meldete hatte Borsk ihn böse angestarrt, aber nichts weiter gesagt. War es ihm nicht recht gewesen?
Tinder blickte besorgt auf die Regenfront, die jetzt rasch näher kam. Ein Gewitterregen würde das Bergland in Dunkelheit tauchen. Der Regen fiel immer so dicht, daß er seine Schafe nicht mehr sehen konnte. Er würde auch den Waldrand nicht mehr sehen können. Vielleicht war das der Moment in dem der Fremde die Postenkette durchbrechen wollte. Tinder fröstelte wieder.
Er würde krank werden, wenn er hier auf freiem Feld blieb. Verstohlen sah er zu den anderen. Sie zogen sich in den Schutz von kleinen Zelten zurück. Niemand achtete auf ihn. Tinder reckte entschlossen sein Kinn vor. Er würde den Fremden nicht entkommen lassen! Als der Regen losbrach rannte er auf den Wald zu.
Slen grinste, als er den Schäfer auf sich zu rennen sah. Als Slen die fernen Boten des Gewitters gehört hatte war er zum Waldrand zurückgekehrt.
Wie er vermutet hatte umstanden Wachen der Dorfbewohner den Wald. Aber die würden ihn im Schutz des Unwetters nicht sehen können! Dann entdeckte er den Schäfer unter den Wachen. Er gehörte zu den zwei Männern, die Slen aufzusuchen gedachte. Freundlicherweise kam er selbst zu Slen. Er war wohl nicht der Klügste. Andererseits war er irgendwie in diesen Mord verwickelt. Wenn er tatsächlich ein wenig zurückgeblieben war, dann hatte man ihn mit Sicherheit nur benutzt. Slen beobachtete den Schäfer weiter. Inzwischen hatte der Himmel sich verdunkelt und es regnete in wahren Strömen. Nur noch undeutlich war die Gestalt des Schäfers zu erkennen. Er rannte unverwandt auf den Waldrand zu. Slen hätte gerne seine Schleuder benutzt, um den bulligen Schäfer zu betäuben. Aber dann konnte er ihm keine Fragen stellen.
Also musste er sich etwas anderes einfallen lassen. Vorsichtig zog er das Seil aus seinem Beutel und wog es abschätzend in der Hand. Er hatte es vor einigen Monden von einem Dieb gewonnen. Es war nicht so plump und schwer wie normale Seile, aber von erstaunlicher Festigkeit.
Eine Sturmböe peitschte die Bäume und Sträucher beiseite und überschüttete Slen mit einer Woge kalten Wassers. Die Kälte kroch ihm sofort in die Glieder. Slen schüttelte sich ärgerlich. Im gleichen Augenblick wuchs die Gestalt des Schäfers vor ihm empor. Der Mann grunzte wie ein wütender Bär und breitete seine mächtigen Arme aus. Slen stieß einen Fluch aus, der mancher feinen Dame die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte. Slen ließ sich einfach nach hinten fallen, als die Arme ihn zu umschließen drohten. Mit einer schnellen Drehung kam er wieder auf die Beine. Der Schäfer starrte noch erstaunt auf seine leeren Arme.
„Was willst du Riese von mir, Schäfer?" rief Slen ihm entgegen.
„Ich werde dich fangen, damit die Dorfbewohner dich strafen können!" brüllte Tinder zurück und stürmte wieder vor.
„Wofür wollen sie mich denn strafen?" fragte Slen weiter, während er mit wenigen Schritten dem Angriff entging.
„Du sollst für den Mord an Jemde, dem Dorfoberhaupt, bestraft werden! So hat es Borsk beschlossen!" antwortete Tinder wütend. Mit halberhobenen Armen wandte er sich wieder um. Slen winkte ihm lächelnd zu. Tinder stieß einen lang gezogenen Schrei aus und stürmte erneut voran.
„Warum hat ausgerechnet Borsk das beschlossen? Ist er einer der Dorfältesten?" fragte Slen ungerührt weiter. Tinders Angriff ging wieder ins Leere. Schnaufend blieb er stehen und suchte nach seinem Opfer. Slen trat hinter einem Baum hervor und winkte wieder.
„Hier bin ich, Schäfer! Aber du hast meine Frage noch nicht beantwortet." erinnerte Slen ihn lächelnd. Je wütender dieser Bulle war, desto mehr würde er ausplaudern. Leider wurde er auch immer gefährlicher dadurch. Sollte er Slen einmal zu fassen kriegen, dann gab es kein Entkommen mehr!
