Beiträge von Sicarius

    20:00 Uhr ~ Eingang zum Schulgebäude [Corvin Vrajescu]


    'Wieder hier zu sein tut gut.' Corvin atmete die kühle Abendluft tief ein. Der Wind war schon etwas stärker geworden, als er es noch vor dem Klassenwechsel war. Der Vampir legte den Kopf in den Nacken. Von Westen zogen dunkle Wolkentürme heran. 'Sieht wohl nach Regen aus.' Er sollte sich lieber beeilen, wenn er nicht nass werden wollte.


    Fast schon melancholisch schritt er den Weg am Gebäude entlang, immer Richtung Eingangspforte. Vor seiner Abwesenheit hatte er nicht geglaubt, dass dieser Ort hier ihm fehlen würde. Er hatte sich immer nach den dunklen Wälder Siebenbürgens gesehnt. Schließlich war er nur hier, weil ihn sein Großvater gebeten hatte. Und solche Bitten schlug man dem Clanvorstand nicht aus. Da sich hier die Sprösslinge aus allen Möglichen Adelsfamilien sammelten, wäre es der Meinung des Alten nach eine Schande, wenn der Vrajescu-Clan keinen Vertreter schicken würde. Aber letzten Endes war es ihm doch nicht so wichtig gewesen. Sonst hätte er nicht ihn, den Letztgeborenen, gewählt.


    Vor etwa einem Jahr war er zum ersten Mal hier gewesen. Auch wenn er die ganze Zeit über seine Brüder und seine Heimat vermisst hatte, fand er in seinen neuen Klassenkameraden doch endlich Freunde, die ihn respektierten. Einige von ihnen teilten sogar sein Schicksal, letzte in der Adelshierachie zu sein. Ob ihn wohl jemand vermisst hatte? 'Wohl eher nicht, war ja nur eine Woche, die ich Zuhause war...'


    Als er Stimmen hörte, hielt er kurz überrascht inne. Das eine war die Stimme von Sakura-san, einer seiner Mitschülerinnen. Die andere Stimme kannte er nicht. Wohl jemand neues, denn den Klang von Stimmen konnte er sich merken, wie sonst nichts. Corvin beschleunigte etwas seine Schritte, es gehörte sich nicht, Gespräche von anderen zu belauschen.

    Der Schlag traf ihn so unvorbereitet, dass Mamoru kaum Zeit zum reagieren hatte. Zum Glück bekam er im Fallen noch seine Hände unter sich, sodass er sich noch rechtzeitig abstützen konnte.
    "Ach du bists ja! Tut mir echt leid, Mamoru! Ich war total in Gedanken... Hast du dir weh getan?"
    Erst jetzt bemerkte er auch, was, bzw wer ihn umgehauen hatte.
    "Hey Haru... Nein keine Sorge ist ja noch alles gut gegangen."
    Er rappelte sich weider auf, und klopfte sich den Dreck von den Handflächen. "Mit den Teilen hast du ja ne ganz schöne Wucht drauf gehabt. Musst du zu irgend einem Notfall, oder warum fährst du einfache nichtsahnende Zivilisten um?" Er grinste, um den Worten die Schärfe zu nehmen. Es war eigentlich gar nicht seine Art, zu Scherzen. Aber hier schien so vieles anders zu laufen, scheinabr auch er selbst.

    In der Nähe des Funhouses ~ gegen 20:30 Uhr


    Mamoru schlenderte über das von der Sonne aufgeheizte Pflaster. Die meisten Schüler, die an ihm vorbeiströmten, hielten auf ein Gebäude hier zu. Selbst nachdem es in der Führung über die Insel von dem Lehrer erwähnt wurde, hatte es für ihn keinen Reiz gehabt dorthin zu gehen. Jetzt aber war ihm ziemlich langweilig. 'Ein kurzer Blick kann ja nicht schaden... Wenn es zu voll ist geh ich einfach wieder.' Vielleicht würde er dort oder auf dem Weg dorthin jemanden bekanntes treffen.

