12:20 Uhr – Lehrerwohnheim – Büro des Direktors
Hayato setzte sich mit einem Ruck auf und blickte sich um. Sein Denken hatte so plötzlich wieder eingesetzt, als wäre ein Schalter umgelegt worden. Er erkannte den Ort wieder und realisierte augenblicklich, was zuletzt passiert war.
„Drecksteil!“ knurrte er. Dem Zustand seiner Kleidung nach zu urteilen war er, genau wie Ibuki bereits vorher, von dieser Sicherheitsvorrichtung draußen vor der Tür erwischt worden.
Aber ein Blick auf die Uhr zeigte ihm, dass er bedeutend länger gebraucht hatte, um wieder lebendig zu werden.
Warum hatte ihn das Teil denn nur beim Rausgehen weggeklopft? Scheinbar war die Sicherung nicht richtig eingestellt, weshalb sie recht willkürlich reagierte. Zeitlich gesehen hatte er die Pause somit verpasst. Aber von den anderen war auch niemand bislang zum Büro zurückgekehrt.
Sein Blick fiel auf eine zusammengerollte Gestalt auf dem anderen Sofa. Das Gesicht dieses Jungen kannte er nicht und er schien nicht einmal Japaner zu sein. Leise schwang er seine Beine vom Sofa und wandte sich so dem Fremden zu.
Es war offenbar noch einiges mehr passiert, nachdem er „ausgefallen“ war. Yukiko schien selbst aktiv geworden zu sein, anders konnte er sich nicht erklären, wie er zurück in das Büro gelangt war. Warum sie jetzt nicht hier war, wusste er nicht zu sagen. Ebenso wenig wie er zu dem Fremden sagen konnte. Sein Magen hingegen war sich deutlich bewusst, dass er die Pause verpasst hatte. Aufmerksam blickte er sich im Büro um. Was hatte sich sonst noch verändert?
Der Laptop auf dem Schreibtisch fiel ihm erst beim zweiten Blick auf. Das Teil war jedenfalls noch nicht da gewesen!
Leise erhob er sich, um seine Untersuchungen noch eine Weile ungestört durchführen zu können. Wenn der Fremde aufwachte würde er gewiss, wie er selbst auch, Fragen haben. Im Augenblick war Hayato mehr an Antworten interessiert, als an Fragen.
Er setzte sich an den Schreibtisch und klappte das Gerät auf. Auf dem Bildschirm konnte er die Eingabe eines Sicherheitscodes erkennen, der offenbar für die „Außensicherung“ des Büros gemacht worden war. Ohne es genau zu wissen, war sich Hayato sicher, dass Yukiko diese Eingabe gemacht hatte. Und es musste wohl kurz nach seinem Abgang gewesen sein.
„Offenbar hat jemand oder etwas festgestellt, dass es ein paar Macken im System gegeben hatte“, murmelte er halblaut vor sich hin. Das Zimmer des Direktors war wohl so eine Art gesicherter blinder Fleck auf dem Schulhof, obwohl sich Hayato keinen Grund für eine solche Einstellung vorstellen konnte.
Diese Welt schien nicht nur ein Leben nach dem Tod bereit zu halten. Dass er sich hier wieder ganz normal bewegen konnte, hatte er ziemlich schnell akzeptieren können. Aber die Teilnahme am Unterricht stand außer Frage! Diesmal ließ er die Informationen in seinem Kopf bewusst hervor kommen, um ihren Nutzen abschätzen zu können. Man gab ihnen eine Navigationshilfe, indem Gebäude benannt und ihre Bedeutung erklärt wurde. Sie bildeten dann eine Art Karte im Kopf. Wenn man sie zuließ, dann konnte man jedes Gebäude, das man einmal gesehen hatte, von jeder Position auf dem Gelände wiederfinden. Wenn man sie verdrängte… Na ja, orientierungslos war er noch nie gewesen. Aber den Zweck dieser Welt fand er in diesen Informationen auch nicht.
Auch im Laptop ließ sich dazu nichts finden. Hayato fühlte sich bereits wieder verhöhnt. Er hasste es, wenn er sich wie eine Spielfigur fühlte.
Ein Blick auf die Uhr zeigte ihm, dass es bereits 12:30 Uhr war. Seine stille Suche hatte ihn aber bislang nicht viel weiter gebracht. Aber wenigstens hatte er das Passwort zum Büro des Direktors.