„Damit die Dorfbewohner keine Fragen mehr stellen!" keuchte Tinder zornig.
„Sonst könnten sie wohl dem wahren Täter auf die Spur kommen." vermutete Slen laut, um den Schäfer zu einer weiteren Antwort zu verlocken.„Das wird Borsk schon verhindern, denn Borsk ist ein schlauer Mann." sagte Tinder auch prompt.
„Wenn die Dorfbewohner mich nicht bekommen, dann wird Borsk sich einen anderen Schuldigen suchen müssen, Schäfer! Ich denke, dass er dann einen seiner Komplizen ans Messer liefern wird!" erwiderte Slen. Tinder runzelte nachdenklich seine Stirn.
„Oh ja, Schäfer. Er wird den Komplizen nehmen, der mit Worten nicht so geschickt ist wie er selbst. Ich denke daher, dass du dann der Schuldige sein wirst, Schäfer!" fuhr Slen fort. Deutlich erkannte er die Zweifel beim Schäfer. Slen hielt seine Aussage nicht mal für gelogen. Wenn dieser Borsk so gerissen war, einen Fremden anzuklagen, dann würde er sich kaum scheuen den Schäfer ebenfalls zu beschuldigen.
„Vielleicht tötet er dich auch einfach, Schäfer! Borsk wird jede Gefahr für sich aus dem Weg schaffen!" hielt Slen ihm weiter vor.
Tinder sah ihn erschrocken an.
„Warum sollte er das tun?" fragte er Slen erschrocken.
„Aber Schäfer. Du hast dich von mir reizen lassen und Borsks Namen verraten. Er müsste immer befürchten, dass du ihn im Streit verrätst. Schon deshalb muss er dich zum Schweigen bringen." setzte Slen ihm geduldig auseinander. Tinder senkte seine Arme.
„Du siehst also, dass es dir nichts bringt, wenn du mich einfängst. Aber ich könnte dir helfen! Wir beide zusammen könnten die wahren Schuldigen ihrer gerechten Strafe zuführen." schlug Slen ihm weiter vor.
„Warum willst du das tun, Fremder?" fragte Tinder misstrauisch.
„Alleine komme ich nicht lebend ins Dorf, Schäfer! Wenn du mir aber hilfst, dann schaffe ich es. Im Dorf können wir dann mit den Ältesten sprechen." erklärte Slen es ihm. Tinder winkte ärgerlich ab.
„Du wirst mich auch nur anklagen, Fremder!" zischte er.
„Du bist doch nur von Borsk benutzt worden, Schäfer! Warum sollte ich dich anklagen?" hielt Slen ihm ruhig entgegen.
„Ja!" antwortete Tinder und nickte bekräftigend, „ Er brauchte mich nur zum Tragen der Beute." Slen kam vorsichtig näher.
„Dann kannst du die Dorfältesten doch auch zur Beute führen, Schäfer. Ich bin sicher, dass sie ein Einsehen mit dir haben werden." schlug Slen ihm vor. Ein gewaltiger Donnerschlag unterbrach das Gespräch. Ein Blitz schlug krachend in einen einzeln stehenden Baum ein. Das Unwetter war da!
„Borsk wird es verhindern wollen!" überbrüllte Tinder den heulenden Wind.
„Bei diesem Unwetter wird er uns nicht sehen!" antwortete Slen genau so laut. Nach einem langen Augenblick nickte Tinder zustimmend.
„Ich werde dich ins Dorf führen!" teilte er schreiend mit. Wieder zuckte ein Blitz auf, gefolgt von einem ohrenbetäubenden Donnerschlag. Beide Männer waren bereits nass bis auf die Haut, die von dem kalten Wind eine ungesunde Blässe angenommen hatte. Sturmböen rissen an der Kleidung der Männer, die wie Schiffssegel knatterten. Es war inzwischen stockfinster geworden. Nur die Blitze erhellten kurzzeitig die Umgebung.
Slen hielt sich im Windschatten des Schäfers, während dieser seine Kräfte gegen den Sturm stemmte. Die Wiese war schon knöchelhoch mit Wasser bedeckt. Slen gratulierte sich einmal mehr bei seinen Stiefeln nicht geknausert zu haben. Im Gegensatz zum Rest seines Körpers waren seine Füße noch trocken.
