Tag 30 - 10:30 Uhr - Ein virtueller Raum
Die beiden Männer saßen sich in Sesseln gegenüber und blickten sich schweigend an. Zwischen ihnen hing so etwas wie eine Kristallkugel in der Luft, in der sich einige Szenen widerspiegelten. Aber diese Kugel war nur der virtuelle Ausdruck der Verbindung zu den beiden Mädchen.
"Sie machen ihre Sache wirklich gut!" meinte Senry halblaut.
"Und sie scheinen beide etwas für den harten Jungen zu empfinden", wandte Sean ohne jede Emotion ein.
"Amüsieren Sie sich gut, meine Herren?" erklang eine andere Stimme, die von allen Seiten zugleich zu kommen schien.
"Frau Direktorin, sie sollten die manuelle Kopplung nicht so weit aufdrehen, das ist hier viel zu laut!" erwiderte Senry unbeeindruckt.
"Wir konnten sie gerade auch sehen, zumindest ihr früheres Selbst. Sie haben den Jungen da selbst rausgeholt?" beantwortete auch Sean die Frage nicht.
"Wir hatten Kontakt zu der Organisation, die mit den Eltern zusammen gearbeitet hat..." gab sie zu.
Sean grinste, ohne den Kopf zu bewegen.
"Das klingt nach einer freundlichen Umschreibung für Spionage und Infiltration!"
"Wahrscheinlich, weil es auch so etwas gewesen ist", gab sie unumwunden zu. "Die Zeiten waren noch anders und die Organisationen hatten sich noch nicht zusammengeschlossen."
"Dann kennen sie also den Hintergrund des Jungen?"
"Nein, die Daten waren selbst zu der Zeit nicht vollständig. Wir wussten nur von seinen Fähigkeiten und einigen psychologischen Schwierigkeiten."
"Wie kamen sie dann an jenem Tag dorthin?"
Für einen Moment schwieg Valentina, die sich über ein manuelles Interface in den Raum eingeschaltet hatte, so dass ihr Körper nicht auf eine der Liegen musste.
"Wir hatten einen Datenkurier abgefangen, der mit den letzten Psychogrammen auf dem Weg zu den Eltern war. Man hatte eine hohe Wahrscheinlichkeit für ein inneres Trauma diagnostiziert und wollte dies den Eltern mitteilen. Leider wohl etwas zu spät..."
"Demnach haben sie den Tod der Eltern aus einiger Entfernung also mitbekommen?"
"Haben Sie jemals gehört, wie Menschen schreien, wenn sie bei lebendigem Leibe verbrennen?" stellte Valentina eine Gegenfrage.
Die beiden schwiegen daraufhin.