    Waldstück vor dem Schulgebäude


    Während des Gesprächs spürte Takeya, wie sich Chi an seinem T-Shirt festhielt. Er schaute zu ihr zurück. Das ganze schien sie noch mehr mitzunehmen als ihn.
    "Also los Kuraiko, wir gehen jetzt besser vom Gelände hier. Erzähl uns dann bitte alles. Also alles, was du weißt..."
    Nachdem die Vampirin einige Schritte voraus gegangen war, senkte Takeya etwas den Kopf und flüsterte zu Chi:"Du hattest Recht gehabt mit deinen Vermutungen über die Schule hier... Aber das es sowas ist, konnte wohl niemand wissen."Einen kurzen Moment zögerte er, dann nahm Takeya ihre Hand, mit der sie sich immer noch an ihm festhielt. Sie fühlte sich ziemlich kühl an. Eine leichte Windböe ließ ein paar ihrer weißen Haarsträhnen sachte in der Brise wehen.
    "Komm, ich glaube, mit Kuraikos Hilfe werden die ganzen Geheimnisse jetzt ein Ende haben." Der Junge versuchte ein Lächeln. Ihr bedrücktes Gesicht versetzte ihm einen leichten Stich in der Brust. Das Gefühl war so unbekannt für ihn...



    19:30 Uhr ~ Waldrand am See, Abseits des Wohnheims
    Kuraiko war mittlerweile wieder gegangen. Sie hatte jetzt Unterricht, wie alle Vampire. Takeya brütete über das, was er und Chi soeben erfahren hatten. Die Grundidee des Rektors mochte ganz gut sein, und durch seine Bekanntschaft mit Kuraiko wusste er jetzt auch, dass nicht alle Vampire für Menschen gefährlich waren, und dass die meisten sich wohl an ihre "Regeln" hielten. Aber der Vorfall mit Tori war wohl Beweis genug, dass diese Idee vielleicht nicht ganz so gut umsetzbar ist. Er schaute über das Wasser und spielte mit dem Zahn an seiner Halskette zwischen den Fingern. Es wurde langsam dunkel. Ihnen gegenüber am anderen Ufer konnte er den Platz sehen, an dem sie sich zum ersten mal getroffen hatten. Es war erst einen Tag her, und doch schien es ihm eine Ewigkeit.
    "Alles in Ordnung mit dir?" Chi schien ihm immer noch sehr nachdenklich. Mit einem ernsten Ausdruck in ihren Augen und ihren zu einem feinen Strich zusammengepressten Lippen sah sie ziemlich süß aus. Er wunderte sich wieder, was sie für Gefühle bei ihm auslöste.

    Das Laub raschelte im Abendwind. Ein Raubvogel, der in der Dämmerung kreiste, stieß seinen wilden Schrei aus. Unentschlossen stand der Junge da, den Blick in die Augen des weinenden Mädchens gerichtet. Sie schluchzte nicht, nur eine einzelne Träne floss an ihrer Wange hinab.


    Sie hatte die Wahrheit gesagt, dass fühlte Takeya. Vielleicht hatte er wieder einmal zu schnell geurteilt... Er schaute nocheinmal zurück zu Chi. Wieder zogen ihn ihre wunderschönen roten Augen an. Er wollte sie doch nur beschützen...


    Er seufzte und sagte schließlich an Kuraiko gewand: "Tut mir leid, dass ich vielleicht zu schnell über dich geurteilt habe. Aber das hier ist alles zu viel für mich... Aber wenn du wirklich nicht so wie sie bist, dann bitte erklär uns, was das hier alles soll. Was der Zweck dieser Schule ist, und all das. Du hast zwar gesagt, dass du selbst hier neu bist, aber du wirst wohl als Night-Klässlerin mehr wissen als wir." Takeya fuhr sich mit einer Hand durch die Haare. "Aber ich glaub, wir sollten uns einen anderen Platz dafür suchen. Das beste ist wohl, wenn wir weg von den anderen Night-Klässlern kommen."