Beim Kampf gegen das Unwetter verlor Slen jedes Zeitgefühl. Als sie die ersten Häuser des Dorfes aus den Regenschleiern auftauchen sahen, meinte Slen schon Stunden unterwegs zu sein.
Tinder führte ihn direkt zum Gemeinschaftshaus des Dorfes in dem er die Ältesten vermutete. Als sich die schwere Holztür hinter ihnen schloss, blieb auch das Tosen des Sturmes draußen. Im Langhaus des Dorfes war es erstaunlich still. Der große Kamin aus Feldsteinen an der Stirnseite verbreitete eine angenehme Wärme. Die gebeugten Gestalten der Ältesten hoben sich gegen das Feuer ab.
„Wer ist da?!" erkundigte sich eine brüchige Stimme. Langsam wandten sich die Dorfältesten um.
„Tinder, der Schäfer." antwortete Slens Begleiter sofort und trat in den Lichtschein des Feuers.
„Aber du bist nicht allein, Schäfer. Wer ist mit dir?" fragte der Alte, der wohl der Wortführer zu sein schien. Slen sah, das dessen Augen noch klar waren. Man durfte sich von seinem Alter nicht täuschen lassen.
„Ich wurde beschuldigt einen Mord begangen zu haben. Ich bin gekommen, um meine Unschuld zu beweisen." sagte Slen ruhig und trat ebenfalls ins Licht. Der alte Mann lächelte mit wissendem Nicken.
„Tritt näher, Fremder. Wir haben dich schon erwartet." erwiderte der Alte. Slen trat ohne Zögern vor. Er wusste jetzt, dass sein erster Eindruck von dem Alten richtig gewesen war. Es wunderte ihn auch nicht, dass man ihn bereits erwartet hatte. Der Alte blickte ihn freundlich an.
„Wir sind keineswegs so einfältig, wie mancher hier im Dorf glaubt." sagte der Alte mit einem belustigten Glitzern in den Augen.
„Kein Mörder und Dieb wäre so dumm einen Ort arglos aufzusuchen, in dem er in der Nacht zuvor einen Mord begangen hat." sagte eine weißhaarige Frau. Slen nickte zustimmend.
„Gegen den Mob heute Morgen hätte ich keine Chance gehabt. Die Leute hätten mich bei lebendigem Leib zerrissen. Ich musste fliehen!" erwiderte Slen mit müder Stimme.
„Alles andere wäre deinem Leben sehr abträglich gewesen, Fremder." stimmte ihm der Alte zu.
„Du hast dir unser offenes Ohr mit deinem Kommen verdient. Sprich also offen zu uns." erklärte die Frau ihm und deutete auf einen Schemel. Slen setzte sich dankbar.
„Eigentlich kann ich euch nicht viel berichten." begann Slen.
„Du hättest einfach fliehen können, Fremder. Aber du bist zurückgekommen. Demnach bedeutet dir Gerechtigkeit noch etwas. Du willst die wahren Schuldigen finden, nicht wahr?!" unterbrach ihn der Alte.
Slen spürte die einschläfernde Wirkung des Feuers. Die wohlige Wärme nach den Strapazen des Unwetters. Aber er riss sich zusammen.
„So könnte man es sagen. Mir fiel heute Morgen in der Menge jemand auf, der eifrig bemüht war, gegen mich Stimmung zu machen. Mir kam später der Verdacht, dass dieser Jemand mich vorschieben wollte. Indem er den wütenden Bewohnern eures Dorfes ein Opfer in die Fänge trieb." setzte Slen wieder an. Wieder hob der Alte seine Hand, um ihn zu unterbrechen.„Tinder, was drückst du dich da hinten rum. Tritt zu uns ans Feuer!" forderte er den Schäfer auf, der beim Eingang zurückgeblieben war. Mit schuldbewusstem Gesicht kam Tinder zum Feuer.
„Du bist nicht ohne Grund gekommen, Schäfer. Nun ist es für dich an der Zeit zu sprechen!" gebot er Tinder. Slen war überrascht, welche Kraft in der Brüchigen Stimme des Alten lag. Gehorsam trat Tinder in die Mitte des Ältestenrates und begann stockend zu erzählen.
Nichts von dem, was er sagte, schien den Alten zu überraschen.
„Ja, so in etwa haben wir uns die Angelegenheit auch gedacht," seufzte der Alte, nachdem Tinder geendet hatte, „ Borsk war schon immer ein habgieriger Mensch und neidete anderen ihren Reichtum. Nun ist er also zum Mörder, Dieb und Hundsfott geworden!"
Slen atmete tief durch. Jetzt kannten die Dorfältesten den wirklichen Täter. Plötzlich wandte der Alte sich ihm wieder zu.
„Damit wäre diese Schuld von dir genommen, Fremder. Trotzdem lastet noch eine andere Schuld auf deinen Schultern. Du musst wissen, dass die großen Städte nicht so fern sind, wie man denken könnte. Dein Feind muss sehr reich sein, Slen val Drakeen, und er muss dich wirklich hassen!" sagte er ruhig.
Slen konnte nur mit Mühe jede Reaktion unterbinden.
„Ist er mir dicht auf den Fersen?" erkundigte er sich fast teilnahmslos.
„Niemand weiß von deinem Aufenthalt, auch wenn du nur Slen, der Spieler, bist. Wir erbitten nur eine kleine Gefälligkeit von dir." beruhigte der Alte ihn. Slen entspannte sich wieder etwas.
„Was sollte das sein?" fragte Slen neugierig. Der Alte grinste schon wieder.
„Wir würden gerne die Vorgeschichte dieser merkwürdigen Jagd erfahren." rückte er immer noch schmunzelnd mit der Sprache raus.
„Sollten wir nicht erst einmal diesen Borsk überführen?" wechselte Slen das Thema. So interessant seine Geschichte einem Fremden auch erscheinen mochte, er erinnerte sich nicht gerne daran.
„Borsk wird seiner Strafe nicht entgehen, Slen! Morgen früh ist eine Abteilung Reiterei im Dorf. Sie werden der Gerechtigkeit genüge tun!" winkte der Alte beruhigend ab. Slen blickte erschrocken hoch, aber der Alte winkte beruhigend ab.
„Dir wird keine Gefahr drohen. Zu diesem Zeitpunkt bist du nicht mehr hier, Slen. Du bekommst von uns einige Vorräte für deine Reise, aber nun erfreue uns alte Leute mit einer Geschichte. Wir hören hier oben in den Bergen so selten Abenteuer aus den Städten, weißt du? Außerdem brauchst du nicht um dein Geheimnis zu fürchten, Slen. Es ist bei uns sicher!" bat ihn der Alte erneut. Slen rutschte unbehaglich auf seinem Schemel umher.
„Es ist nicht leicht eine solche Geschichte zu erzählen," erklärte er zögernd, „ und es hat nichts damit zu tun, dass ich euch misstrauen würde. Ich war den größten Teil meines Lebens allein." Die interessierten Gesichter der Alten irritierten ihn.
„Nun, wir haben von den umherziehenden Söldnern gehört, dass ein reicher Kaufmann aus Yjan-Calliorn ein hohes Kopfgeld auf dich ausgesetzt hat." half ihm der Alte einen Ansatz zu finden.
„Der Kaufmann hat eine Menge Beschuldigungen erfunden, um mich zu einem Gejagten zu machen. Und das Wort eines reichen Mannes aus der Gilde der Kaufleute zählt weitaus mehr als das eines kleinen Spielers!" erwiderte Slen verbittert. Schon stiegen die unerfreulichen Bilder wieder in ihm auf.
„Als ich vor einigen Monden das letzte Mal in Yjan-Calliorn weilte, lernte ich auf dem alten Marktplatz ein Mädchen kennen. Sie kam jeden Tag und sah mir beim Spielen zu. Dabei lächelte sie mich immer an, so dass ich sie schließlich ansprach. Sie hieß Tareen. Nun, sie gefiel mir und ich gefiel ihr! Wir trafen uns bald darauf jeden Abend. Anfangs wollte sie ein paar Tricks von mir lernen, dann wurde es mehr."
„Du hast dich in die Kleine verliebt, nicht wahr?!" unterbrach ihn der Alte mit seinem wissenden Lächeln.
„Davor ist der beste Spieler nicht gefeit!" seufzte Slen, dann verfinsterte sich sein Gesicht.