    "Vampire...", murmelte er vor sich hin. So etwas konnte er nicht glauben, so etwas gab es schließlich nicht! Aber er hatte es doch selbst gesehen, gerade eben, mit eigenen Augen! Genauso wie Chi! "Wenn das stimmt, dann bist auch du einer von diesen..." Es war einfach zu unnatürlich für ihn, in seinen Gedanken zu unterhalten, deshalb hatte er wieder laut gesprochen. Mit einem Schlag beruhigte er sich wieder. Es ergab jetzt alles einen Sinn. Sie hatten recht gehabt, hier war nichts normal! Die NightClas bestand nicht aus Menschen. Ranken die aus dem Boden schießen und Telepathie... Und er hatte gesehen, wie eine von ihnen Blut getrunken hatte. Die Bezeichnung Vampire von Kuraiko passte also. Und deshalb auch diese ganzen Geheimnisse hier! Es sollte niemand erfahren, dass es Vampire gab, und das schien bis jetzt auch immer geklappt zu haben! Aber warum wurden hier auch Menschen unterrichtet? Waren sie so etwas wie Blutreserven? Wurden hier schon öfter Menschen gebissen? Aber warum hatte das sonst niemand bemerkt? Oder besser: Was passierte mit denen, die es bemerkt hatten?
    "Und jetzt? Willst du mich jetzt ausbluten lassen?" Takeya ging wieder einen Schritt auf Kuraiko zu. Hinter seinem Rücken versuchte er Chi mit einer flüchtigen Hand-Geste zu zeigen, dass sie abhauen sollte. Er wagte es aber nicht, ihr einen Blick zuzuwerfen, der ihn verraten könnte. Er wollte auf keinen Fall, dass ihr etwas geschah. Es war ja zum Teil seine Schuld, dass sie in dieser Lage waren.

    Takeya griff sich wieder aus Reflex an den Hinterkopf. Er hatte wieder ihre Stimme direkt in seinem Kopf! Ob Chi das auch hörte? Nein, sie hatte ihn direkt angesprochen. Zischend stieß er die Luft zwischen den Zähnen aus. "Angesprochen" war wohl das falsche Wort.
    Er versucht seine Gedanken zu Wörtern zu formen. 'Was passiert hier? Was ist das hier alles? Erzähl mir nicht, du hast das mit deiner Mitschülerin nicht mitbekommen! Und was meinst du mit anderen Lebewesen?'
    Das er ihre Stimme wieder in seinem Kopf gehört hatte, mischte seine ganzen Emotionen wieder auf.

    "Kuraiko! Äh Hallo, wo kommst du plötzlich her?"
    Erst wollte Takeya sie fragen, ob sie den Vorfall mit Tori auch beobachtet hatte, dann fing sein Hirn endlich wieder zu arbeiten an. Erschrocken wich er einen Schritt zurück. 'Verdammt, sie ist auch eine von diesen...' Ihm fiel kein Wort dafür ein. Normale Schüler waren sie aber nicht! Ob sie ihn oder Chi auch beißen würde? Er warf Chinatsu einen kurzen Blick über die Schulter zu. Sie schien schien ziemlich verstört. Und das konnte er nur allzu gut nachvollziehen!
    Etwas in ihm regte sich. Er würde sich nicht einfach so beißen lassen. Noch weniger würde er zulassen, dass Chi etwas geschieht."Was ist hier los? Was seid ihr NightClas?
    Takeya ballte die Fäuste.

    Die anderen verließen ziemlich zeitgleich den Speisesaal und Mamoru blieb mit Yuna am Tisch zurück. "Na dan, werd ich auch mal an die frische Luft gehen. Wir sehen uns doch bestimmt morgen beim Frühstück wieder, oder?"


    Kurz darauf im westlichen Waldstück
    Während er mit den nackten Füßen über das weiche Moos des Waldes ging, dachte er wieder einmal über seine Vergangenheit nach. Die Zeit war schon so lange her, als er noch ein normales Leben geführt hatte. An einem Tag hatte sich alles geändert. Er war ein völlig anderer geworden. Nach dem Tod seiner Eltern hatte er kurzzeitig fast jeden Lebenswillen aufgegeben. Aber wenn auch er nicht mehr hier wäre, dann würde sich auch niemand mehr an sie erinnern... Vielleicht bestanden sie ja noch etwas weiter in dieser Welt, wenn er sie weiter in Erinnerung hielt?


    Andere Verwandten hatte er nicht. Deswegen hatte es ihm auch wenig ausgemacht, ob er in ein Heim gekommen wäre, oder in dieses Forschungszentrum. Eine Zeit jedenfalls...
    Es war nicht alles schlecht gewesen. Er hatte eine gute Schulbildung genossen, lebte ein recht komfortables Leben und durfte auch meistens dahin gehen, wo er wollte. Und er hatte auch gewusst, dass diese Versuche nur dazu dienten, anderen Menschen zu helfen. Mamoru hatte sich dennoch immer verdammt einsam gefühlt.


    Seine Gedanken kehrten wieder in die Gegenwart zurück. In den letzten zwei Tagen hatte sich wieder sein ganzes Leben geändert. Er konnte nicht sagen, dass er sich hier immer noch genauso einsam fühlte. Die Tatsache mal außer Acht gelassen, dass sie hier zum Kämpfen geschult wurden, konnte er hier wieder ein normales Leben führen.