„Sie wollte unbedingt, dass ich mit ihr nach Hause komme. Eines Abends ging ich mit. Ich kam nicht dazu, mich über die kostbare Einrichtung zu wundern. Sie zog mich in ihr Zimmer. Ihre Küsse waren fordernd und ich gab willig nach. Plötzlich brüllte jemand und im nächsten Augenblick wurde ich gepackt. Man beschimpfte mich und schlug auf mich ein. Ich wehrte mich nach Kräften und entkam. Der Mann brüllte mir die schlimmsten Verwünschungen hinterher. Ich habe seine Tochter entehrt und würde dafür zahlen müssen!
Erst am nächsten Tag stellte ich fest mit wem ich mich in der Nacht angelegt hatte! Ich verließ die Stadt in großer Eile und seit dem bin ich auf der Flucht." fuhr er mit knappen Worten fort.
„Der Kaufmann legt wohl großen Wert auf seinen Namen. In der heutigen Zeit ist es nicht einfach, eine so umfassende Jagd durchzuführen. Das Reich ist brüchig geworden. Viele der südlichen Provinzen fallen ab. Da muss ein Mann gute Kontakte haben!" stellte der Alte sinnend fest.
„Auch andere Fürstentümer lösen sich aus der Herrschaft heraus." fügte die weißhaarige Frau hinzu. Slen runzelte die Stirn. Warum sprachen die Alten jetzt davon?
„Wir wollen dir damit raten in den Süden weiter zu ziehen, Slen." sagte der Alte, der seine Gedanken zu erraten schien.
„Ihr meint, dass ich dort sicherer wäre?" erkundigte Slen sich überrascht.
„Im Süden gibt es mehr Matriarchate. Dort kann ein Mann nicht mehr viele Helfer haben!" erklärte die Frau ihm zuversichtlich. Das leuchtete Slen ein. Von innerer Unruhe getrieben sprang er auf.
„Ich danke euch für euer Vertrauen! Innere Unrast treibt mich zum Aufbruch. Ich möchte möglichst weit von der Reiterschar weg sein, wenn sie euer Dorf erreicht!" erklärte er den Alten. Diese lächelten verstehend.
Das Unwetter hatte sich verzogen, als Slen wieder auf die Straße trat. Er blickte sich noch einmal kurz um, dann schritt er kräftig aus und verschwand in der Nacht.
Ende
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Innerhalb dieser Unterteilung empfinde ich auch die Nummer 3 als am Ehesten störend!
Während eingefügte Minihandlungen zwischen zwei Kapiteln eine manchmal recht angenehme Abwechslung sein können, kommen die eingestreuten Folgen teilweise so ungünstig in die sich aufbauende Spannung hinein, dass man sie einfach nur als störend empfindet!Bei Elementen, die im Manga nicht vorkommen, gibt es durchaus auch mal angenehme Überraschungen. Da durch das Medium Anime die Handlung an manchen Stellen einer Erklärung bedarf, werden hier Elemente eingefügt. Dies kann den Erzählfluss teilweise sehr positiv beeinflussen!
Natürlich gibt es immer die eigene Einstellung. Ich kenn das so, und so will ich es auch sehen!
Umso schlimmer, wenn die eigene Vorstellung im Spiel ist. Was man sich selbst ausgemalt und zurecht gelegt hat, wird selten von anderen getroffen!Die Rekapitulierung der vorangegangenen Handlung ist, meiner Meinung nach das am wenigsten benötigte Fillerelement. Da man sich die Folgen ja normalerweise gleich hintereinander anschaut, wird das echt zur Qual. Das ist zwar für die eingebaut, die ausschließlich in der Flimmerkiste sowas schauen können, aber die Medienwelt hat sich ja nun mal sehr erweitert!
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"Selbstverständlich!" Der Direktor war wieder die Liebenswürdigkeit in Person.
Er zog einen Schriftsatz aus der Schublade.
"Würdet ihr bitte Kohana zum Frühstück bringen?" wandte er sich an die beiden Night Class Schüler. Dabei blinzelte er kurz Kain zu.
"Wenn sie bitte noch einmal kurz Platz nehmen wollen?" wandte er sich an Kasumi Saito. "Selbstverständlich werden sie über all das hier Stillschweigen bewahren!"
Dann wandte er sich den Anmeldeunterlagen zu und wies die ersten Punkte an. -
Die Tür öffnete sich noch bevor die beiden diese erreichen konnten. Akatsuki Kain und Takuma Ichijo betraten den Raum und stellten sich vor die Tür, die sie hinter sich schlossen.
"Eigentlich sind sie diejenige, die verrückt genug ist, um zu meinen hier so raus zu kommen, Frau Saito!" entgegnete Kaien Kurosu ganz entspannt.
Er trat wieder an seinen Stuhl und nahm Platz.
"Würdet ihr dieser Dame bitte den Ernst der Lage verdeutlichen?" fragte er in Richtung der beiden Night Class Schüler.
Diese ließen ihre Augen rot aufleuchten und zeigten kurz ihre Zähne, ohne jedoch zu fletschen.
"Ich würde sagen, der Erweis ist als erbracht anzusehen, Frau Saito!" Kaien Kurosu schlug die Beine übereinander und faltete die Hände. "Wollen sie sich nun diesem kleinen und stillschweigenden Abkommen beugen? Oder soll ich ihre Erinnerungen löschen lassen und ihnen die Hunter auf den Hals hetzen?" -
Kaien Kurosu war bei ihrem kleinen Ausrutscher stehen geblieben. Ein schmales Lächeln lag auf seinen Lippen, als er Kasumi Saito ansah.
"Ich fürchte, sie enttäuschen zu müssen, Frau Saito!" sprach er besonders langsam aus.
Mit ruhigen Bewegungen ging er wieder an den Schreibtisch und lehnte sich auf dessen Arbeitsplatte.
"Sie müssen wissen, das Vampire zwar zu Staub zerfallen... aber dieser Staub bleibt dann auch als Beweis zurück. Meinen sie, dieser eine wäre an einer normalen Kugel so schnell verreckt?" Seine Stimme wurde unvermittelt schärfer. "Ihre kleinen Geschäfte sollen uns hier an der Akademie nicht weiter interessieren. Aber ihre kleine Kohana wird wohl besser hier aufgehoben sein!"
Er ließ ihr einen Moment Zeit, um Luft zu holen. Aber noch bevor sie zum Sprechen ansetzen konnte fuhr er fort.
"Ich könnte sie natürlich auch an die Hunter-Agenturen melden, wissen sie?! Aber derzeit wäre es für Kohana wohl besser, wenn sie pro forma die Erziehungsberechtigte bleiben würden und ihr großzügigerweise den Aufenthalt hier ermöglichen! Bei voller finanzieller Abdeckung der anfallenden Kosten natürlich!" Er blinzelte ihr zu. -
"Ah, ich verstehe, Frau Saito. Aber wissen sie, Kohana hat da etwas von Vampiren erzählt! Können sie sich das vorstellen?" Kaien Kurosu machte eine besonders theatralische Geste mit beiden Armen, die völligen Unglauben ausdrückte. Dabei schaffte er es auch, zu Kohana zu blicken.
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Kaien Kurosu erhob sich hinter seinem Schreibtisch und verbeugte sich kurz.
"Guten Morgen, Frau Saito", erwiderte er ihren Gruß.
"Das arme Mädchen kam gestern ganz verwirrt hier an. Sie erzählte etwas von furchtbaren Fratzen, die sie zu Tode erschreckt hatten. Monster, die kleine Kinder ausgesaugt hätten!" seine Arme gerieten dabei in Bewegung.
"Wir sind hier ein ruhiges und etwas abgeschiedenes Leben gewöhnt, wissen sie, Frau Saito?! Da sind solche Geschichten doch sehr ungewöhnlich!"
Er wanderte hinter seinem Schreibtisch herum, ohne die beiden aus den Augen zu lassen.
"Merkwürdig war allerdings, das in der letzten nacht Fremde hier eindringen wollten!" Kaien Kurosu gab seiner Stimme einen nachdenklichen Klang. "Unsere Wachleute konnten dies verhindern, aber bislang hatten wir eigentlich nicht mit so einem massiven Eindringen zu tun. Können sie sich vorstellen, was diese Leute hier gewollt haben?
Diese letzte Frage war direkt an Kasumi Saito gerichtet. -
Als das Mädchen ihn flehendlich anblickte, klingelte das Telefon auf dem Schreibtisch. Der Direktor machte eine entschuldigende Bewegung in Richtung Kohana und hob den Hörer ab.
"Direktor Kurosu!" meldete er sich schneidig. "Ja? Wer? Kasumi Saito? Sucht ihre Nichte? Aha. Wie? Ein wenig anders? Oh ja, verstehe! Gut, schicken sie diese Dame in mein Büro. Aber der Kollege soll sie begleiten. Sie soll nichts weiter zu sehen bekommen!"