    Er war wieder aus dem Wald gegangen, ohne dass er es bemerkt hatte. Den gleichen Weg wie gestern. Vor ihm fielen die Klippen steil zum Meer hin ab, etwas entfernt erhob sich wieder der schwarze Umriss eines dieser Türme.
    Die heiße Quelle dieser Insel lag kaum entfernt. Alleine, hatte er jedoch keine sonderlich große Lust, dort hin zu gehen. Der Junge wandte sich um und ging in die entgegengesetzte Richtung immer an der dem Meer trotzenden Klippe entlang.

    Da er den Vorfall beim Fertigkeitstraining selbst kaum verstanden hatte, sprach er dass lieber nicht an. "Bis auf diesen mörderischen Pacour nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte."
    Mamoru legte die Reste vom Apfel auf sein Tablett und aß das letzte Stück Brot. Er schaute auf die große Uhr an der Wand gegenüber. 18:20. Bis 22:00 Uhr hatten sie dann noch Zeit, sich außerhalb ihrer Zimmer auf dem Gelände der Akademie zu bewegen. Er selbst hatte aber noch nichts eingeplant.
    "Hey, was macht ihr dann noch so nach dem Essen?"

    Er schaute in Mais Augen und versuchte sich vorzustellen, dass eines eine andere Farbe hätte. irgendwie schaffte er es nicht.
    "Wenn du das nächste Mal in eine "Steckdose" langst, mach mal ein Foto!", scherzte Mamoru.
    Er lehnte sich zurück, biss wieder genüsslich in den Apfel und schloss innerlich mit den ganzen Ereignissen vom bisherigen Tagesverlauf ab. Zum Glück hatten sie nach dem Essen noch etwas Freizeit.
    Kurz darauf kam Yuna zu ihnen an den Tisch. "Klar, von mir aus. Setz dich ruhig zu uns..." Sie hatte Mamoru auch seit dem Mittagessen nicht mehr gesehen. "Mhh, wie war dein erster richtiger Tag hier so?"

    Kaum hatte er sich hingesetzt, sah er auch schon Haru und Mai, die durch die Tischreihen auf ihn zukamen.
    "Hi! Na, den anstrengenden Nachmittag gut hinter euch gebracht?"
    Ihm taten selbst noch alle Knochen weh vom Pacour. Ein verwunderten Blick warf er auf Harus Tablett. Dann erinnerte ihn sein knurrender Magen wieder an seinen eigenen Hunger. Der Apfel schmeckte sogar noch besser als die am Tag zuvor.

    Mamoru zuckte etwas zusammen, als ihm Rena von hinten so plötzlich auf die Schulter tippte. Der Schock wich aber schnell einem schmalen Lächeln.
    "Hey Rena. Vielleicht treffen wir die anderen auch noch, ich suche mal einen freien Tisch."
    Er ging schnell zum Buffet, schnappte sich drei Äpfel, etwas Brot sowie eine Flasche Schorle und setzte sich dann an einen gerade freigewordenen Tisch.

    Servus


    mehr oder weniger verrückt bis annähernd bekloppt sind doch alle menschen, da muss man sich nie alleine fühlen, ob das jetzt animes sind oder was andres xD


    Yea, dann bleibt ja nur noch ein Herzliches Willkommen zu wünschen ;)

    17:50 Uhr ~ Simulationskuppel


    Die Lehrer erklärten, dass das Training für diesen Tag zu Ende wäre. Die Schüler hätten nun die Möglichkeit, sich nach dem Abendbrot noch etwas auf dem Gelände frei zu bewegen. Ab 22:00 Uhr herrschte jedoch Nachtruhe.
    Mamoru hatte ziemlichen Hunger nach dem anstrengenden Nachmittag.
    "Hey Rena, treffen wir uns dann wieder im Speisesaal?"
    Er ging zu erst in sein Zimmer, nahm eine kurze Dusche und zog dann wieder seine alltägliche Kleidung an: Eine dunkle Jeans, ein ebenfalls dunkles, leicht lilanes t-Shirt und darüber seine schwarze Jacke mit dem steifen, aufgestellten Kragen.
    Hungrig und froh darüber, dass der ereignisreiche Tag nun langsam zu Ende ging, schloss er die Tür und lief zum Speisesaal. Die Schuhe standen immer noch vor der Dusche.