Er blickte auf. Kohana stand noch immer auf dem selben Fleck wie vorher.
"Nun, das könnte jetzt interessant werden!" meinte er schmunzelnd, während er den Hörer auflegte.
"Deine Tante ist hier, Kohana-san! Sie will dich abholen. Ich muss dich bitten, vorerst nichts zu ihr zu sagen. Wenn es darauf hinaus läuft, was ich vermute, wird sie sich selbst eine Grube graben! Dann wären auch deine Sorgen um das Hierbleiben und die finanzielle Seite schnell geklärt! Also setz dich bitte dort auf den Stuhl und warte ab." -
"Guten Morgen, Ito-san. Ja, das wollte ich! Es geht um die Vorkommnisse der letzten Nacht und den unerwarteten Besuch im Sonnenwohnheim!" begrüßte Kaien Kurosu das Mädchen.
"Corvin Vrajescu hat mir schon die meisten Einzelheiten erzählt, aber da ist deine eigene Geschichte von gestern. Diese Fratzen, von denen du gesprochen hattest... Ja, Vrajesku-san musste mir auch davon berichten! Es ging dabei um deine Flucht vor deiner Tante..."
Durch die beunruhigenden Geschehnisse war er selbst etwas nervös geworden und stand plötzlich auf. Um das Mädchen nicht zu erschrecken, lief er aber nur hinter dem Schreibtisch herum.
"Könnte es sein, dass du genau diese Kreaturen gesehen hast? Dass sie dir hierher gefolgt sind?" -
06:55 Uhr - Schulgebäude - Büro des Direktors
Nachdenklich schaute Kaien Kurosu auf die gerade geschlossene Tür. Man hatte ihm gerade einen Teil der Hintergründe zu den Vorfällen der letzten Nacht berichtet!
Corvin Vrajescu hatte von vier weiteren eingedrungenen Level E gesprochen, die in das Zimmer von Kohana Ito eingedrungen waren. Noch in den frühen Morgenstunden hatten Yuki und Zero bereits von einer dieser Kreaturen berichtet. Zero hatte sie zwar nicht richtig getroffen, aber seine Munition war für Vampire tödlich! Der Level E hatte nicht mehr lange gelebt!
Und nun waren es noch weitere gewesen... Irgendwie glaubte der Direktor jetzt, dass auch mit diesen vier noch nicht alle aufgezählt worden waren!
Corvin hatte alle Angreifer vernichten können, die offensichtlich hinter dem Mädchen hergewesen waren.Die Geschichte des Mädchens war am gestrigen Tag schon sehr ungewöhnlich gewesen. Kaien Kurosu ging inzwischen davon aus, dass jemand in der Stadt eine gewisse Dienstleistung für diese Kreaturen erbrachte. Schon immer waren Menschen bereit gewesen, für Geld Dinge zu tun!
Die Nachforschungen am gestrigen Abend hatten nicht viel erbracht. Möglicherweise war aber doch jemand nervös geworden und hatte seine Kunden um einen Gefallen gebeten.
Woher kamen nur diese ganzen Level E Vampire?
Die Situation war beunruhigend! Er hatte auf alle Fälle auch nach Kohana Ito schicken lassen, um auch sie zu befragen. -
Das müssen wir ein wenig ausführlicher stricken:
Die Tante kommt zur Schule
Sie fordert die Herausgabe von Kohana
Der Direktor will die Gründe wissen
Tante stellt Kohana als Lügnerin und Träumerin hin, da es ja wohl keine Vampire gäbe
Tante wird durch den Direktor entlarvt - Ab da muss sie zahlen, da ihr Geheimnis bekannt ist - Kohana kann somit auf der Schule bleiben!
Als sie die Schule verlässt, versucht sie Kohana mit Gealt zu entführen
Dann kommt Kai, der gerade seinen Antrittbesuch machen will...
...der Rest dann nach belieben
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Hauptsache, man hat keine Manschetten vor Prüfungen

Lange Ärmel sind echt gewöhnungsbedürftig nach der Zeit... -
Obwohl sie den anderen Vampir immer näher kommen spürte, trat Felic trotzdem zu Hikaru, der das Schwert gerade mit einem Lappen gesäubert hatte und zurück in die Schwertscheide schob.
„Du weißt gar nicht, wie froh ich bin, dass du jetzt an meiner Seite bist!“ sagte sie leise.
Als er überrascht beim Klang ihrer Stimme aufblickte, schaute er direkt in ihre grünen Augen. Ehe er in irgendeiner Form reagieren konnte, stellte Felic sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn auf den Mund. Ob das jemand sah, war ihr hier und jetzt egal! -
Die beiden ehemaligen Menschen vor ihnen schienen für einen langen Augenblick unschlüssig. Es war keine wirkliche Intelligenz mehr in diesen blutsaugenden Wesen, trotzdem spürten sie die Ausstrahlung von Mhairi Yelva und die Macht ihres Blutes.
Felic konnte den Ekel vor diesen Kreaturen nicht verbergen, während Hikaru mit gezogener Klinge vor sie trat. Auf der Brücke in Richtung des Mondwohnheims näherte sich ein weiterer Vampir.
„Du brauchst diesen dort kein Mitleid entgegenbringen, Aniki. Sie waren vielleicht einmal Menschen, aber diese sind schon lange tot! Diese Kreaturen sind das, was als Level E bezeichnet wird. Sie werden von der Blutlust beherrscht und kennen nichts anderes mehr!“ erklärte Felic ihm mit flacher Stimme.
Mit einem von Wut beschleunigten Sprint war Zero bei der widerlichen Kreatur und hatte seine Bloody Rose schon bereit, um diese unwürdige Existenz auszulöschen. Doch kurz bevor er abdrücken konnte, durchfuhr wieder der grausame Schmerz seinen Körper, so dass die Kugel nur den Arm der Bestie traf, die mit einem schrillen Schrei das Weite suchte.
„Verdammt!“ keuchte Zero.
Aus der Dunkelheit der Bäume kam Yuki auf ihn zugelaufen, um ihm zu helfen.
„Kann nicht nur ein Level A Menschen in Level E verwandeln?“ erlaubte sich Hikaru die kurze Frage, ohne die beiden Kreaturen aus den Augen zu lassen.
Die Geschwindigkeit, zu der diese Kreaturen fähig waren, unterschätzte er dann doch etwas. Eine der Horrorfratzen vor ihm griff an! Fast wie ein Schemen bewegten sich die Arme.
Hikarus Körper reagierte ohne sein bewusstes Zutun. Die Klinge zog einen kurzen Bogen in dessen Weg sich die beiden Arme der Kreatur befanden.
Ehe Hikaru auch nur Blinzeln konnte, waren beide Arme abgetrennt. Mit einem kurzen Gedanken führte er sein Schwert in einem Rückhandhieb gegen den Kopf der Kreatur.
Noch im Zusammenbrechen zerfiel der Körper zu Staub, von dem sich ein schemenhaft leuchtendes Wölkchen löste und auf das Amulett zu glitt, das bei der Bewegung von Hikaru aus dem Hemdkragen gerutscht war.
Aber er hatte keine Zeit, dieses Phänomen zu beobachten, denn die andere Kreatur stieß einen krächzenden Laut aus und griff ebenfalls an.
Hinter ihm leuchteten Felics Augen in einem rötlichen Bernsteingelb, aber sie hielt sich zurück und beobachtete Hikaru. Ihr war das Schemen durchaus aufgefallen, das von Banshee Catha aufgenommen worden war!
Hikaru unterlief die angreifende Kreatur und stieß sein Schwert direkt in dessen aufgerissenes Maul. Kraft und Bewegungsmoment ließen die Klinge den Schädel glatt durchstoßen. Wieder zerfiel die Fratze zu Staub.
Hikaru hob die Klinge in der Drehung kurz grüßend vor sein Gesicht, als er Felic direkt ansah. Sie lächelte.
Das von dem Restlichtverstärker fast verdeckte Gesicht verzog sich zu einem zufriedenen Ausdruck. Bei dem Eindringen der Blutsauger hatte der Mann die Chance genutzt und war ihnen auf das Grundstück gefolgt. Jetzt hatte er den eindeutigen Beweis deutlich vor Augen. Sie war hier! Und sie hatte einen neuen Paladin!
Von den eingedrungenen Blutsaugern war nur eine Kreatur entkommen, aber der Zustand des zerfallenen Armes ließ darauf schließen, dass auch diese nicht lange überleben würde. Doch damit war auch die Ablenkung verschwunden und es wurde Zeit, sich zurück zu ziehen.